Es ist eine unglaubliche und wahrscheinlich auch einzigartige Reise. Die Britin Megan Lewis reitet von Peking bis nach London. Seit 2008 ist sie schon unterwegs. Diese Woche durchquert sie Bayern.
Hufe klappern auf bröckeligem Asphalt
Steppberg im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen. Es ist ein wunderschöner Tag, die Sonne taucht die örtliche Kirche in ein warmes Licht. Die Donau fließt gemütlich vor sich hin, es ist ein Frühlingstag, wie es einige gibt. Aber heute ist doch etwas anders in Steppberg. Denn aus der Ferne hört man das Klappern von Hufen auf bröckeligem Asphalt. Und dann trabt Zorbee, ein ungarischer Shagya-Araber, den Weg entlang. Auf seinem Rücken trägt er Megan.
Wenn sie zu Beginn der Olympischen Spiele in London ankommt, werden er und seine Artgenossen Megan 8150 Kilometer (Luftlinie) getragen haben. Die Britin springt schwungvoll von Zorbees Rücken und der Hengst macht sich auf in die saftig grüne Wiese. Während ihr Pferd frisst, sagt die 63-Jährige nach einer kleinen Mittagspause: „Ich liebe Reiten und Pferde. Und außerdem ist es die beste Art, etwas zu sehen, die Natur zu erleben, Leute kennenzulernen. Selbst mit dem Fahrrad ist man zu schnell.“ Für sie ist diese entschleunigte Art zu reisen – vier Jahre mit einem Pferd um die halbe Welt – wohl das Selbstverständlichste auf der Welt.
Sie schafft 30 Kilometer am Tag
Megans Blick schweift hinüber zur Donau und sagt: „Ich hätte nie gedacht, dass Deutschland so schöne Ecken hat.“ Und Megan hat schon viel gesehen. Los ging es 2008 in China. Dann Kasachstan, ein kleines Stück Russland und schließlich über die Ukraine hinein in die Europäische Union. Natürlich ging das alles nicht ganz reibungslos. „An der Grenze von Ungarn“, erzählt die Abenteurerin, „saß ich drei Wochen lang fest. Man wollte mich zwar ins Land lassen, nicht aber mein Pferd.“ Ein Freund, mit guten Kontakten, regelte das Problem schließlich.
So oder so macht Lewis immer wieder längere Pausen und fliegt nach Wales, wo ihr Mann im gemeinsamen Zuhause lebt. „Man kann eine solche Reise nicht an einem Stück planen. Es geht nur über Etappen“, sagt sie. Wenn sie unterwegs ist, schafft sie etwa 30 Kilometer pro Tag. Allein durch China reiste sie zwei Jahre.
Früher hatte die Mutter von drei Kindern als Lehrerin Erdkunde unterrichtet. Eine gute Vorbereitung. Zugleich muss ihre Arbeit wohl eine Menge Fernweh ausgelöst haben, das sie auf dem Rücken ihres Pferdes Tag für Tag lindert. Erstaunlicherweise kam es in vier Jahren zu keinem größeren Unfall. Nur einmal, 2009 in China, stürzte sie vom Pferd, brach sich sechs Rippen und musste ihre Reise unterbrechen. „Das Schlimmste aber“, sagt sie, „war eindeutig der rücksichtslose Verkehr in China“.
Gelegentlich hat sie einen Begleiter
Der ist in Steppberg nun wirklich kein Problem. Das Pferd grast, kein Auto weit und breit. In den nächsten Tagen wird Megan weiter durch Bayern reiten. Ab und an begleitet sie jemand ein Stück ihres Weges. Bis Ulm ist das Andrea Renz auf ihrem Hengst Leo. Die 44-Jährige Ulmerin hat eine Freundin, die Megan in Kasachstan traf. Sie erzählte davon und nun hat Andrea sich eine Woche Urlaub genommen.
Danach muss Megan erst mal alleine weiter, über Frankreich – ihr Ziel London vor Augen. Reiten bis zum 27. Juli. Und dann? „Erst mal ausschlafen.“