Bayerns Schulminister Ludwig Spaenle (CSU) ist verärgert. Der Grund dafür ist ein Schülerkalender, den die EU-Kommission in ganz Europa kostenlos verteilen lässt. Darin fehlen die christlichen Feiertage.

Bayerns Schulminister Ludwig Spaenle (CSU) ist verärgert. Der Grund dafür ist ein handlicher Schülerkalender, den die EU-Kommission in ganz Europa kostenlos verteilen lässt. Während in der Handreichung auf die muslimischen, jüdischen und hinduistischen Feiertage in Fußnoten verwiesen wird, wurden sämtliche christliche Feiertage aus dem Kalender gestrichen.
Für Spaenle ist das nicht hinnehmbar. "Gegen den interreligiösen Dialog wird in gravierender Weise verstoßen", sagte er gegenüber unserer Zeitung. Der Minister hat eine eindeutige Empfehlung an die Leiter der bayerischen Schulen, die bereits den Kalender erhalten haben: "Entweder sie werfen ihn in den Papierkorb, wo er gut aufgehoben ist. Oder aber die Lehrer lassen die christlichen Feiertage nachtragen und diskutieren darüber."
Wie viele Kalender im Freistaat im Umlauf sind, ist dem Ministerium nicht bekannt, da die Initiative von EU-Verbraucherschutzkommissar John Dalli (Malta) ausgeht. Das Regionalbüro der EU-Kommission in München räumte am Freitag auf Nachfrage ein, dass auf die fehlenden christlichen Feiertage verzichtet worden sei, um den Taschenkalender nicht zu überfrachten. "Eine peinliche Angelegenheit", heißt es jetzt aus dem Regionalbüro.
Europaweit wurden nach EU-Angaben an rund 21 000 Schulen mehr als 3,2 Millionen Kalender verteilt. In Deutschland sind es rund 3900 Schulen und etwas mehr als einen halbe Million Schülerkalender. Der EU-Kommissar will eine schriftliche Entschuldigung an alle Schulen schicken - und einen korrigierenden Anhang.
Das reicht der stellvertretenden CSU-Generalsekretärin Dorothee Bär nicht. "Der Respekt vor anderen Kulturen beginnt mit dem Respekt vor der eigenen Kultur. Wenn sich eine europäische Institution nicht unserer gemeinsamen Kultur bewusst ist, ist das ein fatales Zeichen für die Zukunft der europäischen Gemeinschaft", teilte sie mit. Für Bär gibt es nur eine Lösung: Die EU-Kalender "gehören eingestampft - und zwar sofort".
Die Kosten für das gesamte Projekt belaufen sich nach Angaben aus Brüssel auf fünf Millionen Euro. Von Till Hofmann
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