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Doppelmord von Krailling: Familie des mutmaßlichen Mörders steckte im Finanz-Chaos

Doppelmord von Krailling

Familie des mutmaßlichen Mörders steckte im Finanz-Chaos

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    Im Prozess um den Doppelmord an den Schwestern  Sharon und Chiara aus Krailling zeichnet sich ein immer klareres Bild des angeklagten Onkels und der Familie ab. Dem 51 Jahre alten Mann wird vorgeworfen, die Töchter seiner Schwägerin aus Geldgier umgebracht zu haben. Vermutet wird auch, dass der Mann ursprünglich auch seine Schwägerin töten wollte, um an das Erbe zu kommen. Ungeöffnete Mahnungen, Schulden und Zwangsvollstreckung - die Familie des mutmaßlichen Mörders der kleinen Chiara und Sharon aus Krailling lebte in finanziellem Chaos. Die Familie habe Forderungen nicht mehr bedienen können, das Haus habe vor der Zwangsversteigerung gestanden, sagte ein Finanzermittler der Polizei am Dienstag vor dem Landgericht München.

    Androhungen von Zwangsvollstreckungen

    Kraillinger Doppelmord: Rückblick auf die Ermittlungen

    Über Monate hinweg versuchten Ermittler die Hintergründe des Mordes von zwei Mädchen aus dem Münchner Vorort Krailling zu klären. Ein Rückblick:

    23. März 2011: In der Nacht werden die Schwestern Chiara (8) und Sharon (11) getötet. Die Mutter arbeitet zu der Zeit in der nahen Musikkneipe ihres Lebensgefährten. Die Wohnungstür ist unverschlossen.

    24. März: Am frühen Morgen kommen die Mutter und ihr Freund nach Hause. Sie finden die beiden Leichen.

    25. März: Das vorläufige Obduktionsergebnis wird veröffentlicht. Demnach wurden die Kinder erstochen und erschlagen. Das Landeskriminalamt hat eine Belohnung in Höhe von 5000 Euro für Hinweise zur Aufklärung des Doppelmordes ausgesetzt.

    28. März: Die Belohnung hat sich erhöht. Zwei Privatleute geben zusammen noch einmal 10 500 Euro hinzu.

    29. März: Mehr als 500 Menschen kommen zu einem Gedenkgottesdienst.

    1. April: Mit einer privaten Trauerfeier nehmen die Eltern der ermordeten Mädchen Abschied. Kurze Zeit später wird der angeheiratete Onkel der Kinder als Tatverdächtiger festgenommen. Er hatte freiwillig eine Speichelprobe abgegeben, sein genetischer Fingerabdruck stimmt mit DNA-Spuren vom Tatort überein.

    2. April: Gegen ihn wird Haftbefehl wegen Verdachts auf zweifachen Mord erlassen. Als Motiv wird ein Erbschaftsstreit vermutet.

    7. April: Der Mann bestreitet die Tat, wie sein Verteidiger mitteilt.

    14. April: Ein Teilgutachten bestätigt den dringenden Tatverdacht.

    18. April: Die Polizei teilt mit, dass an den beiden Kindern und den mutmaßlichen Tatwerkzeugen DNA-Spuren des vierfachen Familienvaters gefunden wurden. Der mutmaßliche Täter schweigt zu den Vorwürfen.

    15. Juni: Die Ehefrau des Onkels hält ihren Mann für schuldig, wie sie in einem Interview sagt.

    2. September: Die Staatsanwaltschaft München II erhebt Anklage gegen den Onkel. Sie geht davon aus, dass er die Kinder «heimtückisch und aus Habgier» getötet hat. Außerdem soll er vorgehabt haben, die Mutter der Kinder - seine Schwägerin - umzubringen, um an Geld aus dem Nachlass zu kommen. Der Postbote und Vater von vier Kindern soll in finanziellen Schwierigkeiten stecken.

    17. Januar 2012: Der Prozess beginnt.

    Bei der Hausdurchsuchung nach der Festnahme des Mannes seien 43 ungeöffnete Briefe gefunden worden, berichtete der Finanzermittler. Sie enthielten Bankschreiben, Mahnungen und Androhungen von Zwangsvollstreckungen. Drei Mal sei ein Zwangsversteigerungsverfahren für das Haus eingeläutet, jedoch zwei Mal nach Zahlungen eingestellt worden. Im Dezember 2010 sei das Verfahren dann fortgesetzt worden.

    Gerichtsvollzieherin mehrfach vor der Haustür

    Mehrfach habe die Gerichtsvollzieherin vor der Haustür gestanden, jedoch niemanden angetroffen. Die Ehefrau sei im März 2011 zur Offenlegung ihrer wirtschaftlichen Verhältnisse aufgefordert worden, dazu aber nicht erschienen. Daraufhin sei ein Sicherungshaftbefehl gegen sie ergangen. Bereits im Sommer 2010 habe der Angeklagte einen Offenbahrungseid geleistet. Seine Familie hatte sich laut Anklage vor allem durch einen Hausbau verschuldet.

    Neben der Verschuldung der Familie des mutmaßlichen Mörders kamen auch noch schwere Krankheiten hinzu. Das zweite von vier Kindern war schwer leberkrank - der Bub brauchte eine Transplantation. Die Ehefrau hatte Krebs mit schlechter Prognose.

    Mutmaßlicher Krailling-Mörder: Familie hatte Schulden

    Hilfsangebote gab es von mehreren Seiten. Unter anderem hatte die Marianne-Strauß-Stiftung Kontakt aufgenommen. Eine Mitarbeiterin der Stiftung sagte vor Gericht, der Angeklagte habe bei dem Hausbau nur Aufgaben verteilt, selbst aber nicht mit angepackt: "Er hat selbst nichts zugetan." Das Haus sei überdurchschnittlich groß und komfortabel geplant gewesen, offensichtlich habe sich die Familie bei der Finanzierung vergaloppiert. "Das würde schon gehen, weil wenn seine Frau stirbt, kriegt er die Rente", zitierte die Zeugin den Angeklagten. Ab einem gewissen Zeitpunkt habe sie beschlossen, nichts mehr für die Familie zu tun. Auch habe die Sorge bestanden, dass das mit Hilfe der Stiftung gebaute Haus wieder verkauft  werden könnte.

    Zeuge: Familie hatte hohe Ansprüche

    "Ich werde nie vergessen, wie er gesagt hat, dass seine Frau ja jetzt stirbt und er Witwen- und Waisenrente bekommt", sagte ein weiterer Zeuge über den Angeklagten. Er habe ein freundschaftliches Verhältnis zu der Familie aufgebaut, dann seien ihm aber Unstimmigkeiten aufgefallen. So habe die Familie trotz ihrer Finanzprobleme beim Hausbau hohe Ansprüche gehabt. Manche ihrer Angaben hätten zudem nicht gestimmt. Er habe schließlich den Kontakt abgebrochen: "Man hat mein Vertrauen missbraucht."

    Der Angeklagte schweigt in dem Prozess zu den Vorwürfen. Bis Ende März sind weitere Prozesstage angesetzt.  dpa/AZ

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