Mittwoch, 13. Dezember 2017

05. April 2011 07:40 Uhr

Medien

Die Leberkäs-Sünde in der Schulkinowoche

Die Schulkinowoche startet in Augsburg mit bayerisch-türkischen Lausbubengeschichten.

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Er heißt eigentlich Yusuf – aber in dem oberbayerischen Dorf nennen ihn alle nur Seppi, sein bester Freund Hias (Matthias) sowieso. Um sich ein Trikot des FC-Bayern-Fußballers Bastian Schweinsteiger finanzieren zu können, angelt Hias mit einem an einer Schnur befestigten Magneten Geldmünzen aus dem Opferstock – und den Kumpel schickt er an seiner Stelle zur Beichte. Das macht Seppi schon deswegen gerne, weil er eine katholische Kirche endlich mal von innen sehen will. Die größte Sünde aber lädt Seppi – zumindest in den Augen seines Onkels Ali – auf sich, weil er beim Dorfmetzger für sein Leben gern „Döner weiß-blau“ bestellt: Leberkäs halt. Der Onkel würde Schwester und Neffen am liebsten nach Berlin mitnehmen. Schweinefleisch? Geht gar nicht.

„Seppi & Hias“ heißt der erfrischende, halbstündige Kurzspielfilm von Emre Koca (Regie) und Florian Wammetsberger (Drehbuch), der Montag zum Auftakt der bayernweiten Schulkinowoche in Augsburg gezeigt worden ist.

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Die Buben und Mädchen hatten im voll besetzten Saal des Thalia-Kinos durchaus ihren Spaß an den bayerisch-türkischen Lausbubengeschichten mit autobiografischem Hintergrund. Regisseur und Drehbuchautor, beide 39 Jahre alt, kennen sich von Kindesbeinen an. Koca kam mit viereinhalb Jahren aus der Türkei nach Beuerberg und wuchs unbeschwert auf. Ausgrenzung hat er nicht erlebt. Er vermisst seine ländliche Heimat, wenn er länger im Ausland ist: nicht nur das Schwarzbrot, auch Schulfreunde wie den Berghofer Sepp.

Beuerberg war vor mehr als 40 Jahren schon einmal Filmschauplatz von Lausbubengeschichten – der von Ludwig Thoma. Für Hansi Kraus, damals Hauptdarsteller, eine Reise in die eigene Kindheit. Er spielt auch bei „Seppi & Hias“ mit, mimt Hias’ Vater.

Die beiden Filmemacher antworten mit ihren Hauptdarstellern Thomas Schöttl (Hias) und Can Schneider (Seppi) nach der Vorführung auf Fragen des jungen Publikums. Fast schon routiniert umreißt der inzwischen 14 Jahre alte Thomas aus Lenggries, der in den Pfingstferien vor zwei Jahren vor der Kamera stand, die Kernbotschaft: Kulturelle Unterschiede, sagt er, spielen keine Rolle, „wenn sich Mensch und Mensch begegnen“.

Derweil sprechen eine Etage höher die Organisatoren und Förderer der Schulkinowoche (bundesweit: 600 000 Besucher) über den Sinn des „größten filmpädagogischen Angebots Deutschlands“. Josef Erhard, Amtschef im Kultusministerium, begründet das Engagement des Ministeriums unter anderem damit, dass sich Schülerinnen und Schüler ausgewählte Filme anschauen, die es sonst nicht ins Kinoprogramm schaffen. Im Idealfall gut im Unterricht vorbereitet setzen sie sich „mit den Inhalten auseinander und auch damit, was dahintersteckt“.

Die Schulkinowoche

Zum 4. Mal ist Bayern bei der bundesweiten Schulkinowoche dabei. 85 Kinos in 76 Städten öffnen noch bis 8. April zu den Vormittagsveranstaltungen ihre Kinosäle.

Gezeigt werden die Filme in der Region in Aichach, Augsburg, Bad Wörishofen, Donauwörth, Füssen, Günzburg, Immenstadt, Kaufbeuren, Kempten, Königsbrunn, Memmingen, Nördlingen, Oberstdorf, Türkheim, Wertingen, Ingolstadt, Landsberg und Neuburg an der Donau.

Von den Schulen wurden für 2011 112.300 Schülerinnen und Schüler angemeldet. Bayernweiter Auftakt war Montag in Augsburg. (ioa)

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Ein Artikel von
Till Hofmann

Günzburger Zeitung
Ressort: Redaktionsleiter der Günzburger Zeitung


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