Montag, 5. Dezember 2016

24. März 2014 17:58 Uhr

Allgäu

Schüsse im Zug: Täter drohten erst mit Schreckschusswaffen

Nach der Schießerei in einem Zug im Allgäu werden immer mehr Details bekannt. Viele Fragen sind aber noch offen. Von Markus Bär und Markus Raffler

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Nach der Schießerei in einem Zug im Allgäu werden immer mehr Details bekannt. Viele Fragen sind aber noch offen.
Foto: Karl-Josef Hildenbrand dpa

Auch vier Tage nach dem dramatischen Schusswechsel im Regionalzug von München nach Kempten ist der genaue Hergang des Vorfalls nicht geklärt. „Derzeit wird ein Gutachten über die exakte Schussfolge erstellt. Vorher können wir keine genauen Angaben machen“, erläutert Thomas Baumann von der Pressestelle des Polizeipräsidiums München.

Bei der Schießerei im Anschluss an eine Routine-Kontrolle waren drei Beteiligte schwer verletzt worden. Einer der beiden Männer, ein per Haftbefehl gesuchter 20-jähriger Russe, war später nahe Günzach (Ostallgäu) aus dem fahrenden Zug gesprungen. Er erlitt tödliche Verletzungen.

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Mutmaßlicher Täter aus Augsburg weiter im Koma

Der zweite mutmaßliche Täter, ein in Augsburg gemeldeter Deutscher (44) kasachischer Herkunft, sprang ebenfalls bei Tempo 100 aus dem Waggon und prallte mit voller Wucht aufs Schotterbett. Er überlebte schwer verletzt und liegt nach einer Notoperation weiter im Koma. Er war vor dem Sprung von Polizeikugeln offenbar an Arm und Fuß getroffen worden.

Warum der 44-jährige Deutsche zusammen mit dem 20-jährigen Russen nach der Kontrolle durch zwei Bundespolizisten das Feuer eröffnet hatte, ist nach wie vor unklar. Beide saßen allein in einem Sechserabteil des Alex. Ohne Vorwarnung hatten die beiden Täter die Beamten erst mit Schreckschusspistolen bedroht.

Schusssichere Weste rettet Polizist das Leben

Dann verletzten sie einen Bundespolizisten mit mehreren heftigen Schlägen auf den Kopf und entrissen ihm die Dienstwaffe. Auf den zweiten Beamten gaben sie mehrere Schüsse auf Oberschenkel und Oberkörper ab. Eine schusssichere Weste verhinderte, dass der Polizist dabei eine tödliche Verletzung erlitt.

An dem Gefecht im Zug war auch ein Beamter des Landeskriminalamtes beteiligt, der zufällig im hinteren Bereich des Alex saß. Er war vom Zugbegleiter alarmiert worden und eilte den Bundespolizisten zu Hilfe. Er sorgte dafür, dass die Passagiere nach hinten in den Zug gingen. Und machte sich dann mit dem am Kopf verletzten Kollegen auf nach vorn, um die Täter zu stellen.

„Dann kam es zu einem zweiten Schusswechsel“, so der Polizeisprecher. Dabei wurde der 44-jährige Täter mindestens einmal getroffen, wobei laut Baumann unklar ist, aus welcher Waffe dieser Treffer stammt. Die Täter öffneten die zwei Türen des Zuges und sprangen heraus. „Einer links und einer rechts“, so der Polizeisprecher.

Der 20-Jährige wurde durch den Aufprall auf die Gleise zurückgeworfen und überrollt. Er blieb schließlich auf dem Gegengleis liegen. Laut Obduktion wurde der Mann nicht von einer Kugel getroffen. „Dem 44-Jährigen wurden durch den Sturz die Zähne eingedrückt, zudem erlitt er innere Verletzungen“, erläutert Polizeisprecher Baumann.

Aussagen, nach denen beide mutmaßlichen Täter als gewaltbereit bekannt waren, wollte die Polizei gestern nicht bestätigen.

Fahrgäste in Panik

350 bis 400 Fahrgäste waren laut Polizei in dem voll besetzten Zug unterwegs. Fünf von ihnen waren bei einem Nothalt auf freier Strecke – ausgelöst durch die gewaltsame Türöffnung – in Panik ausgestiegen. Die übrigen Insassen blieben bis Kempten im Zug. Weshalb die zahlreichen Polizeikräfte dort offenbar erst einige Minuten nach Ankunft des Zuges am Bahnsteig präsent waren, ist derzeit nicht bekannt.

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann hat den Einsatz der beteiligten Polizisten gestern als vorbildlich gelobt.

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