Viel Aufmerksamkeit zieht schon seit Monaten Münchens neuester Kunsttempel auf sich, das Museum Brandhorst, das am Montag eröffnet wird. Dennoch scheiden sich an dem Gebäude die Geister. Von Angela Bachmair

Von Angela Bachmair
München - Viel Aufmerksamkeit zieht schon seit Monaten Münchens neuester Kunsttempel auf sich, das Museum Brandhorst, das am Montag eröffnet wird. An der farbenkräftigen Fassade des Neubaus an der Türkenstraße scheiden sich die Geister - den einen ist sie zu quietschbunt, andere begrüßen die innovative Architektur an der Isar.
In einhelliger Spannung warten Kunstfreunde jedoch auf die Besichtigung der Kunstwerke - erstklassige Werke der Gegenwartskunst von Andy Warhol bis Cy Twombly, die das Sammlerpaar Brandhorst dem Freistaat schenkte, worauf der für die Sammlung ein 48 Millionen Euro teures Museum baute.
Die Gunst der Stunde, die so viel Aufmerksamkeit auf die Museen der Landeshauptstadt richtet, wollen nun die in München besonders engagierten und betuchten Kunstfreunde nutzen. Ein weiteres Museum ist nicht genug, München braucht ein "Kunstareal", lautet die Botschaft eines Symposions, das die Stiftung Pinakothek der Moderne mit Professoren der Technischen Universität und internationalen Architekten veranstaltete. Auch Kunstminister Heubisch war dabei. "Um als Kunstmetropole weiter in der ersten Liga mitzuspielen, ist es wichtig, die Entwicklung des Pinakotheken-Viertels voranzutreiben."
Eine Antwort auf Wien,
Dresden - und vor allem Berlin
Wo Wien mit seinem Museumsquartier, Dresden mit seiner Kunstzone zwischen Zwinger und Schloss und vor allem Berlin mit seiner Museumsinsel scharenweise Besucher anlocken, da will München sich nicht länger mit dem zufriedengeben, was es an - unzweifelhaft hochkarätigem - Kunstbesitz hat; es muss ihn auch attraktiver präsentieren. Der Zeitgeist, der auf Marken und "branding" setzt, hat längst auch die Kunst erreicht.
Und die Münchner merken immer mehr, dass sie von Berlin überflügelt werden; die heimliche Hauptstadt hat ausgedient, seit es die offizielle wieder gibt. Der Schickimicki-Klüngel an der Isar wirkt gegenüber den coolen Trendsettern an der Spree irgendwie altbacken. Das betrifft auch die Kunst, für die in der Preußen-Metropole eine prickelnde Atmosphäre entstanden ist.
In den neuen Galerien, die in Berlin reihenweise aus dem Boden schießen (auch die "Zweigstelle" des Aichacher Kunstvereinsvorsitzenden Andreas Stucken ist darunter), kann man schon mal sehen, was demnächst den internationalen Markt erobern wird. Und die auf der Spreeinsel wie Perlen an einer Kette aneinandergereihten Museen sind mit viel Geld blendend renoviert worden - kürzlich erst wurde das Neue Museum, das der englische Stararchitekt David Chipperfield umbaute, fertig, und darin wird man bald wieder die berühmte Büste der Nofretete sehen.
In München ist es anders. Zwar wurde hier vor sieben Jahren neben der Alten und der Neuen eine dritte Pinakothek für die Kunst der Moderne eröffnet (auch Architekturmuseum und die Neue Design-Sammlung sind darin untergebracht), aber da hatte es so viel Querelen zwischen dem Bauherrn Freistaat und dem Architekten Stefan Braunfels gegeben, dass das Großmuseum kaum fertig geworden wäre, hätten nicht die Mitglieder der Stiftung Pinakothek der Moderne noch 28 Millionen Euro gesammelt. Vom ursprünglich geplanten Neubau für die Graphische Sammlung ist inzwischen nicht mehr die Rede; das Museum Brandhorst habe das dafür vorgesehene Geld verbraucht, befürchten viele.
Nun machen die drei Pinakotheken an der Barerstraße längst nicht die Münchner Museumslandschaft aus - da sind außer dem Haus der Kunst auch das städtische Lenbachhaus plus Kunstbau (wo kürzlich Kandinsky Hunderttausende anlockte) sowie das "Glyptothek" genannte Skulpturenmuseum und die Antikensammlung am Königsplatz, ferner das Museum Ägyptischer Kunst an der Gabelsbergerstraße (im Bau) und das geplante NS-Dokumentationszentrum an der Brienner Straße. Bis aufs Haus der Kunst liegen alle diese Häuser nahe beieinander in der Maxvorstadt - leider aber locker verteilt und ziemlich unverbunden.
Seit König Ludwig I. 1826 von seinem Baumeister Klenze die Alte Pinakothek am damaligen Stadtrand errichten ließ, kamen die weiteren Kunstbauten zum Teil recht zufällig dazu. Das Lenbachhaus wurde Museum, nachdem die Witwe des Malerfürsten der Stadt München ihre Villa überlassen hatte; für deren Erweiterung, den Kunstbau, nutzte man in unseren Tagen einen leeren U-Bahn-Schacht. Das Ägyptische Museum wird mit der Filmhochschule in ein gemeinsames Gebäude gezwängt, und Pinakothek der Moderne sowie Museum Brandhorst stoßen direkt an ein Institutsgebäude der Universität an.
Kein Wunder, dass kunstinteressierte München-Besucher oft ein wenig hilflos herumirren in der Maxvorstadt und nicht wissen, wo sie welche Kunst finden können. Ein Flanieren, wie es in Berlin entlang der Spree zwischen Bode- und Pergamonmuseum, Neuem und Altem Museum mit immer neuen, spektakulären Ausblicken möglich ist, bietet sich in Bayerns Kunstzentrum nicht an, zumal der Autoverkehr auf Barer- oder Gabelsbergerstraße auch die einzelnen Museen voneinander abschneidet. Das soll sich nun ändern, finden Stiftung Pinakothek der Moderne und Kunstminister; entstehen soll ein bayerisches Museumsquartier aus einem Guss mit weitreichender Ausstrahlung.
Architekten und Städtebauer
entwickeln Masterplan
Dafür sammelt man nun Ideen. Von einem zusätzlichen Empfangsgebäude für die drei Pinakotheken und einer verkehrsberuhigten Zone an der Barerstraße ist die Rede, von einem Autotunnel, der dann eine bessere Anbindung der Museen an die Innenstadt ermöglichen würde, von der Umgestaltung der Grünflächen zu Kunstgärten.
So richtig zufrieden war man aber auf dem Symposion mit all diesen Vorschlägen nicht. Ein Masterplan renommierter Architekten und Städtebauer soll das Münchner Kunstareal nun zur international beachteten Adresse aufrüsten. Ob die bayerische Landeshauptstadt damit dann die Konkurrenz zur so poetisch klingenden Berliner Museumsinsel bestehen kann, wird sich zeigen.
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