Bewegungslose Menschen, eine Mega-Schlange am Geldautomaten und die Fünf Höfe voll mit Seifenblasen: Wer am Dienstagabend in Münchnen unterwegs war, stieß auf jede Menge komischer Aktionen. Grund: ein Flashmob. Von Nadine Pflaum

Bewegungslose Menschen in der U-Bahn, eine Mega-Schlange am Geldautomaten, die Fünf Höfe voll mit Seifenblasen und Menschen, die im Kreis liefen: Wer am Dienstagabend in der Münchner Innenstadt unterwegs war, stieß auf jede Menge komischer Aktionen.
Des Rätsels Lösung: ein Flashmob. Oder besser gesagt: ein urbaner Schwarm.
Die Urbanauten, eine Gruppe kreativer Köpfe in München hatte unterstützt vom Kulturreferat der Stadt München das Projekt "Moment of Starlings - Sende SMS an 11832" veranstaltet. Entstehen sollte dabei ein Theaterstück im öffentlichen Raum, bei dem die Zuschauer selbst zu Schauspielern werden. Anlass für den Flashmob ist das Spielart Theaterfestival in München, das am 19. November beginnt.
Und so wurden die etwa 350 völlig unterschiedlichen Teilnehmer, die einander vorher nicht kannten, zum Schwarm. Vorbild sind intelligente Vogelschwärme wie zum Beispiel die der Stare (englisch: Starling). Und so bildeten vor der Filiale eines Bekleidungsgeschäfts in der Theatinerstraße 350 Menschen in Rudelmanier ein in sich bewegendes Knäuel. "Was machen denn die?", fragte so mancher Passant staunend und lief mit offenem Mund vorbei. Schwärmen eben, ganz genau wie es die Veranstalter via Handy anordneten.
Die Informationen für die Aktionen gab es per SMS. Jeder erhielt während des zweistündigen Events etwa 35 Textnachrichten, die ihn zum nächsten Schwarmtreffpunkt oder Flashmob leiteten. Der urbane Schwarm unterbrach seine Rudelbildung für drei Flashmobs: Einmal bliesen die Teilnehmer in den Fünf Höfen tausende Seifenblasen in die Höhe, oder bildeten eine nicht endenwollende Schlange an einem Geldautomaten im Tal.
Die Aktion, die jedoch für das meiste Aufsehen sorgte, fand im Sperrgeschoss der U-Bahn am Marienplatz statt. Dort verharrten die Teilnehmer minutenlang komplett regungslos, mitten im Kuss, beim Müll wegwerfen oder Schuhe binden. Dieser Freeze (to freeze = einfrieren) war auch ein Tribut an den Mitperformer des Events, Charlie Todd.
Der New Yorker ist der aktuelle Papst der Flashmob-Szene. Er ist vor allem bekannt durch sein Happening "Frozen Grand Central". Bei dieser Aktion hielten mehrere hunderte Menschen zum selben Zeitpunkt an der Grand Central Station in New York inne, egal ob beim Eis essen oder Telefonieren und verwirrten damit die Vorbeigehenden. Das Video dazu hat inzwischen fast 20 Millionen Klicks auf youtube.
Ziemlich unterschiedlich reagierten die Passanten in der Münchner U-Bahn auf den Freeze. "Schnell, weg, die bewegen sich nicht mehr", sagte eine Mutter entsetzt zu ihrem Kind. Betrunkene Fußballfans hingegen ließen wenig von den Regungslosen beeindrucken und brüllten "Flashmob", polnische Touristen zückten ungläubig ihre Kameras.
Wer allerdings total spontan sein wollte, tat sich am Dienstagabend etwas schwer. Das SMS-Ticket für den schwarm 00 war kostenpflichtig. Das heißt: Die genauen Informationen zum Ort des Events auf das Handy bekam nur, wer registiert war und die fünf Euro bereits auf das Konto der Veranstalter überwiesen hatte. Wer via Twitter bestellte, musste hingegen nichts bezahlen. Nadine Pflaum
Jetzt bestellen! Das neue iPad inkl. e-Paper.
Artikel kommentieren
| Artikel bewerten: