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08. Juni 2010 19:45 Uhr

Ingolstadt

Mitten im Hochwassergebiet blühte der Schwarzbau

Ausgerechnet in der Heimat von Horst Seehofer blühte einst der Schwarzbau. Jetzt fordert die Regierung von Oberbayern, dass in Gerolfing 176 Häuser abgerissen werden. Von Harald Jung

Ein bewachsenes Haus.

Ausgerechnet in Gerolfing, der Heimatgemeinde von Ministerpräsident Horst Seehofer, blühte einst der Schwarzbau im Hochwassergebiet der Donau. Jetzt fordert die Regierung von Oberbayern den Abbruch von 176 teils sehr komfortabel ausgebauten Häusern in einer 60 Jahre alten Wochenendsiedlung. Der Protest ist heftig.

Die Stadt Ingolstadt hat den komplizierten Fall im Zuge der Gebietsreform als Erbe mitbekommen, denn Gerolfing ist längst zum Stadtteil geworden. Nun kämpft man im Rathaus seit Jahren um eine Kompromisslösung, aber die ist nicht zu finden. Und dabei hätte man sie so sehr gebraucht, denn auf den großzügigen Grundstücken mitten in einem herrlichen Naherholungsgebiet residieren inzwischen viele einflussreiche und finanzkräftige Bürger. Die haben sich im Laufe der Jahrzehnte die Parzellen gekauft, auf denen nach dem Zweiten Weltkrieg notdürftiger Wohnraum für viele Flüchtlinge entstanden war. Später wurde die Wochenendsiedlung daraus. Die Gemeinde Gerolfing schaute gelassen zu. Jetzt stehen dort 189 Häuser, nur 19 sind genehmigt. Der Rest fällt eindeutig in die Kategorie Schwarzbau. Und auch von den 19 wurden 16 in den Jahren ohne Genehmigung ganz erheblich erweitert und ausgebaut.

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Weil Dutzende Häuser hinter blickdichten Hecken und mannshohen Blumenrabatten zwischenzeitlich einen Standard haben, wie ihn sich so mancher Hausbesitzer nur wünschen würde, ist die Betroffenheit der Eigentümer groß. Zuletzt wollte die Stadt die Situation noch über einen Bebauungsplan in den Griff kriegen, aber die Regierung von Oberbayern hat die Kommune zurückgepfiffen: Die Hochwassergefahr sei nicht abzuwenden. Es bestehe Gefahr für Leib und Leben und deshalb sei hier nichts zu finden, was posthum auf sichere, rechtliche Beine gestellt werden könne, so die Regierung.

Als die Stadtväter auch das nicht glauben wollten, ging der Fall vor Gericht. Das Urteil ist eindeutig: Der Bebauungsplan sei "unheilbar nichtig", so die Verwaltungsrechtler. Ingolstadt erwecke bei den Hausbesitzern gar einen "Rechtsanschein", wenn der Bebauungsplan nicht sofort aufgehoben wird, warnen Richter und Regierung. Zuletzt war alles beim Pfingsthochwasser 1999 überflutet.

Aktuell wird verhandelt, ob die Häuser vielleicht doch noch eine Schonfrist erhalten könnten. Nach Ansicht der Stadt könnte der Abriss erst in 30 Jahren erfolgen, die Eigentümer wollen 99 Jahre Zeit haben. Viele führten in der Vergangenheit erfolgreich Klage gegen städtische Abbruchbescheide und geben den Kampf auch jetzt nicht auf. Die schattigen Sommerresidenzen - oft mit Kameraüberwachung und schönem Komfort - nur zehn Fahrradminuten von der Innenstadt entfernt - werden weiter mit aller Macht verteidigt. Harald Jung

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