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12. November 2007 19:10 Uhr

Er ist da, wenn's nachts Bio sein soll

Heißhunger, ein leerer Kühlschrank und tiefe Nacht. Eine denkbar schlechte Kombination. Doch da brennt Licht, in einem Bio-Supermarkt. Ein Unterallgäuer hat die Idee vom 24-Stunden-Bio-Supermarkt nach Berlin gebracht.

Von Martina Bachmann

Berlin. Heißhunger, ein leerer Kühlschrank und tiefe Nacht. Eine denkbar schlechte Kombination. Eine, die miese Laune macht - und Silvjia Gargieva kurz vor ein Uhr nachts auf die Straßen Berlins treibt. Die Rollläden sind dicht, alles dunkel. Doch da brennt Licht, in der Kastanienallee im Szeneviertel Prenzlauer Berg, in einem Bio-Supermarkt. Die 19-Jährige mit dem dicken Schal um den Hals und der knielangen Strickjacke über den Schultern betritt den Laden, steuert auf die hellbeleuchteten Regale zu. Den einen Fuß vor dem anderen, den Finger an den Lippen: Welche Köstlichkeit soll es nun sein?

Etwa 1000 Produkte stehen Silvjia bei "Fresh 'n' Friends" zur Auswahl. Seit Juli 2007 hat der Bio-Supermarkt rund um die Uhr, sieben Tage die Woche, geöffnet. Das sei einmalig in Deutschland, sagt Inhaber Anton Kerler. Er ist 28 Jahre und trägt weiß-grau-rosa gestreifte Hemden zu glänzenden Schuhen. Einer, den es vom Unterallgäu in die Hauptstadt gezogen hat. Aufgewachsen ist Kerler auf einem Bauernhof. In Berlin hat er sich mit der Eröffnung seines eigenen Bio-Supermarktes einen Traum erfüllt. Weitere sollen folgen, zudem will der Jungunternehmer deutschlandweit für sein Konzept Franchise-Abnehmer an Land ziehen. Seit er 24 Stunden am Tag geöffnet habe, sei der Umsatz rasant nach oben gestiegen, sagt er. Nicht weil nachts so viel eingekauft werde, sondern weil die Kunden genau wüssten: Die haben immer auf.

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15 Mitarbeiter geben sich dafür rund um die Uhr die Ladentür-Klinke in die Hand. In dieser Nacht steht Daniel mit der schwarzen Fliegerjacke hinter dem Tresen. Er muss durchhalten, von Mitternacht bis morgens um sieben. Rockabilly-Musik aus den fünfziger Jahren hilft. Und die Kunden, die einen auf Trab halten. Um kurz nach eins betritt Marc Urbatsch den Laden. Schwarzes Cord-Jackett, die Haare modisch voller Gel, der Projektentwickler ist auf dem Weg vom Feierabendbier zurück ins Büro: "Will noch den Laptop abholen." Bei Kerlers Laden macht er spätabends des Öfteren Halt, obwohl es in Berlin auch normale 24-Stunden-Supermärkte gibt und manch kleiner Laden zudem bis ein Uhr nachts geöffnet hat. "Woanders gibt es nicht so hochwertige Lebensmittel, vor allem nicht so gutes Brot." Dann legt er 5,50 Euro auf den Tresen, reißt eine kleine Tüte auf und beißt in ein Stück weiße Schokolade.

Urbatsch ist der Prototyp eines Kerler-Kunden. Der Unterallgäuer beschreibt ihn so: "30 bis 45 Jahre alt, beim Film, bei Werbeagenturen oder in der Medienbranche beschäftigt." Jemand, der bis spät in die Nacht an Projekten herumtüftelt, Wert auf hochwertige Lebensmittel legt und diese auch bezahlen kann. Oder jemand, der besonders auf sich, seinen Körper und seine Gesundheit achtet.

Schauspielerin Esther Seibt gehört zur zweiten Gruppe, schwört auf Kerlers Crunchy-Dinkel-Müsli: "Ich habe das Gefühl, dass das meinem Körper nicht schadet, sondern guttut." Es ist mittlerweile drei Uhr morgens, die 25-Jährige kommt von einer Geburtstagsfeier, in schwarzen Lackstiefeletten und Pelzjacke. Ihr Kühlschrank ist gähnend leer. Gäbe es den Bio-Supermarkt nicht, Esther müsste die kalte Pizza aus ihrer weißen Papiertüte frühstücken, den Rest der Geburtstagssause. So schnappt sie sich das Müsli aus dem Regal, zahlt und verschwindet mit einem guten Ernährungsgewissen in der kalten Nacht.

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