Mittwoch, 30. Juli 2014

18. Juli 2014 02:08 Uhr

"Erntedank" im TV

Der Kluftinger ermittelt heute im Fernsehen

Ein Leckerbissen für Krimifans: Erstmals ermittelt der Allgäuer Kommissar Kluftinger im Fernsehen. Heute Abend um 20.15 Uhr. Von Rupert Huber

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Michael Kobr (r) und Volker Klüpfel (l), das AllgäuerAutorenduo des Kommissar Kluftinger.

Am Ende bleibt die Unsicherheit. Hauptkommissar Kluftinger steht auf dem Rummelplatz und plötzlich fällt eine tote Krähe auf den Imbisstisch. Man merkt: Das Böse ist immer und überall. Vögel als Unheilsboten ziehen sich wie bei Alfred Hitchcock durch den TV-Film "Erntedank", den am heutigen Samstag um 20.15 Uhr das Bayerische Fernsehen ausstrahlt.

Fans des schrulligen Kommissars aus Altusried (Kreis Oberallgäu) werden gespannt ihr TV-Gerät einschalten. Und die Frage wird sein: Wie haben Regie und Drehbuch den zweiten Roman von Volker Klüpfel und Michael Kobr umgesetzt? "Natürlich gehorcht eine Verfilmung anderen Gesetzen", sagt Klüpfel (Jahrgang 1971), Redakteur der Kultur/Journal-Redaktion unserer Zeitung, "aber insgesamt halte ich sie für gelungen." Klüpfel tritt auch in einer kleinen Rolle auf, als Pathologe Böhm.

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Egal wie die Zuschauer die Verfilmung annehmen - das schwäbische Autorenduo hat einen Lauf. Der bereits fünfte und neueste Roman des literarischen Gespanns, "Rauhnacht" belegt auf der aktuellen Spiegel-Bestsellerliste Platz eins (wir berichteten). Auch auf den Film erwartet sich Michael Kobr, der 1973 geborene Realschullehrer aus Memmingen, eine positive Resonanz. Kobr lobt Atmosphäre und Dynamik des Films, den der renommierte Regisseur Rainer Kaufmann ("Marias letzte Reise") inszeniert hat. "Auch wenn einige Details untergehen", meint Kobr. Und Kluftingers Ehefrau Erika hätte er sich auch anders besetzt vorstellen können.

Klüpfel/Kobr hatten das Glück, dass die Drehbuchautoren Stefan Holtz und Florian Iwersen ein Händchen hatten für den Witz der Vorlage, für die Allgäuer Landschaft und - was besonders wichtig war - für die düstere Sagenwelt der Region. Dort streicht ein Sensenmann durch die Gegend, und wer immer auch stirbt, wird Opfer eines kranken Gerechtigkeitswahns. Originalschauplätze waren Kempten, Memmingen, Durach (Oberallgäu), Aichstetten (Kreis Ravensburg), Altusried (Oberallgäu), Kronburg (Unterallgäu), die Kartause von Buxheim (Unterallgäu) sowie das Geotop "Teufelsküche" bei Obergünzburg (Ostallgäu).

Man braucht einige Zeit, um den hochgewachsenen Herbert Knaup als "Klufti" zu akzeptieren. Aber der gebürtige Sonthofener spielt glaubwürdig den spießigen Kommissar in Kuhfell-Clogs und der großen Abneigung gegen Schickimicki-Küche. Wie er grantig in einer zu engen Folklore-Jacke durchs Gelände stapft, lustlos wirkt, aber analytisch wie ein Schachspieler arbeitet, das ist gelungen. Wobei sicher eine Leser-Diskussion darüber entbrennen wird, welche Romanfigur gut getroffen wurde und welche diskussionswürdig ist. Ein Volltreffer gelang der Produktionsfirma mit Johannes Allmayer als Kommissar Maier, der jede Banalität in sein Diktiergerät spricht und komödiantisches Eigenleben entwickelt.

Am Schluss sagt Kluftinger den vieldeutigen und sehr schwäbischen Satz: "Jetzt isch es halt so, bloß andersch." Rupert Huber

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