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29. Mai 2010 11:28 Uhr

Landkreis Aichach

Integrierte Leitstelle: Das Sicherheitsnetz hat noch Löcher

Vor anderthalb Jahren wurde die Integrierte Leitstelle (ILS) in Augsburg in Betrieb genommen. Dadurch arbeiten die Landkreise im Notfall besser zusammen. Doch der Datenaustausch zwischen den Leitstellen funktioniert nicht. Von Nicole Simüller

Rettungsleitstelle: Noch läuft nicht alles rund
Foto: ALFA

Vor anderthalb Jahren wurde die Integrierte Leitstelle (ILS) in Augsburg in Betrieb genommen. Von dort werden seitdem über Landkreis- und Bezirksgrenzen hinweg alle Feuerwehr- und Rettungseinsätze im Großraum Augsburg koordiniert.

Mit Folgen auch für die Feuerwehren im Wittelsbacher Land. Während früher zum Beispiel die Feuerwehr Aichach mit ihrer Drehleiter zu einem Brand nach Rehling ausrückte, wird inzwischen die nähere Wehr aus Langweid (Landkreis Augsburg) angefordert.

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Diese landkreisübergreifende Kooperation wurde mit der ILS deutlich besser, doch bei der Vernetzung der Leitstellen hakt es gewaltig. Eigentlich sollte eine Leitstelle bei einem Unfall im Grenzbereich die Einsatzkräfte im Gebiet der benachbarten Stelle anfordern können. Bei Einsätzen "zwischen" den Landkreisen Aichach-Friedberg und Dachau aber muss die ILS Augsburg oder die ILS Fürstenfeldbruck die andere anrufen, damit diese die Helfer in ihrem Gebiet alarmiert.

Gerhard Orteld, Kreisbrandrat im Wittelsbacher Land, bestätigt: "Die Leitstelle Fürstenfeldbruck kann nicht mit Augsburg vernetzt werden." Der Grund: Die Computerdaten seien nicht überall so vorbereitet worden wie vom Innenministerium vorgegeben. Nun muss nachgearbeitet werden. Auch in der ILS Ingolstadt, die bei Notfällen im nordöstlichen Wittelsbacher Land ins Spiel kommt.

Schon anfangs hatte es dort Probleme gegeben, weil unter anderem Innenministerium und Landesvermessungsamt teils grob fehlerhafte Daten geliefert hatten.

Ingolstadt kann laut Orteld erst Ende des Jahres mit Augsburg vernetzt werden. Um bis dahin allzu viele telefonische Umwege zu vermeiden, würden die größeren Feuerwehren aus dem Bereich der Leitstelle Ingolstadt in die Software der ILS Augsburg eingepflegt.

Die Vernetzungsprobleme zwischen den Leitstellen bedeuteten jedoch nicht, dass eine Person in Not später Hilfe bekomme, so Orteld. "Wenn die zweite oder dritte Feuerwehr länger braucht, ist das nicht gravierend." Die Wehren am Ort würden nach wie vor sofort alarmiert. Für manche haben sich allerdings die Einsatzgebiete verändert. Welche Wehr wohin fährt, ist je nach Tag, Woche und Monat verschieden und hängt davon ab, wie viele Kräfte und welche Fahrzeuge die Wehren bereitstellen können.

Insgesamt rücken oft noch zu viele Kräfte aus. Aichachs Bürgermeister kritisierte kürzlich im Kreisausschuss die Darstellung der Geschäftsleiterin des Zweckverbandes für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung, wonach die ILS "sehr gut" funktioniere. Habermann sagte: "Die Alarmierungsschleifen sind nach wie vor nicht rund. Da werden Leute alarmiert, die nichts mit der Sache zu tun haben."

Während vor Inbetriebnahme der ILS Augsburg einfach eine Feuerwehr alarmiert wurde, werden nun nur gewisse Fahrzeuge angefordert. Ein Problem vor allem für größere Wehren, wo unter Umständen zu viele Kräfte zum Feuerwehrhaus eilen. Die Feuerwehr Aichach hat daher laut Kommandant Michael Sieber ihr internes Alarmierungssystem komplett neu ausgetüftelt und nach Einsatzgraden abgestuft.

Viele Anlaufschwierigkeiten mit der Software in Augsburg, zum Beispiel Tippfehler bei Ortsnamen oder die Anforderung falscher Fahrzeuge, wurden anhand der Fehlerberichte der Feuerwehren behoben. Die Berichte landen beim Sachgebiet für Sicherheit und Katastrophenschutz am Landratsamt in Aichach. Laut Hildegard Grimmeiß, stellvertretende Sachgebietsleiterin, kommen nur noch wenige.

Mit ihnen schwinden die Vorbehalte der Feuerwehren. "Ich habe anfangs viel geschimpft. Aber inzwischen sehe ich es schon so, dass die Vorteile überwiegen, auch wenn es noch Kinderkrankheiten gibt", sagt Michael Sieber, Aichachs Kommandant, als einer von vielen.

Klaus Hartwig, Kommandant in Pöttmes und hauptberuflich Feuerwehr-Wachabteilungsführer in München, hält die Zusammenarbeit mit der ILS sogar für "hervorragend". Mit der ILS könne jetzt schneller und besser geholfen werden. Hartwig: "Wenn das alles mal so klappt, wie es soll, ist es ideal."

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