Donnerstag, 25. Mai 2017

02. Juni 2009 19:05 Uhr

Europawahl

Gemeinden melden Ansturm auf die Briefwahl

Die Europawahl steht vor der Tür: Und die Bayern scheinen lieber zum Briefkasten als an die Urne zu gehen. Von Florian Eisele

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Gemeinden melden Ansturm auf die Briefwahl

Von Florian Eisele

Augsburg - Wenige Tage vor der Europawahl melden die bayerischen Städte einen starken Anstieg bei den Anträgen auf Briefwahl. Besonders die CSU, die bei der Wahl am kommenden Sonntag bundesweit über die Fünf-Prozent-Hürde kommen muss, hatte im Wahlkampf Werbung für die Briefwahl gemacht.

Denn eine niedrige Wahlbeteiligung, kombiniert mit einem schlechten Wahlergebnis, würde den Einzug der bayerischen Regierungspartei ins Europa-Parlament gefährden. 2004 hatte die CSU noch acht Prozent erreicht und neun Abgeordnete nach Brüssel geschickt.

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Der Ansturm auf die Briefwahl könnte nun gegen eine schwache Wahlbeteiligung sprechen. Allein in Nürnberg gingen bisher rund 37 000 Anträge dafür ein - fast zehntausend mehr als bei der Europawahl 2004, wie Wahlleiter Wolf Schäfer sagt.

Der Nürnberger rechnet insgesamt mit rund 40 000 Briefwählern, die sich bis zum bundesweiten Meldeschluss am kommenden Freitag um 18 Uhr noch melden werden: "Eine gigantische Zahl", sagt Schäfer. Das hieße, dass sich mehr als jeder zehnte Wahlberechtigte für die Briefwahl angemeldet hätte. Bei der Bundestagswahl verzeichnete Nürnberg 60 000 Briefwähler.

München meldet sogar einen Anstieg um über 50 Prozent: Bis gestern haben sich bereits 128 135 die Unterlagen zusenden lassen - fast 50 000 mehr als bei der Europawahl 2004, als 79 216 Anträge vorlagen.

In Augsburg gingen bei Wahlleiter Helmut Reit 15 000 Anfragen ein - rund 3000 mehr als 2004. In Ingolstadt organisierte Wahlleiter Andreas Perlinger bereits zusätzliches Personal, um die vielen Anfragen zur Briefwahl bearbeiten zu können. Bis Dienstag gingen bereits 8300 Anfragen dafür ein - ein Plus von 63 Prozent.

Den Passauer Politikwissenschaftler Heinrich Oberreuter überrascht der Ansturm auf die Briefwahl nicht: "Es wurde dafür so viel geworben wie noch nie zuvor", sagt der Professor. "Traditionell neigen die Wähler von konservativen Parteien zur Briefwahl", fügt er hinzu. Für das tatsächliche Wahlergebnis ließen sich daraus aber noch keine Schlüsse ziehen.

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Ein Artikel von
Florian Eisele

Augsburger Allgemeine
Ressort: Sport

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