Mittwoch, 19. Juni 2013

06. April 2012 15:44 Uhr

Portrait

"Die Brezn-Queen" kommt als Retterin von Müller-Brot zurück

Eva Müller, die Tochter des Müller-Brot-Gründers, hat das Filialnetz der Großbäckerei zurückgekauft. Doch auf die 54-Jährige warten bereits neue Herausforderungen.

Die Tochter des Unternehmensgründers von Müller-Brot, Eva Müller, will die angeschlagene Großbäckerei wieder auf Vordermann bringen.
Foto: dpa

Eine Woche vor ihrem 55. Geburtstag hat sich Eva Müller selbst das schönste Geschenk gemacht: Die Tochter des Müller-Brot-Gründers hat das Filialnetz der Großbäckerei zurückgekauft, zusammen mit dem Bäckermeister Hans Höflinger. Statt ruhiger Osterfeiertage zu Hause am Starnberger See erwartet sie nun ein Riesenberg Arbeit. Denn die quirlige Geschäftsfrau will auch die derzeit stillgelegte Brotfabrik in Neufahrn bei Freising kaufen und dort wieder handwerklich einwandfreie Ware nach alten Familienrezepten backen.

Diplom-Kauffrau schon zuvor als Unternehmerin tätig

Bis zum Verkauf an den Investor Klaus Ostendorf im Jahr 2003 hatte Eva Müller in der Führung im Konzern ihres Vaters Hans mitgearbeitet - ein Unternehmen mit 3000 Mitarbeitern und 425 Millionen Euro Umsatz. Später gründete die Diplom-Kauffrau eine eigene kleine Firma, die Bayrisch-Bretonische Backwarenvertriebs GmbH mit «Brioche Dorée»-Filialen in Einkaufszentren, im Münchner Hauptbahnhof und am Hamburger Jungfernstieg. Und die Mutter dreier Kinder war auf dem Münchner Oktoberfest auch noch «nebenbei die Brezn-Queen der Wiesn», wie Klatschkolumnist Michael Graeter einmal notierte.

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«Ich bin sehr, sehr glücklich, dass ich nach so langer Zeit wieder in den väterlichen und großväterlichen Betrieb zurückkehre», sagt Eva Müller am Freitag in den Räumen der Müller-Brot-Geschäftsführung. «Es ist sonderbar, aber ich fühle mich so, wie wenn ich nie weggewesen wäre.» Einst seien hier 3000 Menschen beschäftigt gewesen, «aber der Betrieb schrumpfte durch Missmanagement auf eine ganz andere Größe». Dass sie damit Ostendorf meint, muss sie nicht eigens betonen.

Oberstes Ziel: Vertrauen der Kunden wiedergewinnen

Oberste Priorität habe jetzt, Vertrauen bei den Kunden, den Pächtern der Filialen und danach bei den Mitarbeitern in der Produktion zurückzugewinnen. «Dieses Vertrauen ist mit Füßen getreten worden.» Nach Bekanntwerden des Hygieneskandals hatte Eva Müller der Münchner «Abendzeitung» gesagt: «Ich schäme mich zutiefst».

Doch jetzt geht ihr Blick nach vorne. Schon bald sollen in Neufahrn wieder die «einzigartigen Müller-Brezn» zu haben sein. «Wir möchten wieder unsere Produkte backen», sagt sie mit glänzenden Augen, «wir sind Bäcker, wir haben Bäckerseelen». Schon an diesem Samstag will Eva Müller bei den Pächtern um Vertrauen werben, bald soll es auch eine Betriebsversammlung geben.

Vertrauen ist in diesen Tagen das meistbenutzte Wort von Eva Müller, immer wieder spricht sie davon, Vertrauen durch Qualität sei das Wichtigste. «In der Marke Müller-Brot steckt das größte Potenzial, auch wenn sie jetzt in den Schmutz gezogen wurde.» Und noch einmal rechnet sie mit Ostendorf ab: «Mein Vater hatte eine ganz andere Vorstellung, als er diesem Mann sein Unternehmen verkaufte. Er sieht dies heute als den größten unternehmerischen Fehler seines Lebens.»

Müller: "Denn es ist schön, Brot zu backen"

Der Neustart dürfte freilich schwer werden. Der Ruf des Unternehmens ist am Boden, viele Kunden haben sich abgewandt, die Fabrik ist von den Kontrollbehörden nicht freigegeben, die wichtigste Backstraße und die EDV-Anlage in Neufahrn gehören Ostendorf. «Wir wissen, wie Brotbacken geht, dazu brauchen wir keine Produktionslinien», kontert die Unternehmerin. Momentan laufe die Produktion zwar im industriellen Stil, «aber wir wollen wieder handwerklich backen. Denn es ist schön, Brot zu backen.»  dpa/AZ

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