Mittwoch, 28. September 2016

24. April 2013 13:42 Uhr

Strom

Bayerns Vorzeigekraftwerk droht Aus

In Irsching bei Ingolstadt spricht Betreiber Eon gar vom Abbau eines der effizientesten Gaskraftwerke der Welt. Das Unternehmen will Geld vom Bund. Findet sich noch eine Lösung? Von Harald Jung und Michael Kerler

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Dem Gaskraftwerk Irsching 5 bei Ingolstadt droht wegen zu geringer Auslastung das Aus.
Foto: Siemens, dpa/lby (Archivbild)

Es sollte immer dann ans Netz, wenn der Stromverbrauch sehr hoch ist. Etwa 4000 Betriebsstunden im Jahr waren kalkuliert. Aber tatsächlich waren es zuletzt gerade 1600. Das ist unwirtschaftlich für die Betreiber mit Eon an der Spitze. Der Stromkonzern und Siemens haben in Irsching bei Ingolstadt in einer bestehenden Kraftwerksanlage vor Jahren die modernste kombinierte Gas- und Dampfturbine der Welt realisiert. Der Wirkungsgrad liegt bei 59,5 Prozent. Das sind mindestens vier Prozent mehr als bei anderen neuzeitlichen Anlagen. Block V in Irsching hat eine Leistung von 847 Megawatt. Da sind vier Prozent mehr eine gewaltige Menge Strom.

Energiewende macht Irsching V überflüssig

Vor gut zwei Jahren ging der Block in Betrieb. Aber seither hat sich vieles verändert auf dem Strompreissektor. Grund ist die Energiewende. Irsching V hängt viel seltener am Netz als geplant. Photovoltaik und Windkraft erzeugen immer mehr Strom und könnten das modernste und leistungsfähigste Bedarfskraftwerk weltweit damit zum Stillstand bringen.

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In den zurückliegenden Wintermonaten gab es immer wieder Meldungen von Schließung und Abbau, aber zunächst geht es weiter. Betrieben wird die Anlage von  Eon sowie den regionalen Versorgern N-Energie in Nürnberg, der Mainova in Frankfurt und der HSE in Darmstadt und dem Übertragungsnetzbetreiber Tennet.

Kraftwerk Irsching V soll zwei Jahre stillgelegt werden

Die Betreiber haben angekündigt, das Kraftwerk mindestens zwei Jahre stillzulegen. Eon-Chef Johannes Teyssen machte Mitte März auf einem Seminar zur Energiewende in der Evangelischen Akademie Tutzing am Starnberger See deutlich, dass er auf eine schnelle politische Lösung dränge: „Ich brauche Irsching nicht zwingend“, drohte er. Rund 100 Millionen Euro seien nötig, um das Kraftwerk am Laufen zu halten, sagte Teyssen auf eine Frage aus dem Publikum hin, welche Lösung er sich aus der Politik vorstelle, damit das hochmoderne Kraftwerk weiter betrieben werden kann. „Wir haben Zeit bis Mai. Bis dahin brauchen wir ein Angebot“, forderte Teyssen und drohte andernfalls mit der Schließung: „Wir können das Kraftwerk auch abbauen und woanders wieder aufbauen“, polterte er damals.

Vorderhand geht es aber weiter. Die Rechnung zahlen die Stromkunden, die für die Bereitstellung des Kraftwerkes höhere Netzentgelte berappen müssen. Aber das ist nur eine Übergangslösung. Die Betreiber möchten eine Garantieerklärung von Bund oder Land.

Wirtschaftsminister Rösler wird erwartet

Am morgigen Donnerstag könnte sich eine Lösung für Irsching V abzeichnen. Dann kommt Wirtschaftsminister Philipp Rösler zu einem Besuch an die Donau. Dass er die von Teyssen geforderten Millionen bereits im Gepäck haben wird, ist zweifelhaft. Denn es gibt noch andere Bedarfskraftwerke in Deutschland, deren Wirtschaftlichkeit immer weiter sinkt, je stärker die Energiewende greift.

Bayerns Wirtschaftsminister Martin Zeil hat vor wenigen Tagen erklärt, dass Irsching V am Netz bleiben müsse. Ansonsten wäre die Systemstabilität und damit die Versorgungssicherheit entscheidend gefährdet. Der Netzbetreiber könne aus diesen Gründen auch den Erhalt der Betriebsbereitschaft eines Kraftwerkes anordnen, erinnerte der Minister. Weiter sagte Zeil, die Staatsregierung plane eigentlich den Bau von vier neuen Gastkraftwerken, finde aber keinen Investor. Irsching V kann beinahe so viel Strom produzieren wie ein kleines Kernkraftwerk.

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