Sonntag, 19. November 2017

11. Januar 2016 07:41 Uhr

Allgäu

Geplante Skischaukel am Riedberger Horn sorgt für Streit

Er galt einst als der "schönste Skiberg Deutschlands": das Riedberger Horn. Jetzt gibt es Streit um den Verbund zweier Skigebiete. Naturschützer sehen ein Problem.

i

Am Riedberger Horn sollen zwei Skigebiete verbunden werden. Doch der Liftverbund ist umstritten.
Foto: Karl-josef Hildenbrand, dpa

Der bisherige Winter mit wenig Schnee in tiefen Lagen könnte den Oberallgäuer Gemeinden Balderschwang und Obermaiselstein zugutekommen. Während in vielen anderen bayerischen Skigebieten in den Ferien die Lifte standen oder nur für Wanderer liefen, ist an den Grasgehren-Liften seit Ende November durchgehend Skibetrieb möglich. «Dieser Winter zeigt deutlich, wie schneesicher unsere Skigebiete sind. Wir hier oben haben eine weiße Winterlandschaft, während es in anderen Gebieten grün ist», sagt Balderschwangs Bürgermeister Konrad Kienle. Um langfristig ihre Existenz zu sichern, sei es nötig, die beiden kleinen Skigebiete unterhalb des Riedberger Horns zu verbinden. Doch der geplante Liftverbund ist höchst umstritten.

Der 1787 Meter hoch gelegene Berg am Riedbergpass, Deutschlands höchster Passstraße, ist ein beliebtes Ziel für Skitourengeher. Luis Trenker soll das Riedberger Horn einst als «schönsten Skiberg Deutschlands» bezeichnet haben. Inzwischen wird der Name des Berges vor allem mit einem Streit zwischen Touristikern und Naturschützern in Verbindung gebracht. Die geplante Skischaukel ist Umweltverbänden ein Dorn im Auge.

ANZEIGE

Um für Urlaubsgäste attraktiv zu bleiben und im Wettbewerb mit den benachbarten Skiregionen in Österreich bestehen zu können, wollen die betroffenen Gemeinden die Skigebiete Balderschwang und Grasgehren zusammenschließen und modernisieren. Neben einer Verbindungsbahn unterhalb des Gipfels sind auch neue Skipisten geplant. «Es macht doch Sinn, dort Gebiete auszubauen, wo ich den Tourismus schon habe - und wo ich den Schnee habe. Viel wichtiger ist, von den Gebieten, die bisher noch nicht genutzt werden, die Finger zu lassen», verteidigt Kienle das Vorhaben.

Die geplante Trasse zwischen den Skigebieten verläuft jedoch durch die strengste Schutzzone C des bayerischen Alpenplans. Weil dort neue Erschließungen unzulässig sind, streben die Gemeinden eine Ausnahmegenehmigung an. Vor einem Jahr stellten sie einen Antrag auf ein sogenanntes Zielabweichungsverfahren. Ob am Riedberger Horn eine Abweichung vom Alpenplan möglich ist, wird noch geprüft. Dafür zuständig ist das bayerische Heimatministerium.

Abwägungsprozess am Riedberger Horn

«Es ist ein sehr schwieriger Abwägungsprozess. Deshalb sind umfangreiche Prüfungen nötig», sagt eine Sprecherin des Ministeriums. Einerseits gebe es das Interesse des ländlichen Raums, sich weiterzuentwickeln. Andererseits handle es sich um eine sehr sensible ökologische Frage. Wie lange die Prüfung noch dauern wird, sei nicht absehbar. Von vielen Beteiligten müssten Stellungnahmen eingeholt werden. Unter anderem würden Beurteilungen vom Umwelt-, Wirtschafts- und Agrarministerium in die Entscheidung einfließen. «Weil es eine so grundlegende und wichtige Frage ist, wird sich am Ende wohl das Kabinett damit befassen», sagte die Ministeriumssprecherin.

Umweltverbände wie der Bund Naturschutz (BN) haben starke Vorbehalte gegen den Liftverbund. Sie fürchten einen Präzedenzfall, der den Alpenplan nach 40 Jahren unveränderter Gültigkeit aushebelt und zu einer zügellosen Bebauung bislang geschützter Gebiete führen könnte. Auch der Schutz von Birkhühnern sowie der Schutz vor Lawinen- und Murenabgängen sprächen gegen den Bau von neuen Pisten und Liftanlagen.

Mit mehreren Protestaktionen unter anderem vor der Staatskanzlei in München und auf dem Gipfel des Riedberger Horns machten die Naturschützer im vergangenen Jahr ihrem Ärger Luft. «Wir sehen diese Aktionen eher als Schutzaktionen. Wir wollen die letzten noch unerschlossenen Bereiche in den Alpen schützen, die den Menschen und der Natur als Rückzugsraum und Ruhezone dienen», sagt BN-Naturschutzreferentin Christine Margraf.

Umweltministerin gegen Liftverbund am Riedberger Horn

Bayerns Umweltministerin Ulrike Scharf (CSU) hat den Plänen für das Projekt im Allgäu bereits eine Absage erteilt. «Die geplante Maßnahme liegt außerhalb der vorhandenen Skigebiete in einem höchst sensiblen Naturraum», hatte die Ministerin im Sommer gesagt. Die Alpen seien ein einzigartiges Ökosystem. «Dieser Naturraum braucht besonderen Schutz und muss für dieses Großprojekt tabu sein.» Das Heimatministerium sah jedoch «Lücken in der Argumentation» der Ministerin und weiteren Abklärungsbedarf.

Beim Deutschen Alpenverein (DAV) herrscht Unverständnis und Enttäuschung darüber, dass trotz Scharfs klarer Positionierung das Projekt noch nicht vom Tisch ist. «Es ist nicht nachvollziehbar, dass die Hängepartie noch besteht», sagt der DAV-Ressortleiter Natur und Umweltschutz, Jörg Ruckriegel. Der Alpenverein lehnt die Pläne für einen Skilift-Verbund am Riedberger Horn ebenfalls ab. Durch Wanderer und Skitourengeher sei dort bislang umweltverträglicher Tourismus möglich. Dies solle so bleiben.

Der Tourismusverband Allgäu/Bayerisch-Schwaben und die Allgäu GmbH unterstützen und befürworten den geplanten Liftverbund. Ihrer Ansicht nach könne und dürfe der wohlgemeinte Schutz der Natur nicht bedeuten, dass sich eine Region nicht weiterentwickeln darf. Balderschwangs Bürgermeister Kienle findet dafür deutliche Worte: «Eine Entscheidung gegen die Liftverbindung ist eine Entscheidung gegen den Wintersport im Allgäu.» Von Birgit Ellinger, dpa/ lby

i


Alle Infos zum Messenger-Dienst