Samstag, 22. November 2014

27. August 2008 18:40 Uhr

Ahnenforschung in Augsburg

Londons OB entdeckt berühmte Verwandtschaft

Eigentlich hatte Londons neuer Bürgermeister Boris Johnson nur ein bisschen in seiner Familiengeschichte stöbern wollen. Ein TV-Team der BBC begleitete ihn nach Augsburg - und dann wurde es vogelwild. Im Archiv des Bistums Augsburg machte Boris Johnson eine bedeutende Entdeckung. Von Lea Thies Von Lea Thies,

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Von Lea Thies, Augsburg

Damit hat nicht einmal der bunte Hund der britischen Tory-Partei gerechnet. Eigentlich hatte Londons neuer Bürgermeister Boris Johnson ja nur ein bisschen in seiner Familiengeschichte stöbern wollen, was es zum Beispiel mit dem "de Pfeffel Silber" seiner Großmutter Irene Johnson auf sich hat.

Der britische Fernsehsender BBC begleitete ihn also zu einem Tipp der Münchner Ahnenforscherin Sabine Schleichert nach Augsburg und drehte eine Folge für die Serie "Who do you think you are" (Übersetzt: Wer denkst Du, wer Du bist?) - und dann wurde es vogelwild. Denn im Archiv des Bistums Augsburg machte Boris Johnson eine bedeutende Entdeckung. Er hat äußerst berühmte Verwandte. Und bei dieser Entdeckung konnte ganz England im Fernsehen zuschauen.

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Vor über 170 Jahren, am 16. Februar 1836, heiratete in der bischöflichen Hauskapelle in Augsburg die im fünften Monat schwangere Adelheid Pauline Karoline von Rottenburg den Freiherrn von Pfeffel, Karl Maximilian - es sind die Urururgroßeltern von Boris Johnson.

Die Umstände dieser Hochzeit sind recht mysteriös. Die Eheleute lebten damals nicht in Augsburg und verschwanden auch sofort nach der Hochzeit wieder aus der Stadt.

Die Trauung musste scheinbar sehr schnell und ohne großes Aufsehen über die Bühne gehen. Der Bürgermeister stellte ad hoc eine weltliche Trauungslizenz aus, und die späteren Eheleute leisteten einen Freiheitseid - so mussten sie keine Belege vorlegen, dass sie ledig sind. Auf Seite 43 des Trauungsbuches der Pfarrei St. Moritz steht, dass der damalige Bischof Unterlagen zu den Eheleuten zurückgehalten hat.

"Warum?" - das fragte sich Boris Johnson. Auf diese Frage allerdings fand er keine klare Antwort. Die Vermutung: Karoline von Rottenburg war nicht von Freiherr von Pfeffel schwanger, und die Trauung wurde arrangiert, um dem Kind einen Vater zu verschaffen. Nur eine einflussreiche, hochgestellte Persönlichkeit hätte das organisieren können. Vielleicht der eigentliche Vater des Kindes Ernestine? Karoline brachte nach der Hochzeit zwei weitere Kinder zur Welt - von einem stammt Johnson ab.

Das steht nicht im Augsburger Trauungsbuch, dafür aber eine andere Notiz, die den Londoner Bürgermeister staunen ließ: Karoline von Rottenburg war eine uneheliche Tochter von Prinz Paul von Württemberg. "Ich habe der Mystery geknackt", sagt Johnson im BBC-Film, und Hunderttausende Briten konnten ihn währenddessen in Augsburg sehen.

Neben ihm stand Archivleiter Erwin Naimer. "Ich hätte nie gedacht, dass ich mal mit dem Londoner Bürgermeister im britischen Fernsehen zu sehen sein werde", sagt er lächelnd und beschreibt den englischen Politiker als sympathischen, pfiffigen Treibauf, der immer die richtigen Fragen gestellt habe.

Doch es gab noch zwei weitere Überraschungen für den Politiker und Journalisten: Wie die BBC später noch herausfand, ist Johnson über das Königshaus Württemberg um ein paar Ecken mit Queen Elizabeth und Prince Charles verwandt. Und der Ursprung des Tafelsilbers von Großmutter Irene wurde auch noch geklärt: Es war einst ein königliches Geschenk. Johnsons Urururgroßmutter Karoline, die als Mädchen bei ihrem Vater Prinz Paul lebte, bekam das Silber von ihrem Onkel Wilhelm, dem König von Württemberg, geschenkt.

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Lea Thies

Augsburger Allgemeine
Ressort: Kultur und Journal