Haftbefehl gegen früheren kaufmännischen Leiter. Motiv könnte geplante Trennung sein Von Katharina Gaugenrieder

Dillingen Es ist ein Anwesen, um das die Familie viele beneiden würden. Swimmingpool im Garten, eine herrschaftliche Auffahrt, ein prachtvolles Haus inmitten eines grünen Paradieses mit Teich und plätscherndem Brunnen. Doch in dem Einfamilienhaus am Rande des Dillinger Stadtteils Schretzheim hat sich am Mittwoch offenbar eine Tragödie abgespielt.
Wie die Polizei gestern mitteilte, soll dort ein 66-jähriger Mann seine 55 Jahre alte Ehefrau nach einem vorangegangenen Streit so massiv geschlagen und getreten haben, dass sie schließlich noch im Haus ihren schweren inneren Verletzungen erlag. Im Anschluss verständigte der Mann, bei dem es sich um einen ehemaligen kaufmännischen Geschäftsführer des Kernkraftwerks Gundremmingen handeln soll, selbst die Polizei. „Er hat recht unspektakulär gemeldet, dass seine Frau gestürzt ist und sich nicht mehr bewegt“, erklärte Polizeisprecher Siegfried Hartmann gestern gegenüber unserer Zeitung.
Nachdem der Notarzt den Tod der Frau, die am Treppenabgang gelegen haben soll, festgestellt hatte, seien allerdings bereits vor Ort Zweifel an der Darstellung des Mannes aufgekommen. „Die Verletzungen der Frau waren mit einem einfachen Sturzgeschehen nicht in Einklang zu bringen“, so Hartmann. Damit konfrontiert habe der mutmaßliche Täter eingestanden, dass es an jenem Tag einen Streit gegeben habe, der schließlich in einer körperlichen Auseinandersetzung mit massiven Schlägen eskaliert sei.
Offenbar hatte die Frau sich schon länger mit dem Gedanken getragen, sich von ihrem Mann zu trennen. „Von einem Geständnis kann man allerdings noch nicht sprechen“, sagte Hartmann. Die noch am Mittwochabend durchgeführte Obduktion der Toten habe schließlich zweifelsfrei ergeben, dass die inneren Blutungen, die zum Tod der zweifachen Mutter führten, nur durch massive körperliche Gewalt zustande gekommen sein können, erklärte Christian Engelsberger von der Augsburger Staatsanwaltschaft gestern auf Anfrage. Bei seiner Vorführung vor dem Haftrichter am gestrigen Nachmittag habe der Beschuldigte zu den Umständen der Tat geschwiegen. Gegen ihn wurde Haftbefehl wegen Totschlags erlassen. Er sitzt nun bis auf Weiteres in Untersuchungshaft.
Im Dillinger Ortsteil Schretzheim machte die Nachricht vom Tod der Frau und der Verhaftung ihres Mannes gestern schnell die Runde. Es herrschte große Betroffenheit. Nachbarn beschrieben das Ehepaar als freundlich. Allerdings hätten sie sehr zurückgezogen gelebt und kaum Kontakte im Ort gepflegt. „Die wollten einfach für sich sein. Aber so etwas hätte ich ihm nie zugetraut“, sagte eine Nachbarin gestern Nachmittag.
Dass es in der Ehe gekriselt hatte, sei im Ort aber bekannt gewesen. Der mutmaßliche Täter war von 1981 an am Standort Gundremmingen im Kernkraftwerk tätig. Während der Bauzeit der Kernkraftwerksblöcke B und C übernahm er die kaufmännische Koordinierung zwischen dem Kraftwerksstandort Gundremmingen, den Gesellschaftern RWE und den damaligen Bayernwerken. Ab 1991 fungierte er bis zu seinem Ausscheiden im Jahr 2005 als kaufmännischer Geschäftsführer der Kernkraftwerk Gundremmingen GmbH. Daneben nahm er zeitweise Vorstandstätigkeiten bei anderen Kraftwerken wahr.
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