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04. August 2011 13:50 Uhr

Mit Kopf, Herz und Instinkt

Spielzeit am Augsburger Theater: Eine künstlerische Bilanz

Der Zahlen sind genug gewechselt, hier gilt’s der Kunst. Die Publikumsannahme der Theaterproduktionen 2010/2011 ist die eine Sache; deren Qualitäten eine andere.

Le Nozze di Figaro
Foto: A.T. Schaefer

Beides freilich kann miteinander in Verbindung stehen. Dass das Wetter für die mäßige Freilichtbühnen-Saison 2011 verantwortlich gewesen sei, bleibt nur die halbe Wahrheit. Deren andere Hälfte muss umrissen werden mit den Worten: eine schwache und eine eher durchschnittliche Neuproduktion („Abseitsfalle“/„Der Troubadour“). So etwas spricht sich natürlich rum. Und wer sich noch immer daran klammert, dass die „Abseitsfalle“ doch gar nicht so schlecht gewesen sei, der klammert andererseits aus, was darüber unter Theatermitarbeitern selbst geredet wird. Nein, ein Ruhmesblatt war diese Freilicht-Saison leider nicht.

Hartnäckig leistet das Ballett Besonderes

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Und da nun stellt sich zwingend die Frage: Inwieweit ist dafür die bedauerliche, mehrmonatige Krankheit der Intendantin zu einem kleinen Anteil mitverantwortlich? Zu ihren Aufgaben gehört ja im Zweifelsfall auch, in den Endproben einer Produktion noch etwas auszubügeln. Genau in dieser Verantwortung fühlte sie sich heuer bei der Neuinszenierung von „Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny“ – wie überhaupt mehrfach in dieser Spielzeit die Produktionsbedingungen durch aussteigende Regisseure behindert wurden. Wobei dafür wohl der Zufall die Hauptrolle spielte und nicht die Behinderungen, die sich ergeben, wenn ein Theater zur Wanderschaft im Großraum Augsburg gezwungen ist.

Um fair zu sein, hat man aber auch den künstlerischen Ertrag in Relation zu seinen Produktionsbedingungen zu setzen. Diesbezüglich hat die Sparte Ballett mit „Orpheus“, „Gemischtes Doppel“ und „Liebesblind“ in hartnäckiger Weise ganz Besonderes vollbracht – diese Sparte Ballett, die noch von jedem Augsburger Intendanten der vergangenen 20 Jahre mehr versprochen bekam, als letztlich eingehalten werden konnte.

Beim Schauspiel fällt die Bilanz gedämpfter aus. „Maria Magdalena“ von Hebbel und Brechts „Mann ist Mann“ als besonders gelungenen Schwergewichten stehen mehrere durchschnittliche Produktionen gegenüber („Kirschgarten“, „Besuch der Alten Dame“, „Sonny Boys“, „Familien Unternehmer Geister“) – oder gar der Fußball-Sommer-Flop. Schauspieldirektor Trabusch war mit seinem Einsatz an vielen Fronten aber auch alles andere als zu beneiden.

Wenn die zu Ende gegangene Saison in einer Sparte als maßstabsetzend zu gelten hat, dann am ehesten beim Musiktheater. Nicht wegen der halbszenischen „Aida“ – im Grunde ein Notruf gen Kulturreferenten und Stadtrat –, auch nicht unbedingt wegen „Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny“, obwohl die Produktion hochambitioniert angegangen war.

Maßstabsetzend wohl aber wegen der musikalischen Seite von „Tristan“ – ein kleines Wunder –, wegen „King Arthur“ und vor allem wegen der „Hochzeit des Figaro“, wo einer sowohl mit Liebe zum Detail als auch zum großen Bogen die Regie führte: Jan Philipp Gloger. 2012 inszeniert er in Bayreuth den „Holländer“, und von ihm ist aufgrund des Augsburger „Figaro“ weit mehr zu erwarten als vom diesjährigen „Tannhäuser“-Regisseur.

Dass das Musiktheater so gut dasteht, liegt vor allem an den Namen Votteler und Dirk Kaftan, die mit Kopf, Herz und Instinkt arbeiten. Wenn die Stadtspitze und der Stadtrat ihrer Verantwortung gerecht werden wollen, haben sie die beiden Künstler nach allen Kräften zu unterstützen. Die Bauzustände des Theaters sind schon Knüppel genug auf dem Weg von Votteler und von Kaftan, der ja auch die Philharmonischen Konzerte gewinnbringend prägt. Zu wünschen ist Votteler von Herzen eines: Gesundheit.

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Augsburg | Bilanz | Theater

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