Das neue Schuljahr hat noch nicht angefangen und schon ist eines der Hauptthemen der Unterrichtsausfall. Von Ursula Ernst

Bayerns Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) will mit der Neueinstellung von über 3400 Lehrern die Unterrichtsversorgung sichern. Im zurückliegenden Schuljahr hatte eine Überprüfung des Kultusministeriums ergeben, dass zwei Prozent der Schulstunden ersatzlos gestrichen werden mussten, weil Lehrer erkrankten, auf Fortbildung waren oder Lehrerinnen in Mutterschaftsurlaub gegangen sind. Im Spätherbst und im kommenden Frühjahr sollen erneut Erhebungen die Entwicklung aufzeigen.
Philologenverband hat Zweifel an der Wirksamkeit
Erstmals werden in diesem Schuljahr wie schon in Grund-, Mittel- und Realschulen auch am Gymnasium mobile Reserven als Feuerwehr eingesetzt. Vom Bayerischen Philologenverband, der die Gymnasiallehrer vertritt, ist jedoch zu hören, dass die Vertretungen schon ausgebucht waren, ehe das Schuljahr überhaupt begonnen hatte. Zweifel an der Wirksamkeit der neuen mobilen Reserve hat auch die schwäbische SPD-Landtagsabgeordnete Simone Strohmayr. So stünden für die insgesamt 55 Gymnasien in Schwaben lediglich 14 mobile Aushilfen zur Verfügung.
Nachdem am Gymnasium der letzte Jahrgang des G9 aus dem Haus ist, soll jetzt Ruhe einkehren. Das wünschen sich jedenfalls die Lehrer und Schüler. Der Kultusminister will in diesem Schuljahr zur Verbesserung des G8 den Lehrplan der Mittelstufe unter die Lupe nehmen. Lehrer sollen dabei über ihre Erfahrungen berichten: Ist der fachliche Anspruch angemessen? Ist der Stoff in der vorgegebenen Zeit zu bewältigen? Sind die Pädagogen mit den bereits eingeleiteten Veränderungen zufrieden? Bekanntlich haben die Schüler während der Mittelstufe die höchste Unterrichtsmenge und Fächerzahl im Stundenplan.
Der Philologenverband wünscht sich kleinere Lerngruppen und fordert mehr Lehrer, um individuelle Förderung und Beratung ausbauen zu können. Tatsächlich gebe es genug junge Pädagogen für diese Zwecke, die gut ausgebildet, aber ohne Anstellung seien.
Zu diesem Schuljahr hatten sich über 1600 junge Lehrer um eine Stelle beworben. Es wurden aber nur 405 an Gymnasien und 70 an beruflichen Oberschulen übernommen. Die Kritik der Junglehrer lautet: Die Referendare würden vor allem im zweiten und dritten Ausbildungsabschnitt fast wie fertige Lehrer eingesetzt. Sie würden so als billige Alternative missbraucht, sagt Julius Müller von der Jungphilologenvertretung im Philologenverband, und nehmen sich quasi selbst, ein Jahr später, die Arbeit weg.
Beim Ausbau der Ganztagsschulen und der Mittagsbetreuung ist Bayern nach Meinung des Kultusministers auf einem „sehr guten“ Weg. Die Zahl der gebundenen Ganztagszüge steigt zum kommenden Schuljahr von 785 auf 983, sagte Spaenle. Die Zahl offener Ganztagsgruppen wächst um rund 370 auf 3500. Spaenle betonte, alle genehmigungsfähigen Anträge für offene Ganztagsgruppen und für Mittagsbetreuungs-Gruppen würden auch tatsächlich genehmigt.
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