Von wegen "Muhlikuh" - Landwirte geben ihren Kühen immer häufiger ganz besonders kreative Namen. Welcher Name liegt bayernweit wohl auf Platz eins?

Die Landesvereinigung der Bayerischen Milchwirtschaft hat herausgefunden, dass die Landwirte durchaus auch mal eine "Mercedes" im Stall haben, eine "Apfel" oder eine "Lotus". Früher seien die Kühe oft nach ihren äußeren Eigenschaften benannt worden, hießen "Bunte" oder "Schwarze". Jetzt liegen, so die Vereinigung, auch Blumen oder Naturnamen im Trend. Neben "Rose" oder "Tulpe" grast aber auch eine "Berlin", "Oslo" oder "London" - und auch ein paar Promis. Nena, Madonna oder Shakira stehen auch in den Boxen. Und manch eine Kuh ist einfach allererste "Sahne".
Die Krux der Landwirte bei der Namensuche besteht in einer Regel: "Grundsätzlich fängt der Name der Tochter mit den Anfangsbuchstaben der Mutter an", erklärt Monika Mayer aus Altusried. Weil vor allem gesunde Kühe gezüchtet werden, kristallisiert sich in jedem Stall ein Linie heraus. "Bei uns fangen 70 Prozent der Namen mit "H" an, da muss man schon kreativ sein", sagt Monika Mayer. Eine heißt Hillary (Clinton). "Leider haben wir kein A, sonst hätten wir auch eine Angie", sagt die Allgäuer Bäurin lachend.
Die drei Töchter haben ganz besonders großen Spaß bei der Namenssuche. Da heißen Kühe gern wie Freundinnen oder Verwandte - aber eine "Goldfee" gibt es auch.
Nächste Hürde: Mehr als sieben Buchstaben gehen nicht in das Computerprogramm. "Da wurde aus unser Lukretia eine Lukreti". Manchmal passe der Name auch zur Kuh. "Wir haben eine ganz stämmige, rustikal, mit einem Riesenkopf, einfach unförmig. Das ist Wilma. Als sie noch ein Kalb war, war sie unser "Mopsi". Kühe erhalten erst einen Namen, wenn sie das erste Kalb bekommen haben. "Bis dahin heißen viele 'Knutschie', weil sie so nett sind."
Im Allgäu hätten 99,9 Prozent der Kühe einen Namen - und ein Mal im Jahr werden in den Ortsversammlungen die "Stars" vorgelesen. "Ein Landwirt hat nur eine Kuh, aber eine ganz tolle - die heißt Hirschle", erzählt Monika Mayer lachend. Ein anderer Landwirt hat seine allerbeste Kuh im Stall "Sonja" getauft - so heißt auch seine Ehefrau. "Ein anderer hat fünf Söhne - da wurden gern Technik- oder Automarken vergeben. Eine Kuh hieß zum Beispiel "Osram". Am Montag erst kam ein Kalb auf die Welt, dass weiblich ist. "Seine Mutter heißt Goldie - haben Sie eine Idee?" Gerti gibt es schon, Ginger gefällt nicht so, aber Gucci kommt vielleicht in die nähere Auswahl.
In Heretsried (Kreis Augsburg) auf dem Hof von Familie Jäckle sind die Kühe nummeriert. "Mein Mann kann sich die Nummern besser merken und am PC kann man auch nur mit Nummern arbeiten", erklärt Hermine Jäckle. Nur ein Mal habe sie einer Kuh einen Namen gegeben. Nach einer schlanken Politikerin. "Die Kuh war eine Matz", sagt die Bäuerin lachend.
Und auch wenn die Kühe alle Nummern haben: "Sie haben verschiedene Charaktere und Persönlichkeit." Frau Jäckle kennt alle 120 Tiere, darunter 55 Milchkühe, und ihre Nummern auswendig. "Wenn Sie von den Tieren leben wollen, dann müssen Sie sich kümmern", dazu gehöre auch die richtige Pflege. "Deswegen heißt es ja: Eine Kuh macht Muh, viele Kühe machen Mühe." cor
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