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24. Juli 2009 18:56 Uhr

Interview

Fast wäre Beckstein von Alligatoren gefressen worden

20 Jahre saß er im Kabinett, jetzt ist er nur noch einfacher Abgeordneter. Günther Beckstein erzählt von seinem neuen Leben und warum er fast von Alligatoren gefressen worden wäre. Von Josef Karg

Günther Beckstein.

Er saß 20 Jahre im Kabinett, war es gewohnt, chauffiert und hofiert zu werden. Für mehrere Monate war er Bayerns Ministerpräsident. Jetzt ist Günther Beckstein einfacher Abgeordneter im Landtag, kirchlich aktiv und Privatmann. Wir wollten wissen, wie er in seinem neuen Leben zurechtkommt, und besuchten ihn.

Herr Beckstein, Sie sehen blendend aus. Kann man sagen, dass es Ihnen so richtig gut geht?

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Beckstein (lächelt): Eigentlich ja. Wissen Sie, alles im Leben hat zwei Seiten. Aber Sie können mir glauben, es ist auch nicht ganz einfach, wenn man vormittags noch der mächtigste Mann im Freistaat ist und nachmittags ohne Amt und Würden da steht.

Aber nach über 20 Jahren in höchsten politischen Ämtern, muss es doch auch angenehm sein, wenn man mehr Zeit für sich selbst zur Verfügung hat?

Beckstein: Klar hat mein neues Leben auch viele positive Seiten. Die Luft am Gipfel war rauer als jetzt am Sattel des Berges. Ich mache halt aus der Sache das Beste und habe unter anderem mehr Zeit für die Familie.


(Passenderweise ruft in diesem Moment gerade seine Frau an, er solle sich beeilen, um zur Promotionsfeier der Tochter nicht zu spät zu kommen.)


Beckstein: Sehen Sie, da hätte ich früher zurückstehen müssen. Heute kann ich die Feier genießen.


Wie sieht ihr Durchschnittstag aus?

Beckstein: Oh, das ist extrem unterschiedlich. Neben meiner Tätigkeit im Landtag arbeite ich wieder in meiner Rechtsanwaltskanzlei mit. Vor allem beschäftige ich mich mit Verwaltungs- und Verfassungsrecht. Darüber hinaus bin ich in verschiedenen Gremien der evangelischen Kirche aktiv.


Das klingt ja schon wieder nach Zwölfstundentag. Wie steht es übrigens mit Anfragen nach Reden?

Beckstein: Es gibt eine Menge. Wenn ich alle annähme, könnte ich jeden Tag mehrere Reden halten. Tu ich aber nicht.

Freut es Sie, dass Sie noch so gefragt sind?

Beckstein: Es ist eine Mischung. Einerseits lästig, andererseits freut es mich schon.

Dass Sie mittlerweile bei den Leuten gefühlt beliebter sind als früher, muss doch Balsam auf die Seele sein.

Beckstein: Das ist richtig.

Als Innenminister war das nicht so.

Beckstein: Das ging nicht anders. Aber ich bin lieber ein Hardliner für Recht und Ordnung als ein Weichei für Unrecht und Unordnung. In dieser Position muss man einfach auch unpopuläre Entscheidungen fällen. Das ist einfach so.

Haben Sie als Politiker noch einen Wunsch?

Beckstein: Nein, ich werde kein politisches Amt mehr übernehmen. Aber ich wünsche mir, dass Deutschland möglichst schnell und mit möglichst wenig Schaden für die Menschen aus dieser gefährlichen Wirtschaftskrise herauskommt.

Apropos Krise. Wie steht es um die CSU? Haben Sie einen Tipp für das Ergebnis zur Bundestagswahl?

Beckstein: Ich bin kein Prophet. Aus eigener Erfahrung aus dem vergangenen Jahr weiß ich, dass auch die renommiertesten Meinungsforscher oft falsch liegen. Noch einen Tag vor der Landtagswahl hat mich einer angerufen und mir gesagt, wir (die CSU) würden 48 bis 49 Prozent erreichen. Das Ergebnis kennen Sie.

Ja. 43 und ein paar Zerquetschte. Haben Sie die neue Freizeit heuer schon einmal für Urlaub genutzt?

Beckstein: Ich war in den USA.

Wo?

Beckstein: in Florida.

Wie war's?

Beckstein: Spannend. Um ein Haar wäre ich von einem Alligator gefressen worden!

Wie bitte?

Beckstein: Meine Frau und ich fuhren in einem Kanu durch die Everglades und beobachteten Schildkröten und riesige Alligatoren. Plötzlich kenterten wir. Doch Gott sei Dank griff uns kein Alligator an. Aber das war spannend. Echt toll! Ende August fliege ich heuer noch nach Nordzypern, im Oktober mache ich eine Reise nach Tibet.

Zum Schluss noch einen Satz zu ihrem Nachfolger Horst Seehofer. Wie macht er seine Sache?

Beckstein: Ich werde öffentlich keine Ratschläge geben. Denn für die Betroffenen sind sie meist mehr Schläge als Rat. Ich wünsche Seehofer, dass er eine erfolgreiche Politik macht.

Interview: Josef Karg

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