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12. Januar 2009 20:15 Uhr

Augsburg

Mega-Prozess um den Tod der kleinen Ursula Herrmann

Ab 19. Februar werden die Entführung und der Tod der zehnjährigen Ursula Herrmann aus Eching juristisch aufgearbeitet. Das Landgericht Augsburg steht vor dem vermutlich längsten Indizienprozess, den es in Augsburg je gab. Von Holger Sabinsky

Ursula Herrmann erstickte in dieser Holzkiste.

Augsburg/Eching Dem spektakulären Verbrechen vor mehr als 27 Jahren folgt ein spektakulärer Prozess: Ab 19. Februar werden die Entführung und der Tod der zehnjährigen Ursula Herrmann aus Eching juristisch aufgearbeitet. Angeklagt ist der 58-jährige Werner M. wegen erpresserischen Menschenraubs mit Todesfolge. Seine Ehefrau muss sich wegen Beihilfe verantworten. Beide bestreiten die Tat.

Und das ist der Knackpunkt: Der Ausgang des Verfahrens ist völlig offen. Die 8. Strafkammer des Landgerichts Augsburg steht vor dem vermutlich längsten Indizienprozess, den es in Augsburg je gab. Bislang sind bereits mehr als 200 Zeugen geladen, darunter die Eltern von Ursula, etliche Ermittler und Bekannte der Angeklagten. Dazu kommt eine noch nicht feststehende Zahl von Sachverständigen. Bis zum Jahresende sind 52 Prozesstage angesetzt. Nach der jetzigen Zeitplanung könnte ein Urteil kurz vor Weihnachten fallen. Es könnte aber auch alles ganz anders kommen, wenn beispielsweise das Ehepaar die Tat gesteht. Zweifelsohne wird die lange Zeit, die seit der Tat vergangen ist, dem Gericht Schwierigkeiten bereiten: Mögliche Zeugen sind bereits tot, andere haben Schwierigkeiten, sich zu erinnern.

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Die Tat, die sie verübt haben sollen, war eines der aufsehenerregendsten Verbrechen der Nachkriegsgeschichte: Am 15. September 1981 wurde die damals zehnjährige Ursula Herrmann auf dem Heimweg vom Turnunterricht bei Eching am Ammersee entführt. Das Mädchen wurde in einer Kiste eingesperrt, die Kiste im Wald vergraben. Ursula erstickte qualvoll, die eingebaute Lüftungsanlage war durch Laub verstopft.

Werner M. war im Mai 2008 als mutmaßlicher Entführer von Ursula in Schleswig-Holstein festgenommen worden. Damals hatte die Staatsanwaltschaft ein Tonbandgerät präsentiert, auf dem Spezialisten des Bayerischen Landeskriminalamtes Spuren gefunden haben sollen, die in direktem Zusammenhang mit den Erpresseranrufen von 1981 stehen sollen. Das Tonband war bei einer Hausdurchsuchung des Beschuldigten im Jahr 2007 beschlagnahmt worden. Auch abgehörte Telefongespräche zwischen dem Ehepaar sollen belastend sein. Das Ehepaar hatte zum Zeitpunkt der Tat am Ammersee in der Nähe des Opfers gewohnt und war später nach Norddeutschland gezogen.

Walter Rubach, der Augsburger Verteidiger von Werner M., sagte gestern gegenüber unserer Zeitung, noch nie habe es in einem Verfahren so wenig Handfestes gegen die Beschuldigten gegeben. "Es gibt nichts, nichts, nichts; keine DNA-Spur, keine Fingerabdrücke, keine Blut- oder Haarspuren", sagte Rubach. Stattdessen gebe es für die Verteidigung Alternativtäter.

Ob also der momentane Zeitplan des Gerichts Bestand haben wird, ist zu bezweifeln.

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