Dort, wo sie ungestört sind, kommen die Wölfe allmählich zurück - sogar auf einem Truppenübungsplatz. Nur in Bayern lässt sich seit Jahren kein wilder Wolf mehr blicken. Von Manuela Mayr

Von Manuela Mayr, Augsburg
Dort, wo sie ungestört sind, kommen die Wölfe allmählich zurück. In der Oberlausitz im östlichen Sachsen, auf einem Truppenübungsplatz in Sachsen-Anhalt, in Mecklenburg, Niedersachsen und im Reinhardswald in Nordhessen haben sie sich wieder eingelebt. Nur in Bayern lässt sich seit Jahren kein wilder Wolf mehr blicken.
Der letzte, ein Einwanderer aus Italien, kam 2006 bei Starnberg ums Leben - überfahren von einem Auto. Der vorletzte starb 2004 bei Passau - erschossen von einem Jäger. Dasselbe Schicksal ereilte wie berichtet am vorigen Wochenende einen weiteren Artgenossen bei einer Jagd im Raum Tuchheim in Sachsen-Anhalt. Tierschützer sind entsetzt, die Polizei ermittelt.
"Es wird viel gewildert", bedauert der Tierarzt Peter Blanché aus Großinzemoos (Kreis Dachau). Das sei wohl auch der Grund, dass in letzter Zeit keines der in ganz Europa streng geschützten Tiere mehr nach Bayern durchgekommen ist - etwa aus Polen oder der Slowakei, wo es jeweils Populationen mit einigen Hundert Tieren gebe. Jungwölfe auf Reviersuche hatten in der Vergangenheit den Weg in den Böhmerwald gefunden und von dort vereinzelt auch in den benachbarten Bayerischen Wald.
Nur im Nationalpark lebt ein Rudel im Gehege
Als Vorstand der "Gesellschaft zum Schutz der Wölfe" ist Blanché stets auf dem Laufenden, wenn es um Wölfe geht. Ebenso Rainer Pöhlmann von der Verwaltung des Nationalparks Bayerischer Wald, der in einem Gehege immerhin einem Rudel von acht bis zehn Tieren eine Heimat gibt. Doch beide sagen übereinstimmend: Es gibt zurzeit keinerlei Hinweise auf ein Vorkommen wilder Wölfe in Bayern.
Vielleicht sei es ja besser für sie, wenn sie sich noch eine Weile zurückhalten mit der Einwanderung, meint Pöhlmann. Die "panische Angst und Unkenntnis" der Bevölkerung ist ihm aus dem Jahr 2002 noch in unguter Erinnerung. Damals waren drei Jungwölfe aus dem Nationalpark ausgebüxt. Zwei, die sich nicht wieder einfangen ließen, mussten schließlich erschossen werden, um die Gemüter zu beruhigen.
Dabei sei in den letzten 30 Jahren in ganz Europa kein einziger Mensch durch die scheuen Tiere verletzt worden, sagt Blanché. Selbst wehrlose Schafe könnten mit Zäunen und speziellen Hunden, die mit der Herde leben, geschützt werden. Als Beute greife sich der Wolf die Tiere heraus, die kaum Aufwand machen, nämlich schwache, kranke und alte. Deshalb sei er auch für den Jäger kein ernsthafter Konkurrent.
In Gebieten wie der Lausitz setzten sich solche Erkenntnisse langsam durch. Obwohl dort seit Jahren Wölfe leben, hat kaum jemand je einen gesehen. "Das ist das Beste, was ihm passieren kann: Dass es normal ist, dass es ihn gibt", sagt Blanché.
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