Bislang ahnte man es, jetzt ist es untersucht: Das Rauchverbot bereitet den kleinen Kneipen massive Probleme Von Till Hofmann
Augsburg Mit dem seit einem Jahr in Bayern geltenden Rauchverbot hat sich Ansgar Wahl wohl oder übel anfreunden müssen. Seither dürfen – wie überall im Freistaat – in seinem „Bierbrunnen“ in Lauingen die Gäste nicht mehr qualmen. Draußen vor der Tür ist deutlich mehr los als noch vor dem 1. August 2010. Wer rauchen will, muss dies im Freien tun. „Vorher war’s ruhiger“, spielt der Wirt der gefragten Veranstaltungsgaststätte aus dem Kreis Dillingen auf den natürlichen Konflikt zwischen mitteilungsbedürftigen Gästen und ruhebedürftigen Anwohnern an. Auch beim Umsatz macht sich das Qualmverbot bemerkbar, wenngleich der nicht dramatisch ausfällt. „Wir haben einen minimalen Rückgang.“
Sein Lokal mit einer Größe von rund 190 Quadratmetern ist offenbar für die veränderte Gesetzeslage besser gerüstet als die meist inhabergeführten kleinen Kneipen. Zu diesem Ergebnis jedenfalls kommt eine Studie, die am Montag in München vorgestellt wird. Erstmals sind in Bayern speziell die Folgen des Rauchverbots für die Kleingastronomie repräsentativ untersucht worden. Bodo Meinsen, Ideengeber der Erhebung, will konkrete Zahlen noch nicht nennen. Er spricht aber von „erschütternden Ergebnissen“. Das absolute Rauchverbot habe eine „fatale separatistische Wirkung“.
Leidtragende des jahrelangen Hickhacks seien die Kneipenwirte. „Das alles wird auf dem Rücken der kleinen Wirte ausgetragen, die alternativlos sind“, sagt Meinsen. Auf zum Teil massive Umsatzeinbußen haben nicht wenige Kneipiers mit Arbeitszeitverkürzungen, Entlassungen und Schließungen reagiert. „Es war sicher nicht im Sinne der Erfinder des Volksbegehrens, diese Gattung der Gastronomie zu zerschlagen“, meint der Verleger, der im Ehrenamt erster Vorsitzender des im Februar gegründeten Vereins „Bürger für Freiheit und Toleranz“ (BFT) ist. Mit dem Bayerischen Hotel- und Gaststättenverband und dem Verein zum Erhalt der Bayerischen Wirtshauskultur (VEBWK) hat Meinsens Verein die Untersuchung finanziell unterstützt.
Eine parlamentarische Mehrheit findet sich momentan nicht dafür, das auf einem Volksentscheid basierende Gesundheitsschutzgesetz nachzubessern, glaubt der Vorsitzende. Das hätten Politiker in Gesprächen mit ihm immer wieder betont. Die am kommenden Montag veröffentlichte Untersuchung könne aber durchaus „Türöffner sein, über Sinn und Unsinn nachzudenken“.
Sebastian Frankenberger, Initiator des strikten Nichtraucherschutzes im Freistaat und inzwischen Bundesvorsitzender der ÖDP, ist überzeugt davon, dass sich das Verbot „größtenteils eingespielt“ hat. Es gibt nach seiner Beobachtung nur wenige schwarze Schafe, die sich nicht an die Vorgaben hielten.
Der VEBWK-Landeschef und Wirt Franz Bergmüller hält das Gesetz nach wie vor für überflüssig und für „einen Blödsinn“ und will auch das Verbot der Raucherklubs höchstrichterlich klären lassen.
Dass es auch vor einem Jahr genügend Lokale gegeben habe, in denen beispielsweise auf Familien Rücksicht genommen und nicht geraucht wurde, betont der Hotel- und Gaststättenverband. „Bereits vor der Neuregelung waren 80 Prozent in der Gastronomie rauchfrei“, sagt der Sprecher des 12000 Mitglieder zählenden Verbandes, Frank-Ulrich John. Er sieht nach der Umsetzung des Rauchverbots weitere Diskussionen auf die Wirte zukommen: Die Verlängerung der Sperrzeiten und ein ausgeweitetes Verkaufsverbot alkoholischer Getränke nennt er als Beispiele. „Kommt dann die Vorgabe, nur noch bestimmte Fettsäuren bei der Zubereitung der Speisen verwenden zu dürfen?“, fragt John und fordert „mehr unternehmerische Freiheit“. Der Staat müsse nicht „bis ins Letzte rein regieren“, sonst bleibe vom „mündigen Gast“ nicht viel übrig.
„Bierbrunnen“-Betreiber Ansgar Wahl kann es sich nach eigenen Worten nicht leisten, im Laufe eines geselligen Abends im Wirtshaus plötzlich die Aschenbecher auf die Tische zu stellen und damit den meisten Besuchern einen Riesengefallen zu tun. „Dazu bin ich zu groß, dazu habe ich zu viele Neider“, sagt er und fürchtet bei Verstößen Anzeigen. Er weiß aber von Kollegen, die sich nicht ans Gesetz halten. Für diese „Strategie“ hat er Verständnis. Für manche Kneipiers sei die Nichtbeachtung der Gesetzeslage zum letzten Mittel im „Kampf ums Überleben“ geworden.
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