Samstag, 19. April 2014

14. Januar 2011 20:15 Uhr

Hochwasser

Donaupegel in Passau steigt in Rekordtempo

Nach einem rasanten Anstieg der Donau in Ostbayern haben am Freitag zahlreiche Einsatzkräfte gegen die Flut gekämpft. In Passau stieg die Donau binnen eines Tages um mehr als drei Meter.

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Nach einem rasanten Anstieg der Donau in Ostbayern haben am Freitag zahlreiche Einsatzkräfte gegen die Flut gekämpft. In Passau stieg die Donau binnen eines Tages um mehr als drei Meter. Mit dieser Geschwindigkeit hatten selbst die hochwassererprobten Helfer in der Dreiflüssestadt nicht gerechnet.

Die Flutwelle übertraf alle Prognosen deutlich und hielt Feuerwehr und städtische Mitarbeiter in Atem. Reihenweise mussten in Niederbayern und der Oberpfalz überschwemmte Straßen gesperrt werden.

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In Regensburg richteten sich die Behörden auf größere Überschwemmungen ein. Es wird erwartet, dass der Pegel in der Nacht zum Samstag um einen Meter auf 6,60 Meter steigt. Damit wird in der Altstadt der Donau-Pegelstand der letzten Hochwasser-Katastrophe von 2002 erreicht.

In der Oberpfälzer Stadt wird seit einigen Jahren an einem rund 100 Millionen Euro teuren Hochwasser-Schutzsystem mit mobilen Flutwänden und verstärkten Dämmen gebaut. Etwa 2020 soll das Gesamtprojekt abgeschlossen sein. Die aktuelle Flut ist nun die erste große Bewährungsprobe für die bereits jetzt an der Donau fertiggestellten Bauabschnitte.

Überall entlang des zweitgrößten europäischen Stroms wurden Sandsäcke aufgeschichtet, Schutzwände aufgestellt und Behelfsstege gebaut. Am Freitagmittag gab es in Passau dann eine leichte Entwarnung: Der Pegelstand kletterte nur noch ganz langsam um wenige Zentimeter und fiel dann wieder.

Am Vormittag knackte die Donau in Passau zunächst die Neun-Meter-Marke, die immer auch eine größere Gefahr für Teile der historischen Stadt signalisiert. "Das Wasser ist sehr, sehr schnell gestiegen, aber ansonsten haben wir die Lage soweit möglich im Griff", sagte Stadtsprecher Herbert Zillinger. "Es ist ja nicht das erste Hochwasser in diesen Dimensionen."

In den ufernahen Bereichen des Stadtzentrums standen etliche Gebäude in der Flut, die Anwohner verbarrikadierten die Eingänge. Ein Hotel, eine Gaststätte und ein Parkhaus wurden zuvor schon von der Feuerwehr gezielt mit sauberem Trinkwasser geflutet, damit das schmutzige Donauwasser nicht eindringen kann. Laut Zillinger ist das eine gängige Methode, um dem Druck der Flutwelle etwas entgegenzusetzen und die Stabilität der Gebäude zu sichern.

Die meisten Anwohner reagierten gelassen. Der Bildhauer Gabor Pavluk musste zunächst nur etwa einen Eimer Wasser aus seinem Atelier wischen. Doch trotz 20-jähriger Fluterfahrung war er über die Geschwindigkeit, in der die Donau zu seinem Haus kam, verblüfft: "Es ging überraschend schnell", berichtete der 59-Jährige. Schließlich konnte er seine Werkstatt noch verbarrikadieren - mit Sandsäcken, Plastikplanen und Bauschaum.

Gabi Winklmeier hatte in ihrem Trachten- und Souvenirgeschäft hingegen mehr Wasser und musste leerräumen: "Einen Teil der Ware habe ich hochgestellt, und einen Teil haben wir eingepackt und weggebracht", berichtete sie.

Von einem historischen Hochwasser war Passau mit einem Pegelstand knapp über neun Metern allerdings noch ein gutes Stück entfernt: Bei der Überflutung im August 2002 wurden 10,81 Meter erreicht. Die Einsatzkräfte schlossen aber nicht aus, dass die Donau in den nächsten Tagen noch in diese Dimension klettert. (dpa)

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