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29. Juli 2010 19:05 Uhr

Lauingen

Junge Türkin wie eine Sklavin gehalten

Sieben Jahre lang wurde die junge Türkin aus Lauingen gefoltert und gedemütigt. Ihr Ehemann und dessen Bruder wurden nun verurteilt. Von Katharina Gaugenrieder

Gewalt.
Foto: dpa

Sieben Jahre lang wurde die junge Türkin nach den Worten von Richter Karl-Heinz Haeusler "gefoltert, misshandelt, gedemütigt, isoliert und nahezu wie eine Sklavin behandelt". Am Donnerstag wurden der 30-jährige Ehemann und der 28-jährige Schwager des Opfers zu langjährigen Haftstrafen verurteilt.

Der hauptangeklagte Ehemann muss für sechs Jahre und neun Monate ins Gefängnis, sein Bruder wurde zu vier Jahren und neun Monaten verurteilt. Der Vater der Brüder, der ebenfalls wegen mehrfacher gefährlicher Körperverletzung an seiner Schwiegertochter angeklagt war, hatte sich vor dem zweiten Verhandlungstag in die Türkei abgesetzt. Auch ihm hatte eine langjährige Haftstrafe gedroht. Gegen ihn wurde zwischenzeitlich Haftbefehl erlassen.

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Am zweiten Verhandlungstag vor dem Landgericht Augsburg wurden am Donnerstag weitere Details des unfassbaren Martyriums des heute 28-jährigen Opfers aus Lauingen (Kreis Dillingen) bekannt. Die Frau lebte in ständiger Angst vor den Misshandlungen der Familie ihres Mannes, täglich sei es zu gewalttätigen Übergriffen gekommen, erklärte der Beamte der Kripo Dillingen, der die Ermittlungen geleitet hatte, in seiner Zeugenaussage.

Eskaliert seien die Misshandlungen nach der Geburt des zweiten Kindes, einer Tochter. Als der Ehemann erfahren habe, dass es ein Mädchen wird, habe er sich nach Aussage der Frau auf ihren Bauch gesetzt, um die Schwangerschaft damit zu beenden.

Durch die zahlreichen Misshandlungen trug das Opfer nach Ansicht der Gutachterin teils irreparable Schäden davon. Auch psychisch ist die 28-Jährige bis heute schwer traumatisiert. Sie wurde, wie in der Beweisaufnahme zutage trat, von der Familie des Ehemannes systematisch gedemütigt. "Man hat ihr verboten, Deutsch zu lernen. Sie hatte nicht einmal einen Hausschlüssel, wurde ständig bewacht, durfte nicht mit Gästen sprechen", erklärte ihre Anwältin.

Beispiellose häusliche Gewalt

Bei einer Gelegenheit soll der Ehemann ihr vor dessen Mutter befohlen haben, auf einem Bein zu stehen. "Er hat sie vorgeführt wie ein Zirkustier." Einen derartigen Fall von häuslicher Gewalt habe er in seinen knapp 30 Jahren bei der Polizei noch nie erlebt, so der Beamte. Staatsanwältin Beate Schauer bezeichnete den Fall in ihrem Plädoyer als "alles andere als alltäglich. Man hat schon so das Gefühl, dass die Geschädigte drastisch gesagt zum Boxsack der gesamten Familie wurde." Auch für Richter Haeusler stand nach der Beweisaufnahme und den Geständnissen der Angeklagten fest, dass es sich hier um einen äußerst schwerwiegenden Fall von Misshandlung handelt. "Man ist schon sprachlos. Und es fällt schwer, hier ruhig und sachlich zu bleiben." Er verglich den schmächtigen Hauptangeklagten mit "Dr. Jekyll und Mr. Hyde". Denn Außenstehende hatten den Mann, der sich sogar im Elternbeirat des Kindergartens engagierte, als sympathischen, fürsorglichen Vater in Erinnerung.

Mit Tränen in den Augen entschuldigte sich der 30-Jährige gestern in seinen letzten Worten bei seiner Frau. "Ich schäme mich. Es tut mir leid. Ich bereue es jeden Tag, den ich im Knast bin. Das ist nicht wiedergutzumachen." Das Opfer lebt inzwischen zusammen mit den Kindern an einem anderen Ort in Deutschland. Katharina Gaugenrieder

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