Drei Minuten, drei dicke Lacher - und schon hatte Monika Gruber das Publikum vor der Mattscheibe erobert. Sie verteilte verbale Watsch'n im Akkord.



Es war schon recht vorhersehbar. Christian Wulff würde auf jeden Fall sein Fett wegkriegen. Daran kam Kabarettistin Monika Gruber bei der Premiere ihrer ersten eigenen TV-Sendung am Dienstagabend nicht vorbei. Wollte Monika Gruber natürlich auch nicht. Ein dankbareres Thema für bissigen Spott gibt es dieser Tage nicht. Die Frage war: Wie laut würden die verbale Watsch'n gegen den Ex-Bundespräsidenten knallen?
Sie knallten laut - vermutlich noch lauter war aber das Lachen vieler Fernsehzuschauer vor den Bildschirmen. "Leute, Leute!": Das ist gute Boulevardsatire ohne Schonung - das hatte man von der bayerischen Kabarett-Überfliegerin Monika Gruber aber auch erwarten dürfen. Für Christian Wulff hingegen konnte man fast Mitleid empfinden - fast. Dass er für seinen Rücktritt so lange gebraucht habe wie Jopi Heesters sei schließlich seine eigene Schuld, lästerte Monika Gruber. Auch dass alles, was ihm wirklich gehört, "in eine Tupperdose" passe. Doch dass der Mann nun aus dem Schloss Bellevue in Berlin in "seinen leberwurstfarbenen Klinkerhorror in Großburgwedel"zurück müsse..."Ich mein, ich mag ihn auch nicht, aber die Strafe muss doch dem Verbrechen angemessen sein", brach Monika Gruber dann doch die - wenn auch satirische - Lanze für Wulff.
Apropos Lanze: Auch der designierte "Wetten, dass...?"-Nachfolger Markus Lanz bekam einige Spitzen zu spüren. Dass Monika Gruber selbst - "flachbrüstig, noch flacher als ihre Witze, und mit Krähenfüßen" - ihre eigene Sendung gekriegt hat, habe schlichtweg durch "Hochschlafen" funktioniert. Aber wie hat Lanz das nur gemacht als Gottschalk-Erbe für die Kultshow? "Als Assistentin wäre er ja okay, aber als Moderator?", fragte die bayerische Kabarettistin. " Na, Kinder, wenn auf der ,Titanic' der Kapitän von der Brücke geht, dann stell ich doch nicht den Bordfriseur ans Steuer."
Monika Grubers Sprüche saßen. David Beckham bekam ebenso eine drüber wie Fritz Wepper und Lothar Matthäus. Männerlastiger Hohn? Nicht wirklich. Auch Christine Neubauer musste daran glauben - weil sie derzeit Werbung für eine bekannte Abnehm-Kampagne macht inklusive Werbespot, in dem sie sich im roten Kleid hüftschwingend um sich selbst dreht. "Was genau lehren die da?", wollte Gruber wissen. "Das Prinzip Döner? So lange drehen, bis das Fleisch weg ist?"
Nicht alle Zuschauer konnten allerdings über den Debüt-Auftritt der Oberbayerin lachen. Das zeigt jedenfalls die Resonanz auf der Facebook-Seite von augsburger-allgemeine.de. Dort sind die User geteilter Meinung. Während Kommentare wie "super", "Ich liebe es" und "Genial, die Frau ist der Hammer" mit dem überwiegend positiven Medienecho zur Premierensendung einhergehen, empfanden sie andere Nutzer wie Doreen Ogbuehi als "Langeweile im Quadrat und zum Einschlafen". Facebook-Nutzerin Ingrid Rauscher schreibt, sie habe Gruber "schon besser erlebt". Simone Hofmann meint "unterhaltsam", fordert aber auch "mehr Biss, mehr Tiefe, mehr Kabarett!" Gruber könne mehr, sagen einige der Facebook-User.
In zwei Wochen bekommt die 40-jährige "Queen of Boulevard", wie sie Kabarettisten-Kollege Urban Priol jüngst nannte, ihre nächste Chance bei Teil zwei der Satiresendung. Dann werden sicher wieder schallende verbale Watsch'n verteilt. Trifft es dann vielleicht Wulffs Nachfolger Joachim Gauck? Was ist eigentlich mit Lanz-Vorgänger Thomas Gottschalk? Den nahm Gruber schon gestern ordentlich ins Visier - wenn schon seine neue Talkshow beim Konkurrenzsender alles andere als gut läuft: "In den letzten drei Wochen haben mehr Leute den Yeti gesehen als Gottschalk." Der "Gruberin" wird das nach diesem größtenteils gelungenen Debüt wohl eher nicht passieren.
Jetzt bestellen! Das neue iPad inkl. e-Paper.
Artikel kommentieren
| Artikel bewerten: