Fast zwei Drittel der bayerischen Männer sind übergewichtig oder fett. Frauen sind deutlich schlanker. Eine Studie im Freistaat, die exklusiv unserer Zeitung vorliegt, enthüllt Ernährungsgewohnheiten. Die Politik will das Thema "offensiv vorantreiben".

Von Josef Karg, Augsburg/Berlin
Die Deutschen werden immer dicker. Das ist wissenschaftlich belegt. Wie aber ist es mit den Bayern?
Eine auf den Freistaat zugeschnittene Studie, die exklusiv unsererZeitung vorliegt, hat untersucht, wie es hierzulande um dieErnährungsgewohnheiten steht. Wir stellen Details daraus vor.
Verbraucher-Staatssekretär Gerd Müller (CSU) sagt: "Es gibt bei uns gravierende Unterschiede im Ernährungsverhalten zwischen Männern und Frauen." 40 Prozent des starken Geschlechts hätten kaum Kenntnisse über Ernährung. Die Folge: Fast zwei Drittel sind zu schwer. Bei den Frauen sind es nur knapp 50 Prozent. Darum will Müller das Thema Ernährung weiter offensiv vorantreiben.
"Denn allein durch bessere Ernährung können die Kosten im Gesundheitssystem um 30 Prozent reduziert werden", erklärt er. Müller will zusammen mit der Industrie auch eine einfach verständliche Kennzeichnung der Lebensmittel nach den Kategorien Kalorien, Zucker, Salz und Fett mit der Industrie entwickeln.
Übergewicht: 21 Prozent der bayerischen Männer haben Adipositas (Fettsucht), immerhin 44,5 Prozent sind übergewichtig. Bei den Frauen sind es der Studie zufolge 18,1 Prozent bzw. 29,7 Prozent. Das heißt: Im Bundesschnitt liegen Bayerns Männer im Mittelfeld, die Frauen im oberen Drittel des Schlankheitsmaßes.
Ernährungswissen: Auffällig, dass in Bayern vier von zehn Männern kein Interesse haben, sich über Ernährung zu informieren, bei den Frauen sind es nur zwei von zehn. Im Bundesvergleich liegt Bayern im Mittelfeld. Müller zufolge ist dies eine Begründung für die erheblich stärkeren Gewichtsprobleme der Männer. Dazu kommt, dass fast 90 Prozent aller Befragten ihren Energiebedarf falsch einschätzen.
Kochkompetenz: Fast 50 Prozent der Bayern kochen nach eigener Einschätzung "gut" bis "sehr gut". Zwischen den Geschlechtern gibt es aber große Unterschiede. Zwei Drittel der Frauen stehen knapp einem Drittel der Männer gegenüber.
Einkaufsverhalten: Die Bayern kaufen am liebsten (90 Prozent) bei Super- oder Verbrauchermärkten (Rewe, Edeka, Spar, Tengelmann, Kaufland, Wal-Mart, Globus, Real) ein. Lebensmittelfachgeschäfte (Bäcker, Metzger, Gemüsehändler, Fischhänder) folgen mit 80,3 Prozent, das ist mehr als der Bundesschnitt. Am dritthäufigsten werden Discounter (Aldi, Lidl, Penny, Plus, Netto) besucht. Erst danach folgen mit großem Abstand (39 Prozent) "Wochenmarkt und Direktvermarkter".
Nahrungsergänzungsmittel: 31,8 Prozent der Bayern nehmen Nahrungsergänzungsmittel. 36,2 Prozent Frauen und 27,4 Prozent Männer. Das heißt: In Bayern wird häufiger auf "Supplements" zurückgegriffen als im Bundesschnitt.
Diät: In Bayern machten zum Zeitpunkt der Befragung 12,8 Prozent der Teilnehmer eine Diät - darunter 15,1 Prozent der Frauen und 9,6 Prozent der Männer. Der Freistaat liegt hier im Mittelfeld der Bundesländer.
Tipp: Verbraucher-Staatssekretär Müller empfiehlt: "Achten Sie auf gesunde Ernährung und Bewegung. Und fragen Sie sich: Was futtere ich an Energie täglich in mich hinein und was rufe ich davon ab."
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