Donnerstag, 21. September 2017

17. Mai 2017 19:06 Uhr

Unterfranken

Rückstrahl von Panzerfaust tötet Soldaten: Wie kam es zum Unglück?

Bei einer Schießübung auf einem Truppenübungsplatz in Wildflecken (Unterfranken) stirbt ein Soldat. Er stand in der "Rückstrahlzone" einer Panzerfaust. Die Ermittlungen laufen. Von Manfred Schweidler

i

Die Bundeswehr hat jetzt einen tödlichen Unfall auf dem Truppenübungsplatz in Wildflecken (Landkreis Bad Kissingen) bestätigt.
Foto: Maurizio Gambarini, dpa (Archiv)

Noch ist unklar, wie es zu dem tödlichen Schießunfall auf dem Truppenübungsplatz Wildflecken (Lkr. Bad Kissingen) gekommen ist. Gegen 15 Uhr war am Dienstag ein Soldat beim Schießen mit einer Panzerfaust ums Leben gekommen (wir berichteten).

„Der Unfall ereignete sich bei einem Gefechtsschießen. Die Soldaten üben dabei mit scharfer Munition“, sagte ein Sprecher des Heeres am Mittwoch. Der Polizei Unterfranken zufolge stand der 22-Jährige am Dienstagnachmittag bei der Abgabe des Schusses genau hinter der Panzerfaust und wurde deshalb vom Rückstrahl der Waffe erfasst.

ANZEIGE

Durch die Wucht dieses Rückstrahls wurde der Hauptgefreite durch die Luft geschleudert und so schwer verletzt, dass er noch auf dem Übungsplatz starb. Ein sofort hinzugerufener Arzt der Bundeswehr konnte nach Angaben der Polizei nur noch den Tod des Soldaten aus dem Kreis Paderborn (Nordrhein-Westfalen) feststellen. Er gehörte der Panzerbrigade im ostwestfälischen Augustdorf (Nordrhein-Westfalen) an.

Üblicherweise muss der Schütze stets vorwarnen, bevor er schießt. „Das kann ein ,Achtung, ich schieße!‘ oder ein anderes vereinbartes, klares verbales Signal sein. Das ist so vorgesehen“, sagte ein Brigadesprecher dazu. Ob der Schütze, ein ebenfalls 22 Jahre alter Soldat, dieses Signal vor dem Abfeuern der Waffe gegeben hat, ist noch unklar.

Kriminalpolizei und Staatsanwaltschaft Schweinfurt rekonstruieren deshalb nun insbesondere die Situation und die zeitlichen Abläufe am Schießstand. Der Polizei zufolge gibt es keine Hinweis, die auf eine vorsätzliche Straftat hindeuten.

Soldat stirbt bei Übung: Kompanie ist tief betroffen

In der Rhön-Kaserne in Wildflecken sind die Soldaten tief betroffen. Ein Sprecher des Heeres: „Wir sind geschockt.“ In der betroffenen Kompanie, die zu Teilen auf dem Gelände übt, ist die Stimmung gedrückt. Der Unfall ereignete sich bei der Übung einer Gruppe von etwa 20 Mann.

„Jeder kennt jeden, viele der Teilnehmer waren schon im Auslandeinsatz zusammen. Das ist wie eine Familie“, fügt der Bundeswehrsprecher an. Zur Verarbeitung der Situation ist das psychosoziale Netzwerk der Bundeswehr mit Psychologen und Pfarrern eingeschaltet. „Das hat schon sehr gut gegriffen“, berichtet der Offizier von den Auswirkungen bei den betroffenen Soldaten.

Soldaten flößt das Üben mit der Panzerfaust Respekt ein. Sie müssen die Waffe für die Bekämpfung gepanzerter Ziele auf die rechte Schulter nehmen, das Ziel anvisieren, die Waffe entsichern und dann den Abzug betätigen. Mit großer Geschwindigkeit wird das Geschoss aus dem Griffstück katapultiert. Ein zusätzliche Raketenantrieb beschleunigt das Projektil anschließend auf über 220 Meter in der Sekunde.

Schon 2004 hatte es einen tödlichen Unfall gegeben

Das Training für militärische Einsätze ist gefährlich. Bereits 2004 hatte es in Wildflecken einen tödlichen Unfall mit dem Rückstrahl einer Waffe gegeben. Ein 29-Jähriger Gebirgsjäger war beim Nachtschießen ums Leben gekommen, als die übenden Soldaten eine Leuchtrakete zur Gefechtsfeldbeleuchtung abschießen wollten. 2003 starb auf dem Gelände ein Soldat beim Überschlag eines Transporters.

2005 forderte realitätsnahes Gefechtsschießen in Hammelburg ein Opfer. Dabei hatte ein Schütze einen 20-jährigen Brandenburger mit einer Zielscheibe verwechselt.

Schon länger plant die Bundeswehr in Hammelburg einen Ehrenhain. „Dort soll aller Angehörigen des Standortes gedacht werden, die in Ausübung ihres Dienstes im In- und Ausland ums Leben gekommen sind“, erklärt Jan Volkmann, Presseoffizier des Ausbildungszentrums Infanterie. Auch der zivilen Mitarbeitern soll gedacht werden.

i


Alle Infos zum Messenger-Dienst