Neue Wendung im Fall Ursula Herrmann: Die Staatsanwaltschaft hat nun auch Anklage gegen die Ehefrau des Tatverdächtigen erhoben.

Augsburg. (AZ) Im Fall Ursula Herrmann hat die Staatsanwaltschaft nun auch Anklage gegen die Ehefrau des Verdächtigen Werner M. erhoben: Die heute 52-jährige Gabriele soll sich wegen Beihilfe zur räuberischen Erpressung mit Todesfolge vor Gericht verantworten.
Ein Sprecher des Augsburger Landgerichts bestätigte das gegenüber unserer Zeitung. Demnach wird die Frau beschuldigt, als "Lebensgefährtin und Vertraute" des Hauptangeklagten Werner M. vor fast 30 Jahren an der Entführung und dem grausamen Tod der damals zehnjährigen Ursula Herrmann aus Eching am Ammersee beteiligt gewesen zu sein.
Indizien sprechen dafür: Sie soll zur Zeit der Erpresserbriefe dabei beobachtet worden sein, wie sie Wörter aus Zeitschriften ausschnitt. Telegramme der Entführer an die Eltern des Opfers sollen zudem von einer Frau aufgegeben worden sein.
Ob das Strafverfahren gegen ein weiteres beschuldigtes Paar eingestellt wurde, war gestern noch unklar. Auch der Zeitpunkt des Hauptverfahrens gegen Werner M. und seine Lebensgefährtin steht noch nicht fest - nach Auskunft des Augsburger Landgerichts könnte der Prozess Anfang 2009 beginnen. Wegen der mehr als 200 Zeugen, die in dem Indizienverfahren aussagen sollen, könnte solch ein Verfahren bis zu einem Jahr dauern.
Der 58-Jährige Hauptverdächtige soll 1981 die damals zehnjährige Ursula bei Eching (Bayern) entführt und im Wald in einer Kiste vergraben haben. Das Mädchen war kurz darauf qualvoll erstickt. Dem 58-Jährigen werde erpresserischer Menschenraub mit Todesfolge vorgeworfen, sagte der Verteidiger. Sein Mandant, der damals in unmittelbarer Nähe des Tatorts gewohnt hatte, bestreitet die Tat. Der Mann war Ende Mai in Schleswig-Holstein verhaftet worden.
Als neues Indiz hatte die Staatsanwaltschaft im Mai ein Tonbandgerät vorgelegt, das bei den Erpresseranrufen eingesetzt worden sein soll. Das Gerät war bei einer Hausdurchsuchung bei dem 58-Jährigen gefunden worden.
Spezialisten des Bayerischen Landeskriminalamtes wollen an dem Gerät technische Spuren gefunden haben, die genau zu Besonderheiten auf den Mitschnitten der damaligen Erpresseranrufe passen sollen. Der Beschuldigte hat dagegen erklärt, er habe das Tonband 2007 auf einem Flohmarkt gekauft.
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