Sonntag, 25. September 2016

03. Oktober 2014 15:23 Uhr

Kempten

Salafist Erhan A. wird abgeschoben

Am Donnerstagabend noch lief in der ARD eine Reportage über den Kemptener Salafisten Erhan A.. Zu dieser Zeit saß der 22-Jährige schon in Haft. Nun soll er abgeschoben werden. Von Stefanie Heckel und Stefan Drescher

i

Der Kemptener Salafist Erhan A. ist festgenommen worden.
Foto: Facebook (Screenshot)

Der Kemptener Salafist Erhan A. ist festgenommen worden. Nach Informationen, die unserer Redaktion exklusiv vorliegen, hat das Amtsgericht Kempten am 2. Oktober Haftbefehl in Vorbereitung zur Abschiebung erlassen.

Erhan A., der erst am Donnerstagabend in der ARD-Sendung Monitor zu sehen war (zum Beitrag in der ARD-Mediathek), wurde dem Haftrichter vorgeführt und in eine bayerische Abschiebehaftanstalt gebracht. Der 22-Jährige soll außer Landes gebracht und den türkischen Behörden übergeben werden, teilte das Bayerische Innenministerium mit.

ANZEIGE

Zur Reportage: David G. - die Geschichte eines Gotteskriegers aus Kempten

Innenminister Joachim Herrmann begrüßte die Festnahme. Erhan A. sei eine „erhebliche Gefahr" für die Sicherheit Deutschlands. "Jemand, der in aller Öffentlichkeit die Gräueltaten der Terrormiliz Islamischer Staat gutheißt, das Köpfen von Journalisten rechtfertigt und nicht davor zurückschreckt, seine eigene Familie zu töten, wenn sie sich nicht an die islamischen Gesetze hält, hat bei uns nichts zu suchen", sagte der CSU-Politiker.

Erhan A. soll den türkischen Behörden übergeben werden

Erhan A. steht laut Innenministerium seit eineinhalb Jahren im Fokus der Polizei. Hinweise zu konkreten Straftaten oder Anschlagsplänen gebe es aber nicht. Daher existiere auch keine Rechtsgrundlage, ihn in Deutschland dauerhaft festzusetzen. "Es gibt keinen anderen Weg, als ihn in sein Heimatland abzuschieben. Er steht dann unter der Obhut der türkischen Sicherheitsbehörden", sagte Herrmann.

Bei islamistischen Gefährdern mit ausländischer Staatsangehörigkeit prüften die bayerischen Sicherheitsbehörden, "ob im konkreten Fall eine Ausweisung oder die Anordnung einer Ausreisesperre besser ist", sagte Herrmann. "Selbstverständlich lassen wir sehenden Auges keinen ausreisen, von dem wir wissen, dass er in Syrien oder im Irak Attentate verübt", betonte er. "Dann unternehmen wir alles, den Gefährder bei uns festzusetzen."

Erhan A. ist in der Islamistenszenen gut vernetzt

Erhan A. stammt aus der Türkei, lebt aber bereits seit seiner Kindheit im Allgäu. Nach dem Abitur studierte er Wirtschaftsinformatik an der Hochschule Kempten. Er war ein enger Freund von David G. aus Kempten, der im Januar als Gotteskrieger der Terrororganisation Islamischer Staat getötet worden war. Auch der 22-Jährige, der sich Abdul Aziz at-Turki nennt, versuchte, sich den Dschihadisten anzuschließen. Allerdings bekommt er ein Ausreiseverbot. Regelmäßig musste sich Erhan A. daher zuletzt bei den Behörden melden.

Erhan A. gilt als in der radikalen Islamistenszenen gut vernetzt. Zuletzt betrieb der Kemptener unter anderem eine Gruppe über den Handy-Nachrichtendienst Whatsapp mit dem Namen "Dawlatul Islam" - einer anderen Bezeichnung für die Terrororganisation Islamischer Staat. 50 radikale junge Muslime, darunter viele Irak- und Syrienkämpfer, gehören dem Chat an.

i


Alle Infos zum Messenger-Dienst