Mittwoch, 18. Oktober 2017

13. Oktober 2017 07:57 Uhr

Gesundheit

Opposition fordert mehr Sport an Schulen

Viele Kinder neigen zu Übergewicht. Nicht nur deshalb fordern Bildungspolitiker eine zusätzliche Sportstunde. Die Regierung will dafür kein Geld ausgeben.

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Eine Studie der WHO zeigt, deutsche Kinder bewegen sich weniger als früher und essen ungesünder. Freie Wähler fordern mehr Schulsport in der ersten Klasse.
Foto: Daniel Reinhardt, dpa (Symbolbild)

Die Freien Wähler wollen mehr Sportunterricht für Bayerns Schüler. Besonders an Grundschulen sieht Bildungspolitiker Michael Piazolo Bedarf, er forderte gestern im Landtag eine dritte Sportstunde für Erstklässler. Der Abgeordnete erklärte: „Immer mehr Kinder sind übergewichtig. Sport ist das einzige Bewegungsfach. Es muss einen höheren Stellenwert haben.“

Der bildungspolitische Sprecher der CSU-Fraktion, Gerhard Waschler, sieht das anders. Schulsport beschränke sich nicht auf den Stundenplan, sagte er. „Bewegung ist wichtig, aber es ist egal, ob im pflichtmäßigen Schulsport oder im freiwilligen Wahlkurs der Ganztagsschule.“ Würden im Lehrplan zusätzlich Sportstunden eingeführt, müssten Schüler entweder auf andere Schulstunden verzichten oder sie hätten insgesamt mehr Unterricht, sagte er. Dann bräuchten die Schulen auch mehr Lehrkräfte.

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Grünen-Fraktion: Es ist an der Zeit, die dritte Sportstunde wieder einzuführen

Das ließ die SPD-Abgeordnete Diana Stachowitz nicht gelten. Wahlangebote können keinen Sportunterricht ersetzen, sagte sie: „Einzelne Lehrer bieten zwar großartige Projekte an, doch wenn sie wechseln, ist oft Schluss damit.“ Deshalb sei es wichtig, den Sport „strukturell an den Schulen zu verankern“. Ein weiteres Plädoyer für mehr Sportunterricht hielt Thomas Gehring, der bildungspolitische Sprecher der Grünen-Fraktion: „Lernen findet immer noch im Sitzen statt. Dabei ist völlig unklar, ob wir so überhaupt unsere ganze Lernfähigkeit abrufen können.“ Sport biete einen gesunden Ausgleich, helfe bei der Integration und lehre die Kinder, wie sie mit bestimmten Situationen im Leben umgehen, sagte Gehring – Niederlagen zum Beispiel. „Erst Stoiber hat die dritte Sportstunde in der ersten Klasse abgeschafft. Jetzt ist es Zeit, sie wieder einzuführen.“

Dass deutsche Kinder sich weniger bewegen als früher und offenbar ungesünder essen, bestätigt eine neue Studie der Weltgesundheitsorganisation WHO: 2016 waren etwa sieben Prozent der Mädchen und elf Prozent der Jungs zwischen fünf und 19 Jahren stark übergewichtig.

CSU-Staatssekretär: Kulturministerium steht vor bildungspolitischer Gesamtaufgabe

Staatssekretär Georg Eisenreich (CSU) glaubt, dass sich den Schülern auch fern des Unterrichts ausreichend Gelegenheit zum Sport bietet. Er gab zu bedenken, dass das Kultusministerium vor einer großen bildungspolitischen Gesamtaufgabe steht. Investitionen seien in vielen anderen Bereichen nötig, etwa in der Sprachförderung, der Integration und der Ausweitung der Ganztagsangebote.

Ein weiteres Defizit an Grundschulen sieht Michael Piazolo (FW) im fehlenden Schwimmunterricht. Ihm gehe es nicht so sehr um Bewegung, sagte er. „Es geht darum, die Fähigkeit zu erlernen, die das eigene Leben rettet.“ Bis zur sechsten Klasse sollte jeder Schüler das Schwimmabzeichen Bronze erwerben, forderte Piazolo. Diana Stachowitz pflichtete ihm bei. Das „Seepferdchen“ reiche nicht, warnte sie: „Die Schüler von heute sind die Lehrer von morgen. Lernen sie nicht gut schwimmen, werden sie nie Schwimmunterricht geben.“

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Schlagworte

CSU | SPD | Deutschland | FW | Kultusministerium

Ein Artikel von
Anika Zidar

Günter Holland Journalistenschule
Ressort: Volontärin


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