Im Zusammenhang mit Ermittlungen gegen den Gaddafi-Sohn Saif al-Arab hat sich ein Münchner Oberstaatsanwalt nach Einschätzung der Generalstaatsanwaltschaft Nürnberg nicht der Strafvereitelung schuldig gemacht.
Entsprechende Ermittlungen gegen den Münchner Ankläger vom September 2011 seien daher eingestellt worden, teilte das Oberlandesgericht (OLG) Nürnberg am Mittwoch mit. Der Oberstaatsanwalt habe weder unbefugt Dienstgeheimnisse verraten noch habe er eine Strafvereitelung im Amt begangen.
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Der angeblich bei einem Nato-Bombardement im Mai 2011 ums Leben gekommene Gaddafi-Sohn hatte zeitweise in München gelebt - als angeblicher Student. Zwischen 2006 und 2010 beschäftigte er nach Angaben des bayerischen Justizministeriums elfmal die Polizei - unter anderem wegen einer Disco-Schlägerei, Fahrens ohne Führerschein und Beleidigung von Polizisten. Dennoch kam der Sohn des früheren libyschen Diktators fast immer glimpflich davon. Auch Ermittlungen wegen Waffenschmuggels wurden eingestellt.
Der Oberstaatsanwalt reiste 2007 nach Berlin
Der Oberstaatsanwalt war 2007 vor einer geplanten Hausdurchsuchung bei dem Sohn des früheren libyschen Diktators Muammar al Gaddafi nach Berlin gereist. Dort erkundigte er sich in der libyschen Botschaft, ob Gaddafi junior diplomatische Immunität besaß. Bei dieser Gelegenheit hatte er die libyschen Diplomaten über die geplante Hausdurchsuchung wegen des Verdachts der versuchten Anstiftung zu einem Verbrechen und illegalen Waffenbesitzes informiert.

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Der libysche Revolutionsführer Muammar al-Gaddafi im Sommer 2009.
Foto: dpa

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Tony Blair zeigte sich mit Muammar al-Gaddafi.
Foto: dpa

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Muammar al-Gaddafi begrüßt US-Präsident Barack Obama am Rande des G8-Gipfels in L'Aquila im Jahr 2008.
Foto: dpa
Die Grünen werfen Polizei und Münchner Justiz deshalb vor, den Diktatorensohn mit Samthandschuhen angefasst zu haben. Der Besuch des Oberstaatsanwalts in der libyschen Botschaft war nach Einschätzung von Landtags-Vizepräsidentin Christine Stahl überflüssig: «Wie kann dieses Gespräch in der libyschen Botschaft nun in der Einstellungsverfügung als sachgerecht und naheliegend bezeichnet werden, wenn allein das Auswärtige Amt zuverlässig darüber Auskunft geben kann, wer als Diplomat akkreditiert ist und wer nicht?» Offensichtlich sei die Staatsanwaltschaft davon ausgegangen, dass die libysche Botschaft in der Frage des Diplomatenstatus vertrauenswürdiger ist als das Auswärtige Amt. dpa-lby
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Libyens Muammar al-Gaddafi wurde als Terrorhelfer international geächtet und als Handelspartner hofiert. Im Westen galt der selbst ernannte Revolutionsführer mit bizarr anmutenden Gewohnheiten vielen als unberechenbar.
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1942: Im September nahe der Stadt Sirte in Libyen geboren.
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1963: Jura- und Geschichtsstudium für Offizierslaufbahn abgebrochen.
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1969: Ein «Bund der freien Offiziere» putscht Gaddafi an die Macht.
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1970: Ausländische Öl-Firmen in Libyen werden verstaatlicht.
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1973: Gaddafi veröffentlicht seine «Dritte Universaltheorie» als Mittelweg zwischen Kommunismus und Kapitalismus.
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1977: Der «Revolutionsführer» ruft die «Sozialistische Libysch- Arabische Volks-Dschamahirija (Herrschaft der Massen)» aus.
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1985: Wegen Libyens Verstrickung in den internationalen Terrorismus verhängen die USA einen Wirtschaftsboykott.
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1986: Die USA machen Gaddafi für einen Anschlag auf die Berliner Diskothek «La Belle» verantwortlich und bombardieren Tripolis.
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1988: 270 Tote bei Explosion eines US-Jumbos über Lockerbie.
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1991: Der UN-Sicherheitsrat verhängt Sanktionen gegen Libyen.
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2003: Libyen sagt für den Anschlag von Lockerbie die Zahlung von Entschädigungen zu; die UN heben die Sanktionen auf.
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2003: Gaddafi kündigt Einstellung des libyschen Atomprogramms und die Zerstörung seiner Massenvernichtungswaffen an.
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2004: Die USA heben ihre Handelsbeschränkungen auf.
2007: Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy vereinbart mit Gaddafi eine militärische und atomtechnische Kooperation. Anvisiert wird die Lieferung von Kampfjets und eines Atomkraftwerks.
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2008: Die USA schließen mit Libyen ein Öl-Handelsabkommen.
2009: Gaddafi wird für ein Jahr Ratsvorsitzender der Afrikanischen Union und fordert die «Vereinigten Staaten von Afrika».
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2009: Freundschaftsabkommen und erster Staatsbesuch Gaddafis in Rom.
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2010: Nach Festnahme seines Sohns Hannibal in Genf wegen Misshandlung von Angestellten ruft Gaddafi zum Dschihad gegen die Schweiz.
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2010: Um den Zustrom afrikanischer Flüchtlinge über Libyen einzudämmen, zahlt die EU Gaddafi 50 Millionen Euro.
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2011: Am 15. Februar demonstrieren Tausende gegen Gaddafi. Seine Gefolgsleute richten später ein Blutbad unter Zivilisten an. Der folgende Bürgerkrieg läutet den Sturz des «Führers» ein. (dpa)
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