Dienstag, 12. Dezember 2017

07. Februar 2013 08:07 Uhr

Neonazi-Partei

Griechenlands Rechtsextreme suchen Basis in Nürnberg

Die griechische Neonazi-Partei Chryssi Avgi will anscheinend auch in Nürnberg eine Parteizelle aufbauen - ausgerechnet in der früheren Propaganda-Hauptstadt Hitlers.

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Der Chef der rechtsextremen griechischen Partei Chryssi Avgi, Nikos Michaloliakos (r) spricht am 06.05.2012 in Athen.
Foto: Str

Die Auswahl der Stadt ist wohl nicht ganz zufällig - griechische Neonazis suchen ausgerechnet im früheren Propagandazentrum Adolf Hitlers Kontakt zu ausgewanderten griechischen Neonazis. Auf ihrer griechisch-sprachigen Webseite brüsten sich Anhänger der als ultrarechts und rassistisch geltenden griechischen Partei Chryssi Avgi («Goldene Morgenröte») damit, bereits in Nürnberg eine «Zelle» - der ersten in Deutschland - aufgebaut zu haben. In jeder der Ecke der Welt, in denen Auslandsgriechen leben, sollen künftig Parteizellen entstehen, verkündete die Neonazipartei am Dienstag. Die «Allianz gegen Rechtsextremismus» in Nürnberg mahnt derweil zur Wachsamkeit.

Vorsitzender gilt als Hitler-Bewunderer

Das Interesse der Chryssi Avgi an Nürnberg überrascht nicht. Schließlich gilt der Vorsitzende der Neonazipartei, Nikolaos Michaloliakos, als großer Bewunderer Hitlers. Der hatte einst Nürnberg zur «Führerstadt» erhoben und hier in den 1930er die NS-Reichsparteitage ausrichten lassen. Noch heute erinnern die Überreste gigantischer Propagandabauten an die einstigen NS-Massenaufmärsche. Von der Zeppelintribüne herab schwor der Führer des verbrecherischen NS-Regimes «Volk und Vaterland» auf den Zweiten Weltkrieg ein. In Nürnberg wurden auch die Rassegesetze beschlossen, mit denen die Nazis die Ermordung von Millionen von Juden besiegelten. Heute leben in Nürnberg, die sich als «Stadt der Menschenrechte» politisch zu rehabilitieren versucht, rund 10.000 Griechen.

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Kenner der Athener Parteienszene halten derweil Berichte von einem Nürnberger Ableger der griechischen Neonazi-Partei in Nürnberg für überzogen. Bislang, so heißt es in der griechischen Hauptstadt, gebe es bislang nur einen Versuch der «Morgenröte»-Partei eine Niederlassung im Ausland zu eröffnen - und zwar in New York. In Nürnberg scheine es derzeit lediglich ein paar Chryssi Avgi-Sympathisanten zu geben, «die bislang viel Krach machen». Auf einer Internetseite behaupten Unbekannte, sie seien Chryssi Avgi Nürnberg. Auf der offiziellen Webseite von Chryssi Avgi gibt es dagegen keinen Hinweis auf eine Nürnberger Zelle.

Griechische Gemeinde in Nürnberg hat keine Hinweise

Auch die griechische Gemeinde Nürnberg hat derzeit keine Hinweise, dass in der Stadt bereits eine Chryssi Avgi-Zelle existiert. «In Nürnberg gibt es nichts Konkretes, dass sich dort ein rechter Ableger etabliert hat», betont etwa Gemeindemitglied und SPD-Stadtrat  Theodoros Agathagelidis. «Das sind Mythen, Erzählungen, vielleicht die Wünsche von ein paar wenigen Griechen», schätzt er. Die Webseite, auf der von einer Nürnberger Zelle der Chryssi Avgi die Rede ist, hält Agathagelidis für die «unüberlegte Aktion einiger Jugendlicher in der Art von Hooligans». Für ihn ist jedenfalls klar: «Sollte so etwas entstehen, werden sich unsere Gemeinde und alle griechischen Heimatvereine denen entgegenstellen», unterstreicht er.

Auch nach Einschätzung der «Allianz gegen Rechtsextremismus», einem breit angelegten Bündnis von Neonazi-Gegnern im Großraum Nürnberg, kann von der Gründung einer Chryssi Avgi-Zelle «im derzeitigen Stadium nicht die Rede sein». Richtig sei allerdings, dass sich Vertreter der griechischen «Morgenröte»-Partei in Nürnberg mit bayerischen Neonazis getroffen habe, berichtete Doris Groß von der «Allianz»-Geschäftsstelle. Das allerdings bestreitet Chryssi Avgi. Sie pflege keine Beziehungen mit fremden politischen Organisationen, betonte sie am Dienstag auf ihrer Internetseite. Auch der bayerische Verfassungsschutz hat da andere Erfahrungen gemacht. Chryssi Avgi-Vertreter hätten wiederholt im Ausland bayerische Neonazis getroffen, betonte ein Behördensprecher.  dpa

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