Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) will die Verbreitung von Killerspielen eindämmen. Er auch eine Idee, wie das gelingen könnte. Von Uli Bachmeier Von Uli Bachmeier

München Seit dem Amoklauf von Winnenden ist die Debatte über gewaltverherrlichende Computer-Spiele neu entbrannt. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) will ihre Verbreitung eindämmen und hat auch eine Idee, wie das gelingen könnte.
Das bayerische Kabinett hat am Dienstag lange über Killerspiele und ihre Wirkung auf Jugendliche diskutiert. Mit welchem Ergebnis?
Herrmann: Wir hatten zwei Professoren zu Gast: den renommierten Kriminologen Christian Pfeiffer und den Präsidenten der Bayerischen Landesmedienanstalt Wolf-Dieter Ring. Sie haben sehr eindrucksvoll und auch anhand von Beispielen dargestellt, warum die Unabhängige Selbstkontrolle (USK) der Computer-Spiele-Hersteller völlig unzureichend ist.
Warum ist das so?
Herrmann: Von der USK werden Spiele mit Altersbegrenzung - zum Beispiel ab 18 Jahre - freigegeben, die weit in den Bereich der Gewaltverherrlichung gehen. Sobald eine solche Freigabe erteilt ist, sind der staatlichen Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien die Hände gebunden. Sie kann das Computerspiel nicht mehr verbieten. So regelt es das Jugendschutzgesetz. Das ist eine absurde Situation - dass dem Staat die Möglichkeit zu einer eigenen, unabhängigen Prüfung von Rechts wegen genommen ist. Deshalb fordere ich erstens, dass die USK ihre Beurteilungspraxis schleunigst ändert. Zweitens, dass die Jugendschutzbehörden der Länder sich künftig häufiger quer legen. Und drittens, das Jugendschutzgesetz so zu ändern, dass die Bundesprüfstelle unabhängig davon tätig werden kann.
Aber Gewaltverherrlichung ist doch strafbar. Gibt es da nicht andere Möglichkeiten?
Herrmann: Das ist das nächste Problem: Sobald die Freigabe durch die USK erteilt ist, können sich Hersteller und Vertreiber solcher Machwerke genau darauf berufen und auch strafrechtlich nicht mehr belangt werden.
Sie haben das Thema nach dem Amoklauf von Winnenden wieder auf die Tagesordnung gesetzt. Die Frage ist aber doch, ob es überhaupt einen Zusammenhang zwischen Killerspielen und solch schlimmen Ereignissen gibt.
Herrmann: Selbstverständlich ist klar, dass jemand nicht alleine durch Killerspiele zum Amokläufer wird. Aber wir wissen, dass Killerspiele dazu beitragen können, dass jemand in psychischen Ausnahmesituationen so etwas nachahmt. Dieser Zusammenhang gilt im Übrigen nicht nur für Amokläufe, sondern auch für weniger gravierende Gewalttaten. Das lässt sich an zahllosen Beispielen belegen.
Vorbilder für Gewalttätigkeit gibt es aber auch im Fernsehen.
Herrmann: Das ist richtig, aber es ist von der psychologischen Wirkung her ein erheblicher Unterschied, ob jemand im Fernsehen den Tatort oder einen Sylvester-Stallone-Film ansieht oder ob er am Computer als "Ego-Shooter" in die Rolle des Killers schlüpft und aktiv die Taste zum Töten betätigt. Außerdem ist die Studie von Professor Pfeiffer noch in einem anderen Punkt eindeutig: Je länger ein Jugendlicher solches Zeug spielt, umso schlechter werden seine schulischen Leistungen. Das zeigt sich besonders bei männlichen Jugendlichen.
In der Vergangenheit wurde in der Debatte häufig angeführt, dass Verbote der Medienindustrie schaden.
Herrmann: Ich bin kein Feind von Computerspielen. Aber meiner Ansicht nach dürfen wirtschaftliche Interessen nicht über allem stehen. Außerdem bin ich überzeugt, dass ein Verbot nicht zwingend zu Umsatzeinbrüchen führt. Die Industrie ist kreativ genug, andere attraktive Computerspiele zu entwickeln.
Sieht das auch die FDP im bayerischen Kabinett so?
Herrmann: Die Vorträge der beiden Professoren waren, wie gesagt, sehr eindrucksvoll. Ich hoffe sehr, dass sich angesichts der dramatischen gesellschaftlichen Entwicklungen auch die Kollegen der FDP nicht verweigern werden. Wir werden darüber kommenden Dienstag noch einmal diskutieren und dann entscheiden.
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