Nach dem neuen Verdacht auf Manipulationen bei der Organvergabe - diesmal in einem Münchner Krankenhaus - kritisiert die Bundesärztekammer die bayerischen Behörden.

«Mich irritiert sehr, dass aus der bayerischen Staatsregierung vor einiger Zeit vermeldet worden war, dass man die bayerischen Programme überprüft und nichts gefunden habe», sagte Bundesärztekammer-Präsident Frank-Ulrich Montgomery am Donnerstag im Bayerischen Rundfunk (Bayern 2). Die Auffälligkeiten im Münchner Klinikum rechts der Isar zeigten einmal mehr, dass eine unabhängige Prüfung durch eine Kommission der Selbstverwaltung wahrscheinlich «genauer und besser prüft, als eine reine Kommission der betroffenen Ministerien».
Organspende-Kontrolleure haben gegen ein Münchner Krankenhaus Ermittlungen wegen des Verdachts auf Manipulationen bei der Vergabe von Spenderorganen eingeleitet. Bei einer Kontrolle des Transplantationszentrums im Klinikum Rechts der Isar seien "mehrere Auffälligkeiten" bei der Zuteilung von Spenderlebern festgestellt worden, teilten die zuständige Prüf- und Überwachungskommissionen für Organtransplantationen am Mittwochabend mit. Es sei eine Sonderprüfung eingeleitet worden, deren Ergebnisse noch ausstehen.
Bei ähnlichen Prüfungen an der Uniklinik Hamburg-Eppendorf und der Charité in Berlin seien keine Auffälligkeiten entdeckt worden, heißt es in der Erklärung weiter. Bei den Kontrollen sei bereits ein neues Prüfverfahren angewendet worden, das die Prüf- und Überwachungskommissionen in ihrer Sitzung am Mittwoch offiziell beschlossen, wie es in der Erklärung heißt.
Demnach müssen sich künftig alle Transplantationszentren in Deutschland einer regelmäßigen Kontrolle unterziehen, um den Verdacht von Manipulationen bei der Vergabe von Spenderorganen auszuräumen. Jedes der 47 Zentren solle künftig mindestens einmal im Zeitraum von 36 Monaten vor Ort überprüft werden, beschlossen die Kommissionen.
Mit dem neuen Prüfverfahren reagieren die Verbände auf den Verdacht der Manipulation bei der Zuteilung von Organen an Patienten, der sich bislang vor allem gegen Unikliniken in Göttingen und Regensburg richtete. Künftig sollen zwölf organspezifische Prüfungsgruppen die Kontrolle übernehmen. Jede Gruppe soll aus zwei unabhängigen Ärzten und zwei Mitgliedern der Prüf- oder Überwachungskommission bestehen.
Sollten sie - wie nun in München - Auffälligkeiten ergeben, übernehme eine Sonderprüfungsgruppe die weiteren Ermittlungen, hieß es in der Erklärung. Diese bestehen in der Regel aus einem Arzt und einem Juristen. Ziel der Überprüfungen sei es, Auffälligkeiten im Zusammenhang mit der Wartelistenführung von Transplantationspatienten und der Organvermittlung «sachlich aufzuklären». Beim Verdacht auf Verstöße würden die Behörden eingeschaltet. Die Prüf- und Überwachungskommissionen werden getragen von der Deutschen Krankenhausgesellschaft, dem GKV-Spitzenverband und der Ärztekammer. AFP/dpa
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