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Rinderexperte: Kuh Yvonne: Fangversuche machen das Rind schlauer

Rinderexperte

Kuh Yvonne: Fangversuche machen das Rind schlauer

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    Heilige Kuh: "Yvonne ist eine Zeitreisende, gekommen uns zu warnen!! Wenn ihr sie tötet sterben wir alle", verkündet dieses Plakat in einem Waldstück bei Zangberg, in das sich die ausgebüxte Kuh geflüchtet hat. Foto: Tobias Hase, dpa
    Heilige Kuh: "Yvonne ist eine Zeitreisende, gekommen uns zu warnen!! Wenn ihr sie tötet sterben wir alle", verkündet dieses Plakat in einem Waldstück bei Zangberg, in das sich die ausgebüxte Kuh geflüchtet hat. Foto: Tobias Hase, dpa

    Nicht einmal ein brauchbares Foto von Yvonne ist zuletzt gelungen: Die verwilderte Kuh im Wald bei Mühldorf wird immer scheuer. Die Fangversuche tragen dazu bei, sagt der Zoologe und Tierarzt, Professor Hans Hinrich Sambraus.

    Kuh Yvonne ist das Sommerloch-Thema

    Jeder gescheiterte Fangversuch macht die Kuh Yvonne nach Einschätzung des Zoologen und Tierarztes, Professor Hans Hinrich Sambraus, noch scheuer. "Tiere, die dem Menschen entkommen, verwildern sehr schnell", sagte Sambraus der Nachrichtenagentur dpa. "Vor allem, wenn Versuche gemacht werden, sie einzufangen, und diese Versuche misslingen, merkt die Kuh sehr schnell, was der Mensch will - und das will die Kuh nicht." Gerade fremden Menschen gegenüber sei sie sehr misstrauisch - bessere Chancen hätten möglicherweise ihr früherer Bauer oder ein Melker gehabt, die sie gut kannten. "Gegenüber fremden Personen haben entlaufene Tiere von vorneherein ein gewisses Misstrauen. Das wird größer, wenn sie gejagt und gescheucht werden."

    Ochse Ernst schaffte es bisher nicht

    Die Kuh Yvonne, die am 24. Mai ausgebüxt ist und seitdem bei Zangberg im Landkreis Mühldorf am Inn im Wald lebt, könnte zudem zu den besonders scheuen und möglicherweise auch aggressiven Rindern zählen, sagte der pensionierte Professor für Tierhaltung und Verhaltenskunde, der sich Jahrzehnte mit Rindern befasst hat. "Ich gehe davon aus, dass ein Prozent der Kühe gegenüber dem Menschen aggressiv werden kann - ich habe selbst einige Male weglaufen müssen", sagte Sambraus. "Yvonne ist jedenfalls sehr misstrauisch." Deshalb sollte sie bei der Einfangaktion vorsichtshalber betäubt werden. Alle Fleckvieh-Rinder sehen äußerlich einander ähnlich. "Trotzdem gibt es große individuelle Unterschiede zwischen den Tieren."

    Im Normalfall werde ein ausgebüxtes Rind nach einigen vergeblichen Fangversuchen abgeschossen. "Der Punkt wäre für mich schon längst erreicht", sagte Sambraus. "Aber es ist nun mal die Entscheidung von Aiderbichl, dass sie die Kuh haben wollen. Sie ist entkommen, und das soll belohnt werden."

    Landkreis Mühldorf am Inn sucht die Kuh

    Sambraus warnte vor der Gefahr eines schweren Unfalls mit der Kuh, sollte sie doch auf die Straße laufen. Derartige Unfälle hätten weit schwerere Folgen als mit heimischen Wild. Eine Kuh wiege rund 600 Kilogramm, ein Reh hingegen etwa 30 Kilogramm.

    Eine geeignete Methode, Yvonne doch noch zu fangen, könnte der Bau eines weiten, hohen und kräftigen Krals sein, in dem ein anderes Rind angebunden werde, um sie anzulocken. "Rinder sind soziale Wesen. Wenn sie einzeln leben, sind sie sehr verunsichert. Sie suchen den Sozialkontakt. Den Ansatz mit einem Artgenossen halte ich schon für richtig." Einzelgänger würden höchsten ältere männliche Tiere - nicht aber jüngere weibliche Tiere wie Yvonne.

    Yvonne einfach zu schlau?

    Den Plan der Aiderbichler, Yvonnes Stierkalb, den mittlerweile ausgewachsenen Mastochsen Friesi, heranzuschaffen, hält Sambraus für möglicherweise aussichtsreich. Wenn der Ochse zwei Jahre mit ihr auf der Weide gestanden habe, sei es sogar wahrscheinlich, dass sie ihn noch erkenne. Bei frei auf der Weide lebenden Rindern gebe es oft enge Kontakte zwischen einzelnen Tieren, die auf Verwandtschaft basierten.

    Sollte das Fangen von Yvonne je gelingen, sei die Wiedereingliederung in eine Herde wahrscheinlich möglich. "Wenn die Kuh sich einfangen lässt, ist es denkbar, dass sie sich wieder an die Gefangenschaftshaltung gewöhnt."

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