Kabarettist Django Asül sieht schlechte Chancen für einen Regierungswechsel in Bayern.

«Die Umfragen sagen: Absolute Mehrheit für die CSU, falls die Piraten so stark bleiben. Nicht wundern, wenn der Horst (Seehofer) in der nächsten Woche mit einer Piratenklappe rumläuft», sagte Asül am Mittwochabend in einer umjubelten Rede beim jährlichen Maibockanstich im Münchner Hofbräuhaus. Aber auch Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) wurde nicht verschont: Er verstehe es, seine Ämter als Ministerpräsident und CSU-Chef scharf zu trennen - indem er in beiden Ämtern unterschiedliche Meinungen habe. «Zwei Meinungen zu einem Standpunkt, das gibt es nur bei der CSU.»
Die 630 Zuschauer im überfüllten Festsaal des Hofbräuhauses waren begeistert. Der gelernte Bankkaufmann Asül sagte, die SPD habe im vergangenen Herbst mit der Nominierung des Münchner Oberbürgermeisters Christian Ude Euphorie erzeugt. «Die SPD-Spitze war einstimmig der Meinung: Wenn wir eine Chance haben wollen, brauchen wir einen Kandidaten, den niemand mit der SPD in Verbindung bringt.»
Grünen-Fraktionschefin Margarete Bause setze hingegen auf die Energiewende: «Die Grünen hoffen auf ein rechtzeitiges Fukushima.» Und Freie-Wähler-Chef Hubert Aiwanger sei nicht nur Chef der Opposition, sondern auch «Opposition in der Opposition». «Er hält sich alle Optionen offen.» SPD-Fraktionschef Markus Rinderspacher habe die SPD als dezentrale Kraft bezeichnet. «Siehst, Rinderspacher, mit der Aussage beweist Du einmal mehr: Die wahre Heimat der SPD ist die politische Peripherie.»
Erstmals war Finanzminister Markus Söder (CSU) Gastgeber beim Maibockanstich - weil das Hofbräuhaus ein Staatsunternehmen unter Aufsicht des Finanzministeriums ist. Der patriotische Franke Söder hatte sich eigens dafür eine Lederhose gekauft, wie er vor Beginn der Veranstaltung sagte. In seiner Begrüßungsrede erinnerte Söder das Münchner Publikum daran, dass König Ludwig II. einst mit dem Gedanken spielte, die Landeshauptstadt von München nach Nürnberg zu verlegen - weil da die Bevölkerung anständiger sei.
Vor einigen Jahren lagen Söder und Asül noch über Kreuz, weil der Kabarettist den damaligen CSU-Generalsekretär auf dem Nockherberg als «Generalsekret» mit langer Schleimspur verspottet hatte. «Mit Django Asül verbindet mich eine lange Freundschaft», scherzte Söder. Zum Anzapfen des Bierfasses benötigte der Finanzminister drei Schläge.
Seehofer sagte zu Söders Rede, sie sei gelehrt gewesen - «wie eine Doktorarbeit ohne Fußnoten». «Beim Anstechen war er mit drei Schlägen im Status des Praktikanten», scherzte der Regierungschef über seinen Minister. Asül wurde von Seehofer hoch gelobt: «Der Django Asül ist der Beste - aufgrund seines ungeheuren Hintersinns und geistigen Tiefgangs. Er ist der Beste in diesem Bereich, den wir in Bayern haben.»
In der langjährigen Konkurrenz von Maibock- und Starkbieranstich auf dem Nockherberg baute der türkischstämmige Deggendorfer seinen Vorsprung aus. Der Nockherberg war heuer nach Meinung vieler Zuschauer ein Flop, Seehofer hatte das Derblecken auf dem Nockherberg als durchschnittlich bewertet. Asül dagegen - den die Paulaner-Brauerei auf dem Nockherberg nach nur einem Auftritt geschasst hatte - erntete erneut Beifallsstürme. Söder stellte nach Asüls Rede sogleich in Aussicht, dass der Vertrag mit dem Künstler für das nächste Jahr verlängert wird. dpa/lby
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