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14. April 2010 19:22 Uhr

Bayern

Komasaufen: Immer mehr Jugendliche im Krankenhaus

Immer mehr Jugendliche in Bayern landen mit einer Alkoholvergiftung im Krankenhaus. Seit 2006 ist die Zahl um ein Viertel gestiegen. Ein Trend, den die Experten vor Ort bestätigen. Von Till Hofmann

Komasaufen
Foto: DPA

Die Zahl klingt beängstigend: Mehr als 1300 Jugendliche zwischen zehn und 19 Jahren wurden im Jahr 2009 in Bayern wegen einer akuten Alkoholvergiftung ins Krankenhaus eingeliefert.

Und diese Zahl bezieht sich nur auf die Versicherten der Ersatzkassen. Die Alkoholvergiftungen unter Jugendlichen stiegen damit gegenüber dem Jahr 2006 um rund 24 Prozent, teilt die Techniker Krankenkasse (TK) mit. Auch die Kosten für die Behandlung sind entsprechend geklettert auf 700.000 Euro im vergangenen Jahr.

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Was die Krankenkasse für Bayern aufgelistet hat, bestätigen die Experten vor Ort. "Es ist ein Problem, das zunimmt und das immer mehr Kinder und Jugendliche erfasst", sagt Christine Hagen, Abteilungsleiterin für soziale Angelegenheiten im Landratsamt Augsburg. Der Landkreis will auf die bedenkliche Entwicklung mit einem umfassenden Konzept reagieren.

Agieren und reagieren gehören zur Strategie. Die Behörden wollen nicht länger zusehen, sondern auf die Betroffenen zugehen. So soll künftig ein Sozialpädagoge junge Menschen, die mit einer Alkoholvergiftung in der Klinik liegen, besuchen. Kinder und Jugendliche und deren Eltern sind mögliche Ansprechpartner mit dem Ziel, sich nicht mehr bis zur Besinnungslosigkeit zu betrinken. Das ist einer der Bausteine im Kampf gegen den Alkoholmissbrauch.

Dr. Jörg Lüthi, Oberarzt in der Kinder- und Jugendpsychiatrie des Augsburger Josefinums, weist darauf hin, dass es neurobiologisch ein großer Unterschied sei, ob das Zellgift Alkohol bei einem 26-Jährigen oder bei einem 15-Jährigen seine Wirkung entfaltet. Die Gehirnentwicklung werde bei dem Jugendlichen stärker beeinträchtigt.

Die Notaufnahme des Augsburger Klinikums kann nach den Worten von Chefarzt Dr. Markus Wehler die von der TK genannte Steigerung nicht bestätigen. Die Zahlen von 2008 und 2009 liegen nahezu gleich hoch. Bundesweit sei festzustellen, dass die Mädchen - was die Zahl schwerer Alkoholvergiftungen anbelangt - gleichgezogen haben mit den Jungs. "Das ist bundesweit so. Salopp könnte man sagen: Die Gleichberechtigung schreitet auch in diesem Bereich voran."

Der Chefarzt gibt außerdem zu bedenken, dass es aus medizinischer Sicht ein "Riesenunterschied" ist, ob ein Jugendlicher das erste und einzige Mal in ein Krankenhaus mit deutlich zu viel Alkohol im Blut eingeliefert wird oder ob man es mit einem kleinen Kreis von jugendlichen Trinkern zu tun hat, die "jeden zweiten Samstag in die Notaufnahme gebracht werden".

Zwei Jugendliche werden im Durchschnitt im Monat in den Wertachkliniken in Bobingen und Schwabmünchen (Kreis Augsburg) wegen einer Alkoholvergiftung stationär aufgenommen. Zwei zu viel, findet Klinikvorstand Katja Bittner und unterstützt an den beiden Klinikstandorten ein Präventionsprojekt für die sechsten Klassen der Haupt- und Realschulen.

Experten kommen an die Schulen und erklären - ohne erhobenen Zeigefinger -, wie schädlich Alkohol ist. Bittner selbst stimmt auch das Verhalten mancher Eltern bedenklich, die ihren schwer betrunkenen Nachwuchs nach einem Aufenthalt aus der Klinik abholen. Immer wieder habe sie mitbekommen, "wie Eltern das abtun und verharmlosen".

Mit anderen Dimensionen hat die Drogenbeauftragte der Bundesregierung zu tun. Die Zahl der Jugendlichen (zehn bis 20 Jahre), die bundesweit wegen ihres Alkoholkonsums stationär behandelt wurden, lag im Jahr 2006 bei 19 500. Ein Jahr später waren es 23 165 junge Menschen. Und 2008 ging's mit 25 700 Fällen nochmals nach oben. Till Hofmann

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