Sonntag, 19. Mai 2013

28. Mai 2012 19:28 Uhr

Pfingsttreffen

Kursschwenk bei den Sudetendeutschen: Kooperation statt Kraftmeierei

Markige Worte und Attacken gehörten jahrzehntelang zur Tradition des Sudetendeutschen Pfingsttreffens. Inzwischen beschränken sich die Vertreter auf gezielte Seitenhiebe gegen Prag.

Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer spricht auf dem 63. Sudetendeutschen Tag in Nürnberg.
Foto: dpa

Diplomatie war nie ihre Sache. So sparten die Funktionäre der Sudetendeutschen Landsmannschaft ebenso wie der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) auch in diesem Jahr beim Pfingsttreffen in Nürnberg nicht mit gezielten Seitenhieben in Richtung Prag. Die Kritik an der tschechischen Regierung gehört zur unverzichtbaren Tradition jedes Sudetendeutschen Tags, wollen die Redner die Erwartungen der zumeist älteren Zuhörer nicht enttäuschen. Lange genug waren sie die markigen Worte des früheren bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber (CSU) gewohnt.

So gemäßigt wie in diesem Jahr fielen die Attacken gegen die tschechische Regierung aber noch nie aus. Nach den beiden Seehofer-Besuchen in Prag und der wachsenden Öffnung tschechischer Verbände und Parteien gegenüber den Anliegen der Heimatvertriebenen setzen die Spitzenfunktionäre zunehmend auf Kooperation statt auf verbale Kraftmeierei.

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«Es geht nicht um Forderungen, sondern um harte Arbeit. Wir müssen in unserer alten Heimat durch Taten überzeugen», formulierte der oberste Repräsentant der Sudetendeutsche Volksgruppe, Bernd Posselt. Nur so, hofft der CSU-Europaabgeordnete, schaffe sich die Landsmannschaft breite Akzeptanz in der tschechischen Gesellschaft. Mit der, so sein Kalkül, lasse sich dann in Tschechien auch politisch mehr bewegen. Sein Ziel sind die bislang verweigerten offiziellen Gespräche mit der Prager Regierung und deren uneingeschränktes Schuldeingeständnis in Sachen Vertreibung.

Mit Posselt und dem Bundesvorsitzenden Franz Pany hatten die Sudetendeutschen vor vier Jahren einen einschneidenden Generationswechsel vollzogen. Seitdem bemüht sich Posselt darum, die Sudetendeutschen vom Verdacht des Revanchismus zu befreien und sie als «Brückenbauer zwischen Ost und West» und als eine Art europäische Menschenrechtsbewegung zu etablieren.

Posselt weiß, dass nur auf dieser Basis langfristig das Überleben des Vertriebenenverbandes zu sichern ist. Denn um zu erfahren, wie es um die Zukunft der Sudetendeutschen bestellt ist, muss man nur den Sudetendeutschen Tag besuchen. Die Besucher der Hauptkundgebung sind im Schnitt weit über 70. Die Generation, die noch Flucht und Vertreibung am eigenen Leibe erlebt hat, stirbt langsam aus.

Trotzdem, so beteuert Posselt, sei ihm um die Zukunft der Sudetendeutschen nicht bange. Vor allem in der Enkelgeneration gebe es inzwischen viele, die nach ihren Wurzel suchten - und so zu den Heimatvereinen fänden. Dabei setzen die Sudetendeutschen inzwischen auch auf Facebook. In der Sudetendeutschen Jugend versucht der Verband, die Nachfahren der Vertriebenen mit attraktiven Tschechien-Reisen bei der Stange zu halten.

Mit der von der CSU unterstützten Forderung nach einer Entschädigung deutscher Zwangsarbeiter begeben sich die Sudetendeutsche allerdings auf vermintes Gelände. Was noch vor gut zehn Jahren selbst für Vertriebenenpolitiker tabu war, versuchen nun die Sudetendeutschen in die politische Debatte einzubringen - und das, obwohl sie wissen, dass selbst die schwarz-gelbe Bundesregierung das Thema ablehnt.

Der frühere Außenminister Joschka Fischer (Grüne) hatte die damalige Forderung der Unionsparteien im Jahr 2002 entschieden zurückgewiesen: Die Deutschen müssten «von Sinnen sein», solche Forderungen als ernsthafte Politik zu betrachten.

Kritiker warnen davor, das nach dem Zweiten Weltkrieg an Deutsche begangenen Unrecht mit dem der Nazis auf eine Stufe zu stellen und damit womöglich zu verschleiern, dass allein Deutschland Europa ins Unglück gestürzt hat. Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) hatte sich im vergangenen Sommer laut «Bild»-Zeitung auf den Standpunkt gestellt, deutsche Zwangsarbeit im Ausland gelte als Massenschicksal, das nicht entschädigt werden könne.

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