Montag, 28. Juli 2014

20. März 2014 12:28 Uhr

Hochwasser in Schwaben

Katastrophenalarm im Kreis Günzburg - Erste Häuser ohne Strom

Starker Regen hat am Montag in der Region zu schweren Überschwemmungen geführt. Im Landkreis Günzburg wurde der Katastrophenfall ausgerufen. 600 Helfer sind dort im Einsatz. Von Stefan Drescher, Janina Funk und Sascha Borowski

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Nach heftigen Regenfällen kämpfen Rettungskräfte und Helfer am Montagabend in Schwaben weiter mit den unerwarteten Wassermassen. Besonders betroffen ist die Region westlich von Augsburg. Im Landkreis Günzburg wurde am frühen Abend der Katastrophenfall ausgerufen. Das Schadensereignis habe ein Ausmaß angenommen, das ein koordiniertes und einheitlich geführtes Zusammenwirken aller an der Gefahrenabwehr beteiligten Stellen erfordert, teilte Landrat Hubert Hafner mit. In Krumbach waren mehrere Straßen überflutet.

Die A8 musste um 18 Uhr zwischen den Anschlusstellen Zusmarshausen und Burgau wegen Überflutung komplett gesperrt werden. Erst ab 22.30 Uhr war wieder eine Spur befahrbar. Laut Autobahnpolizei Günzburg staute sich der Verkehr in Fahrtrichtung Stuttgart bis zu 20 Kilometer lang. Die Spur Richtung München war nicht beeinträchtigt.

Kritische Lage an Mindel, Kammel und Günz

Kritisch ist die Lage vor allem an den Flüssen Mindel, Kammel und Günz. Dort sollte das Wasser bis Mitternacht weiter steigen. "Vielerorts werden höhere Pegel erreicht werden, als vergangenens Wochenende", so ein Sprecher des Landratsamtes.

Besonders betroffen waren bereits am Nachmittag Ober- und Unterwiesenbach und Waldstetten - in Unterwiesenbach musste am Abend sogar in Teilen des Ortes der Strom abgestellt werden. In Burgau drohte die Überschwemmung der Heimstättensiedlung mit etwa 1000 Einwohnern durch die Mindel. Die Anwohner wurden über Lautsprecherdurchsagen gewarnt. Ebenfalls angespannt war die Lage in Kötz und Bubesheim.

Insgesamt waren im Landkreis Günzburg gegen 23 Uhr mehr als 620 Kräfte im Einsatz. Kontaktpersonen von THW, Polizei und Bundeswehr befinden sich im Landratsamt, um im schlimmsten Fall möglichst schnell reagieren zu können. "Im südlichen Landkreis kämpfen die Einsatzkräfte derzeit mit schwerem Gerät gegen ein Überlaufen und Dammbrechen des Rückhaltesees Schwarzbach, sowie in Deisenhausen gegen überlaufende Fischweiher, welche Keller zu überfluten drohen", hieß es.

Tal bei Zusmarshausen verwandelt sich in Seenlandschaft

In der Nacht auf Montag waren im nördlichen Schwaben örtlich über 80 Liter pro Quadratmeter innerhalb von 24 Stunden niedergegangen. Vielerorts traten Bäche und kleinere Flüsse über die Ufer. Im Nord-Westen von Augsburg bereitete vor allem die Laugna Sorgen. Schwerpunkte waren die Bereiche um Emersacker und Welden. Am Eisweiher in Emersacker (Landkreis Augsburg) drohte während des Vormittags ein Damm zu brechen, die Sandsäcke wurden knapp. Etwas weiter nördlich in der Gemeinde Laugna wurden Straßen und Keller überflutet.

 

Bei Zusmarshausen (Landkreis Augsburg) verwandelte sich das Tal zwischen Auerbach und Streitheim in eine Seenlandschaft. Der sonst ein Meter breite Lohbach zwischen den beiden Orten dehnte sich auf bis zu 100 Meter Breite aus und staute sich in Auerbach an der B10 bis zu drei Meter hoch. In Auerbach, Adelsried und Zusmarshausen liefen einige Keller voll. In Neusäß drohte ein Haus einzustürzen, es musste von den Einsatzkräften gesichert werden. Im Landkreis Dillingen waren vor allem die Orte Schwennenbach und Oberglauheim betroffen. Im Landkreis Donau-Ries kämpften Rettungskräfte in Kaisheim und Umgebung mit den Wassermassen.

Rettungskräfte aus Augsburg helfen mit

Mitglieder der Feuerwehren waren vielerorts ab Mitternacht nahezu pausenlos im Einsatz - und verhinderten oft das Schlimmste. Unterstützung erhielten sie von der Berufsfeuerwehr und dem THW Augsburg. In Emersacker etwa verbauten sie 1000 Sandsäcken und leiteten das Wasser um. Von der Integrierten Leitstelle Augsburg wurde von Sonntagabend bis Montagnachmittag rund 190 Feuerwehreinsätze disponiert und abgearbeitet.

Weiterer Regen erwartet - Pegel an Donau und Iller steigen

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) erwartet für den Abend jedoch in einem Streifen vom Bodenseeraum und Allgäu nordostwärts über Schwaben und Mittelfranken bis nach Oberfranken und die Oberpfalz erneut schauerartigen Regen, vereinzelt auch mit Gewittern. Regenmengen im Unwetterbereich seien noch im Bodenseeraum, im Allgäu und in Oberschwaben zu erwarten, "hier können gebietsweise noch über 30 Liter pro Quadratmeter fallen, in Staulagen des Oberallgäus auch über 40 Liter", so die Meteorologen.

Das Wasserwirtschaftsamt Donauwörth warnt bereits davor, dass die Pegelstände an Iller und Donau wieder ansteigen. Die Spitze wird in Dillingen am Dienstagmorgen gegen 7 Uhr erwartet. An der Donau droht in Nordschwaben erneut ein Hochwasser. Dieses könnte so hoch wie vorige Woche werden, teilte Timo Krohn vom Wasserwirtschaftsamt Donauwörth mit. Grund dafür seien massive Regenfälle im südlichen Einzugsbereich des Flusses. „Alles, was an Regen runterkommt, fließt wegen des nassen Bodens sofort in die Bäche und Flüsse“, so Krohn.

A8 teilweise überflutet

Auch auf den Verkehr in der Region hatte das Unwetter Auswirkungen. So musste die A8 und die Anschlussstelle Adelsried bereits am Morgen teilweise gesperrt werden. Bei Adelsried, Augsburg-West und Zusmarshausen stand zeitweise die Fahrbahn unter Wasser.

Im Landkreis Augsburg zwischen Emersacker und Bocksberg musste die Staatsstraße 2036 gesperrt werden, ebenso die Kreisstraße DLG 36 bei Höchstädt ‎(Landkreis Dillingen) zwischen den Ortsteilen Oberglauheim und Schwennenbach.

Auch in Kaisheim (Landkreis Donau-Ries) mussten einige Straßen gesperrt werden. Dort wurden die Hauptstraße auf Höhe der Justizvollzugsanstalt und die Unterführung in der B-2-Anschlussstelle Kaisheim Süd überschwemmt.

Info: Landkreis Günzburg informiert im Internet weiter

Der Landkreis Günzburg informiert auf seiner Internetseite weiter über die Lage. Die aktuellen Warnungen werden dort als pdf-Dokument eingestellt, um sie lesen zu können ist also das Programm Adobe Acrobat Reader notwendig.

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