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09. August 2009 19:40 Uhr

Höchstädt hat Ärger

Aufstand am Marktplatz gegen Brunnen, Figuren und die B16

Die Träume von Höchstädt scheinen sich in einen Albtraum zu verwandeln. Der halb fertige Brunnen steht seit Oktober, der Marktplatz ist eine Baustelle und für die Bundesstraße 16 ist auch nach 30 Jahren keine Trasse gefunden. Von Maria Leistner Von Maria Leistner

Aufstand am Marktplatz
Foto: ALFA

Der Marktplatz als "gute Stube" mitten in Höchstädt mit Aufenthaltsqualität für Jung und Alt, eine Oase der Ruhe und des Friedens. Ein Traum, den Bürgermeisterin Hildegard Wanner träumte, Stadtrat und Städtebauförderung ließen sich begeistern, Wettbewerbe wurden ausgeschrieben, Architekten und Künstler prämiert und die Umgestaltung begonnen.

Nun aber scheint der Traum für die Kommune im Landkreis Dillingen zum Albtraum zu werden. Der halb fertige Brunnen steht seit Oktober, der Marktplatz ist eine Riesenbaustelle und für die Bundesstraße 16, die täglich mit rund 15 000 Fahrzeugen daran vorbei führt, ist auch nach 30 Jahren keine Trasse gefunden. Zu allem Überfluss melden sich jetzt die Bürger zu Wort und sind gegen die "gute Stube" so, wie sie von der Stadt in 14 Beschlüssen nahezu immer einstimmig verabschiedet wurde. 1530 Unterschriften stehen unter dem Bürgerantrag, den modernen Brunnen wieder abzubauen und den Marktplatz neu zu planen. Dabei soll möglichst viel so belassen werden, wie es ist. Heute Abend entscheidet der Höchstädter Stadtrat darüber, ob er den Bürgerantrag zulässt oder nicht. Doch egal, wie es ausgeht, die Unruhe in der Stadt mit 6715 Einwohnern ist riesengroß.

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Das Pikante an der Geschichte ist der Zeitpunkt. Denn justament vor zwei Wochen rollten auf dem Platz die Bagger an, um die Pläne, die kritisiert werden, in die Tat umzusetzen. Den Vorwurf von Bürgermeisterin Wanner an die Bürger, mit ihrem Ansinnen ein bisschen spät dran zu sein, lässt sich deren Sprecher Rudolf Kimmerle gefallen. "Das ist schon richtig. Aber jegliche Kritik, die an der Gestaltung geübt wurde, hat bislang kein Gehör gefunden." Kimmerle begann die Aktion Anfang Juli, weil ihn die Bürger aufgefordert hätten: "Rudi, du musst etwas tun." Und Rudi tat etwas: In sechs Tagen schaffte es der Bauunternehmer und Vorsitzende des Fördervereins Stadt Höchstädt knapp ein Drittel der Wahlberechtigten zu mobilisieren. Mit etwas mehr Zeit wären es doppelt so viele, ist Kimmerle sicher.

Seit vor sieben Jahren der historische Josephsbrunnen vom Marktplatz entfernt wurde, ist die Diskussion um ein Nachfolgeobjekt nicht abgeebbt. Die Stadt will einen Brunnen. Doch die Geister scheiden sich daran, ob er so modern sein soll wie der vom Augsburger Künstler Klaus Goth geschaffene. Der flache Kanal zwischen Säule und Brunnen hat längst den Beinamen "Pinkelrinne" erhalten. "Die Kinder lieben ihn", stellt die Bürgermeisterin fest. Sie ist aber selbst "nicht glücklich", dass der Brunnen auf dem Marktplatz seit Monaten nur halb fertig ist. Auf der Säule fehlt noch die Figur des heiligen Joseph, der früher schon einmal auf dem Marktplatz stand. Das Original von Johann Michael Fischer aus dem Jahr 1771 wird derzeit restauriert, ein Abguss soll zurück auf den Marktplatz. Bleibt es bei dem nun ausgesuchten Standort, dann kommen sich zwei Heilige in die Quere. Denn direkt hinter dem Joseph steht in einer Nische an der Stadtpfarrkirche die Figur des Nepomuk.

Zwischen Stadt und Kirche scheint es beschlossene Sache zu sein, dass der Nepomuk umziehen muss. Rudi Kimmerle will das verhindern. "Der Nepomuk ist das einzig Alte, das es noch am Marktplatz gibt." Kimmerle, der die Höchstädter Unternehmerfamilie Reichhardt (Beton) mit im Boot weiß, stellt keine Forderungen ohne Angebot. Schon vor drei Jahren offerierte er schriftlich, einen Brunnen für 40.000 Euro zu bauen nach dem Modell des historischen Josephsbrunnen. Der Brief sei bei ihr nie angekommen, sagt die Bürgermeisterin. Nunmehr wird das Angebot, die Kosten für die Neugestaltung durch Spenden zu finanzieren, erneuert - alternativ zum Bürgerantrag.

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