Dienstag, 21. Mai 2013

27. September 2012 08:54 Uhr

Manipulationen

Organspendeskandal in München? - Ärztekammer kritisiert Behörden

Nach dem neuen Verdacht auf Manipulationen bei der Organvergabe - diesmal in einem Münchner Krankenhaus - kritisiert die Bundesärztekammer die bayerischen Behörden.

Nach dem neuen Verdacht auf Manipulationen bei der Organvergabe - diesmal in einem Münchner Krankenhaus - kritisiert die der Bundesärztekammer die bayerischen Behörden.
Foto: Balazs Mohai/dpa

«Mich irritiert sehr, dass aus der bayerischen Staatsregierung vor einiger Zeit vermeldet worden war, dass man die bayerischen Programme überprüft und nichts gefunden habe», sagte Bundesärztekammer-Präsident Frank-Ulrich Montgomery am Donnerstag im Bayerischen Rundfunk (Bayern 2). Die Auffälligkeiten im Münchner Klinikum rechts der Isar zeigten einmal mehr, dass eine unabhängige Prüfung durch eine Kommission der Selbstverwaltung wahrscheinlich «genauer und besser prüft, als eine reine Kommission der betroffenen Ministerien».

Organspende-Kontrolleure haben  gegen ein Münchner Krankenhaus Ermittlungen wegen des Verdachts auf  Manipulationen bei der Vergabe von Spenderorganen eingeleitet. Bei einer Kontrolle des Transplantationszentrums im Klinikum Rechts der  Isar seien "mehrere Auffälligkeiten" bei der Zuteilung von  Spenderlebern festgestellt worden, teilten die zuständige Prüf- und  Überwachungskommissionen für Organtransplantationen am Mittwochabend mit. Es sei eine Sonderprüfung eingeleitet worden, deren  Ergebnisse noch ausstehen.

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Regelmäßige Kontrolle aller Transplantationszentren

Bei ähnlichen Prüfungen an der Uniklinik Hamburg-Eppendorf und der Charité in Berlin seien keine Auffälligkeiten entdeckt worden,  heißt es in der Erklärung weiter. Bei den Kontrollen sei bereits ein neues Prüfverfahren angewendet worden, das die Prüf- und  Überwachungskommissionen in ihrer Sitzung am Mittwoch offiziell  beschlossen, wie es in der Erklärung heißt.

Demnach müssen sich künftig alle Transplantationszentren in  Deutschland einer regelmäßigen Kontrolle unterziehen, um den Verdacht von Manipulationen bei der Vergabe von Spenderorganen auszuräumen. Jedes der 47 Zentren solle künftig mindestens einmal im Zeitraum von 36 Monaten vor Ort überprüft werden, beschlossen die Kommissionen.

Reaktion auf Vorfälle in Göttingen und Regensburg

Mit dem neuen Prüfverfahren reagieren die Verbände auf den Verdacht der Manipulation bei der Zuteilung von Organen an  Patienten, der sich bislang vor allem gegen Unikliniken in  Göttingen und Regensburg richtete. Künftig sollen zwölf  organspezifische Prüfungsgruppen die Kontrolle übernehmen. Jede  Gruppe soll aus zwei unabhängigen Ärzten und zwei Mitgliedern der  Prüf- oder Überwachungskommission bestehen.

Sollten sie - wie nun in München - Auffälligkeiten ergeben,  übernehme eine Sonderprüfungsgruppe die weiteren Ermittlungen, hieß  es in der Erklärung. Diese bestehen in der Regel aus einem Arzt und  einem Juristen. Ziel der Überprüfungen sei es, Auffälligkeiten im Zusammenhang mit der Wartelistenführung von  Transplantationspatienten und der Organvermittlung «sachlich  aufzuklären». Beim Verdacht auf Verstöße würden die Behörden  eingeschaltet. Die Prüf- und Überwachungskommissionen werden  getragen von der Deutschen Krankenhausgesellschaft, dem GKV-Spitzenverband und der Ärztekammer. AFP/dpa

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