Man kann dem neuen Bischof von Augsburg, Konrad Zdarsa, das Mitgefühl nicht versagen. Ein Kommentar von Markus Günther

Man kann dem neuen Bischof von Augsburg das Mitgefühl nicht versagen: Konrad Zdarsa steht vor einer fast übermenschlichen Aufgabe. Er findet ein Bistum vor, das in einem verheerenden Zustand ist.
Die turbulenten Jahre unter Walter Mixa haben tiefe Gräben hinterlassen. Die verlaufen zwischen Linken und Rechten, zwischen Mixa-Gegnern und Mixa-Verteidigern, aber auch zwischen Entmutigten und Eiferern, zwischen denen, die längst weggelaufen sind, und denen, die verlangen, dass jetzt ganz schnell alles anders wird. Das, was Kirche im positiven Sinne ausmacht, das Gemeinschaftsgefühl, die Demut, das stille Wirken für andere, die gesellschaftliche Verantwortung und die Spiritualität, das alles hat in den letzten Jahren - und in den letzten Monaten zumal - großen Schaden genommen. Wie soll ein neuer Bischof aus diesem Scherbenhaufen wieder etwas Gutes machen?
Vielleicht ist diese Sichtweise aber auch zu pessimistisch und das in einem doppelten Sinne. Denn zum einen wird womöglich unterschätzt, wie stark auch die lebendigen Kräfte in diesem wahrlich gebeutelten Bistum noch sind, wie viel intaktes Kirchenleben es jenseits des lauten Streits noch gibt. Und zum anderen bringt der neue Bischof eine wichtige Erfahrung mit: Er kommt aus dem, was Katholiken Diaspora nennen, also aus einer gedanklichen und gesellschaftlichen Welt, in der gelebter Glaube keine Selbstverständlichkeit ist, sondern, im Gegenteil, die Ausnahme, die sich in einem ablehnenden Klima behaupten muss. Kirche unter schwierigen Bedingungen, Kirche in Not, Kirche im Gegenwind - wer kennt das besser als der ostdeutsche Katholik Konrad Zdarsa?!
Ob das bei den Überlegungen des Papstes eine Rolle gespielt hat, ist nicht bekannt. Es ist schwer - und im Übrigen der Sache auch nicht dienlich -, wissen zu wollen, warum der Papst sich gerade für diesen Bischof entschieden hat. Es wäre falsch, Zdarsa nun gleich wieder mit einem jener Etiketten zu versehen, die in den innerkirchlichen Auseinandersetzungen so beliebt sind, aber das Kirchenleben so sehr belasten. Die Gläubigen wird ohnehin weniger interessieren, ob man Zdarsa linken oder rechten Kreisen zuordnen kann. Sie wünschen sich einen Bischof, der gerade diese gedanklichen Barrieren überwindet - durch Beispiel und Ermutigung, durch unaufdringlich gelebte Frömmigkeit, durch persönliche Integrität und Ausgleich, aber auch durch ein klares, vom Zeitgeist unbeirrtes Zeugnis des Glaubens.
Das ist viel verlangt. Der neue Bischof steht vor einer Herkulesaufgabe. Doch kann er auf Sympathie, Vertrauen und Unterstützung der vielen zählen, die lange auf diesen Neuanfang gewartet haben.
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