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31. August 2007 10:50 Uhr

Wertingen

Das Ekelfleisch-Puzzle wird immer komplexer

Der Wertinger Ekelfleisch-Skandal ist womöglich nur Teil viel größerer Fleisch-Schiebereien. Von einer "internationalen Dimension" ist die Rede.

Von Till Hofmann

Wertingen. Der Wertinger Ekelfleisch-Skandal ist womöglich nur Teil viel größerer Fleisch-Schiebereien. Inzwischen gehen die Verbraucherschutzministerien in München und Berlin von einer "internationalen Dimension" des Falles aus.

Ermittler versuchen die Geschäftsverbindungen der "Wertfleisch GmbH" wie ein riesiges Puzzle zusammenzusetzen. Das Fleischunternehmen aus Wertingen (Kreis Dillingen) soll bis zu 160 Tonnen K 3-Schlachtabfälle (für den menschlichen Verzehr ungeeignet) umdeklariert und in den Verkehr gebracht haben. Aus Hundefutter wurde letztlich Döner.

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Der Ehemann der Firmen-Geschäftsführerin hat nach Angaben der Memminger Staatsanwaltschaft zugegeben, acht bis neun Lieferungen von Schlachtabfällen weiterverkauft zu haben. Seit Juni 2006 seien diese illegalen Transporte aus Wertingen - überwiegend nach Berlin - gängige Praxis gewesen. "Aus der Anzahl der Lieferungen ergibt sich für uns die Fleischmenge", so die Sprecherin der Staatsanwaltschaft, Renate Tanner, gegenüber unserer Zeitung. Die schwäbische Skandalfirma hat keine Zulassung für den Handel mit K 3-Schlachtabfällen, hätte also nie beliefert werden dürfen. Behörden vermuten, dass das Ekelfleisch zum größten Teil bereits verzehrt worden ist.

Seit gestern liegen erste Ergebnisse des untersuchten Wertinger Fleisches vor: Das sensorisch und mikrobiologisch überprüfte Material roch nach Angaben des Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit zum Teil "ranzig, faulig, muffig und deutlich alt". Fazit der Experten: Das Fleisch ist genussuntauglich. Eine Gesundheitsgefährdung sei jedoch nicht ableitbar. Bei drei Vor-Ort-Terminen der "Spezialeinheit Lebensmittelsicherheit" am vergangenen Samstag, Montag und Dienstag wurden insgesamt 61 Proben (K3-Material, Rind- und Putenfleisch, Wursterzeugnisse) genommen. Resultate der übrigen 50 Fleischproben sollen bis Mitte nächster Woche veröffentlicht werden.

Fragen über Fragen

Ermittlungsbehörden in mehreren Bundesländern beschäftigen sich mit folgenden Fragen: Wenn das Fleisch aus Wertingen bereits schlecht gerochen hat, warum wurde es von den Empfängern weiterverarbeitet? Warum kam aus Schleswig-Holstein die K 3-Lieferung in Schwaben an, wo eigentlich Belgien der Bestimmungsort war? Warum hat sich die belgische Firma nicht gerührt, die wohl Papiere aber keine Ladung erhalten hat?

Nach Angaben des bayerischen Verbraucherschutzministeriums gibt es derzeit keine Hinweise auf eine "Ekelfleisch-Connection" im Freistaat.

Bundesverbraucherminister Seehofer forderte am Freitag die Justiz dazu auf, "mit aller Härte und Konsequenz" gegen die Fleischpanscher vorzugehen. "Das ist die einzige Sprache, die Menschen verstehen, die Recht brechen."

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