Sonntag, 19. Mai 2013

11. Mai 2012 13:44 Uhr

Projekt in München

Englischer Garten: Kampagne für den Tunnel startet

Das geplante Tunnelprojekt im Englischen Garten wird teuer. Die Architekten, die die Vereinigung der Grünflächen anstreben, setzen jetzt auf das Engagement der Bürger.

Bunte Ruderboote schaukeln gemächlich am Ufer des Kleinhesseloher Sees mitten im Englischen Garten. Enten quaken, Vögel zwitschern in den Kastanienbäumen. Nur eines mag so gar nicht in dieses wahr gewordene Klischeebild bayerischer Gemütlichkeit passen: Der Lärm der Autos, die nur wenige Meter von diesem Idyll entfernt über den Mittleren Ring brettern. Wenn Margarete Jaklin, die an diesem warmen Frühlingstag einen Spaziergang im Park unternimmt, spricht, muss sie laut reden, um gegen die Autos anzukommen: „Mich als Münchnerin stört dieser Krach“, sagt sie und schlendert weiter, Richtung Süden, weg vom Lärm der Straße.

Die Bürger sollen sich aktiv beteiligen

Dass der Garten durch die laute Straße getrennt ist, soll bald ein Ende haben – so planen es jedenfalls Hermann Grub und Petra Lejeune. Die beiden Architekten haben einen Tunnel entworfen, der die durch den Mittleren Ring getrennten Teile des Parks zusammenführen würde. Das Konzept steht, jetzt wollen die beiden auch die Bürger der Stadt mobilisieren. Unterstützt werden sie dabei von der Werbeagentur Serviceplan, die honorarfrei eine Kampagne zur Wiedervereinigung des Parks startet.

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Die Aktion „(M)ein Englischer Garten“ richtet sich an Menschen, die den Garten in seiner ungeteilten Form, wie er bis 1966 existiert hat, wiederhaben wollen. 50000 Flugblätter wurden schon gedruckt, die jetzt verteilt werden, um auf die Aktion aufmerksam zu machen. „Wir möchten, dass die Münchner ihre persönliche Begründung liefern, warum der Englische Garten wieder zusammengeführt werden soll“, sagt Ronald Focke, Geschäftsführer der ServiceplanGruppe.

Jeder Bürger, der sich mit Geld- oder Sachspenden an dem Projekt beteiligt, erhält Raum für seine persönliche Botschaft zur Wiedervereinigung und kann zum Gesicht der Aktion werden. Die so entstandenen Porträts der Spender und der persönliche Satz für eine Wiedervereinigung werben dann auf verschiedenen Flächen in der Stadt und im Internet.

Tunnel soll rund 70 Millionen Euro kosten

Natürlich geht es vor allem darum, Geld einzunehmen. Denn der Tunnel wird teuer. Rund 70 Millionen Euro wird das Projekt laut Architekt Grub kosten. Nach Angabe von Katja Winkler, Pressesprecherin des bayerischen Innenministeriums, können die Initiatoren wahrscheinlich auch mit Fördermitteln des Freistaates rechnen, der die Idee begrüßt. Auch viele Firmen unterstützen die Pläne. Jetzt sollen noch die Bürger aktiv werden.

Gergi Alapi, der mit seinem Sohn Nelio die Frühlingssonne im Park genießt, ist skeptisch. „Das ist doch ein Luxusproblem. Ich fühle mich nicht unbedingt gestört. Der Park ist groß. Hier findet jeder Ruhe. Und es gibt Wichtigeres, in das man investieren sollte, etwa in Kindergärten“, sagt der junge Vater. Eine Schalldämmung, meint er, würde doch auch reichen. Direkt da hinten, hinter den Booten, die am Ufer des Kleinhesseloher Sees in der Sonne schaukeln.

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