Dienstag, 25. Juli 2017

19. Mai 2017 21:32 Uhr

Auszeichnungen

Bayerischer Fernsehpreis: Öha, der Polt erhält einen Ehrenpreis

Gerhard Polt erhält für sein Lebenswerk den Ehrenpreis beim Bayerischen Fernsehpreis. Wie der Kabarettist auf die Auszeichnung reagiert und wer sonst noch geehrt wurde.

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Wirtschaftsministerin Ilse Aigner überreicht Gerhard Polt den Ehrenpreis des bayerischen Ministerpräsidenten.
Foto: Tobias Hase, dpa

Gerhard Polt soll eine Rede halten. Für Herrn Dietz, der „aus der Firma ausgeschieden worden ist“. Jetzt benötigt Polt einen Gedanken. Aber woher nehmen? Ein alter liegt nirgendwo rum. Leasen kann man ihn auch nicht. Und selbst auf eine feilgebotene Flasche Valpolicella, auf Grappa, Zwetschgenwasser oder Himbeergeist reagiert der Gedanke nicht. „Und dann spürt man, wie man als Mensch so ohne Gedanken ...“ Pointe einer urkomischen Nummer des gerade 75 gewordenen bayerischen Kabarettisten. So absurd wie tiefsinnig.

Freitagabend im Münchner Prinzregententheater. Die TV-Branche feiert sich und die Träger des Bayerischen Fernsehpreises. Gerhard Polt soll wieder eine Rede halten. Diesmal in echt, schließlich hat er soeben für sein Lebenswerk den Ehrenpreis des Ministerpräsidenten erhalten. Wer wie Polt den Stursinn von Gedanken kennt, ist natürlich präpariert: „Ich habe immer eine Dankesrede dabei, das ist günstig im Leben.“ Dann beschreibt er, wie er vor einigen Monaten die Nachricht von der bevorstehenden Auszeichnung aufgenommen hat. Nämlich: „Ich gebe zu, ich habe tatsächlich ,Öha‘ gedacht.“

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Öha, das ist in der Polt’schen Sprachwelt ein Ausdruck der Überraschung. „So klingt es, wenn ich über ein Kind stolpere. Oder über einen Fahrradfahrer.“ Polt wäre nicht Polt, würde er jetzt mit blumigen Worten Wirtschaftsministerin Ilse Aigner danken, die in Vertretung von Horst Seehofer den Preis überreicht hat, oder seiner Frau oder dem Postboten. Stattdessen setzt der Mann an zu einem vergnüglichen Vortrag über die Bedeutung des bayerischen Begriffs „Öha“ in Abgrenzung zum „Aha“ und „Soso“. Polt halt.

Die Fernsehkollegen im Publikum wischen sich die Tränen aus den Augenwinkeln, und die live auf 3sat übertragene Gala hat ihren Höhepunkt. Aigner lobt: „Ihr Werk ist Ausdruck einer tiefen Zuneigung zu den Menschen.“ Und Polt rätselt: „Ich bin sehr gespannt, ob die Überraschung, die mich vor Monaten ereilt hat, noch bis Weihnachten anhält.“

Bayerischer Fernsehpreis: Das sind weitere Preisträger

Bis auf diesen undotierten Ehrenpreis sind alle Auszeichnungen an diesem Abend mit Preisgeld verbunden. Insgesamt werden 122.000 Euro verteilt, unter anderem an:

Die Schauspielerin Sonja Gerhardt für ihre Rollen in „Jack the Ripper“ (Sat.1) und „Ku’damm 56“ (ZDF).

Schauspieler Devid Striesow für seine Rollen in „Das weiße Kaninchen“ (ARD) und „Katharina Luther“ (ARD).

Arndt Ginzel und Marcus Weller als Autoren und Reporter des Beitrags „Exclusiv im Ersten: Spiel im Schatten – Putins unerklärter Krieg gegen den Westen“ (ARD).

Christian Becker als Produzent des Films „Winnetou – der Mythos lebt“ (RTL).

Christian Schwochow als Regisseur des Fernsehfilms „Die Täter – Heute ist nicht alle Tage“ (Teil 1) der ARD-Trilogie „Mitten in Deutschland: NSU."

Martin Eigler, Sönke Lars Neuwöhner und Sven S. Poser als Autoren der Fernsehserie „Morgen hör ich auf“ (ZDF).

Matthias Kowalski als Executive Producer des Unterhaltungsprogramms „The Voice of Germany (Staffel 6)“ (ProSieben/Sat.1).

Carmen Butta und Gabriele Riedle als Autorinnen der Dokumentation „Die heimliche Revolution – Frauen in Saudi-Arabien“ (ZDF).

Lars Friedrich als Regisseur der Doku „Schwermut und Leichtigkeit. Dietls Reise“ (BR). (mit dpa)

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Ein Artikel von
Andreas Frei

Augsburger Allgemeine
Ressort: Bayern und Welt

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