Dienstag, 21. November 2017

08. April 2017 00:37 Uhr

Alpen

Das zweite Riedberger Horn heißt Warscheneck

Touristiker in Österreich wollen auch eine Skischaukel im Naturschutzgebiet und sich dazu Rat in Bayern holen

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Kein Präzedenzfall? Von wegen, sagen die Grünen im Landtag. Das von Naturschützern heftig kritisierte Projekt einer Skischaukel am Riedberger Horn im Allgäu hat offenbar schon einen ersten Nachahmer gefunden – zwar nicht in Bayern, aber in Oberösterreich.

Herbert Gösweiner, der Obmann der Tourismusregion Pyhrn-Priel, will eine Skischaukel am 2388 Meter hohen Warscheneck in den nördlichen Kalkalpen durchsetzen. Es ist ein Streitfall, der dem Kampf ums Riedberger Horn gleicht wie ein Zwilling dem anderen: Eine Gondelbahn soll am Warscheneck die Skigebiete Höss und Wurzeralm verbinden. Bisher wurde das Projekt abgelehnt, weil es durch ein Naturschutzgebiet führen würde.

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Doch die Touristiker im südlichen Oberösterreich lassen nicht locker. Neue Hoffnung macht ihnen, wie aus einem aktuellen Bericht der Online-Ausgabe der Oberösterreichischen Nachrichten hervorgeht, die Strategie der Bayerischen Staatsregierung am Riedberger Horn im Allgäu.

Gösweiner nimmt den Plan der Staatsregierung als Blaupause und schlägt vor, den Nationalpark Kalkalpen um 20000 Hektar auf das Doppelte seiner jetzigen Größe zu erweitern und im Gegenzug 15 Hektar Fläche am Warscheneck aus dem Naturschutzgebiet herauszunehmen, um dort die Gondelbahn bauen zu können.

Den Einwand, dass dies rechtlich wegen der Alpenrechtskonvention nicht möglich sei, lässt er mit Verweis auf Bayern nicht gelten. Schließlich soll auch am Riedberger Horn Naturschutzgebiet umgewidmet werden. Somit sei klar, dass es einen rechtlichen Weg gebe. „Das Modell im Allgäu“, so wird er zitiert, „könnte auch die Lösung für uns sein.“ Dazu wolle er sich jetzt Rat in München holen – bei einem Treffen „mit Spitzenbeamten der Bayerischen Staatsregierung“.

Ludwig Hartmann, der Fraktionschef der Grünen im Landtag, sieht die Warnung der Naturschützer vor einem Präzedenzfall bestätigt. „Nur zwei Wochen nach der vom CSU-Kabinett beschlossenen „Lex Riedberger Horn“ treten die fatalen Folgen überdeutlich zutage. In  Oberösterreich  soll  das abseitige Verfahren, Naturschutzgebiete willkürlich zu verschieben, offensichtlich abgekupfert werden. Das ist der Dammbruch im Alpenschutz“, sagt Hartmann.

Ob die Skischaukel am Riedberger Horn im Allgäu gebaut werden darf, ist noch offen. Zwar hat die Staatsregierung durch eine Neufassung des Landesentwicklungsprogramms den Weg dafür freigemacht. Das letzte Wort aber werden die Gerichte sprechen. Naturschutzverbände haben bereits Klagen angekündigt. »Kommentar

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Ein Artikel von
Uli Bachmeier

Redaktion München
Ressort: Politik


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