Donnerstag, 30. Juni 2016

25. Januar 2016 17:58 Uhr

TV-Fasching

„Schwaben weissblau": SPD wirft dem BR „Betrug am Zuschauer“ vor

Verhältnisse wie "in Nordkorea": Die SPD ärgert sich über den Bayerischen Rundfunk. Grund ist die Ausstrahlung von „Schwaben weissblau". Der Zuschauer sei getäuscht worden.

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Die Prunksitzung „Schwaben weissblau, hurra und helau“ wurde am vergangenen Freitagabend ausgestrahlt.
Foto: Ralf Lienert

Der bayerische SPD-Vorsitzende Florian Pronold ist über den Bayerischen Rundfunk verärgert und vergleicht ihn mit dem „Staatsfernsehen in Nordkorea“. Grund für die Empörung des niederbayerischen Politikers ist die Ausstrahlung der Prunksitzung „Schwaben weissblau, hurra und helau“ am vergangenen Freitagabend.

In der Sendung ist mehrfach Bayerns Justizminister Winfried Bausback (CSU) zu sehen, obwohl der bei der Aufzeichnung am 15. Januar gar nicht anwesend war. Bausback kam tags zuvor als Ehrengast und in Vertretung des bayerischen Ministerpräsidenten in die Memminger Stadthalle. Auch an diesem Tag wurde aufgezeichnet. Bilder beider Tage werden dann zusammengemischt. Pronold wirft in einem an den BR-Intendanten Ulrich Wilhelm adressierten Brief „Betrug am Zuschauer“ vor. Das Schreiben liegt der Augsburger Allgemeinen vor.

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Nach der „peinlichen Werbung“ für Markus Söder, der einen Gastauftritt in der TV-Dauerserie „Dahoam is dahoam“ hatte, gebe es jetzt einen weiteren Fall, in dem das Bayerische Fernsehen als „verlängerter Arm der Staatsregierung“ auftrete, formulierte Pronold. Der bayerische SPD-Vorsitzende verlangt von Wilhelm eine schriftliche Beantwortung von fünf Fragen, die er gestellt hat. Er will wissen, wer diese „Täuschung“ der Zuschauer zu verantworten hat, ob die Initiative vom Justizminister oder BR-Mitarbeitern ausging, ob es weitere Fälle von hineingeschnittenen Kabinettsmitgliedern in der Vergangenheit gibt. Außerdem fragt der SPD-Landeschef, ob solche Angebote auch Politikern unterbreitet worden sind, die nicht der CSU oder der Staatsregierung angehört haben. Wilhelm solle auch bei der nächsten Rundfunkratssitzung persönlich dazu Stellung nehmen.

BR weist Vorwürfe von Pronold zurück

Der BR reagierte umgehend auf die Vorwürfe. „Herr Pronold geht offensichtlich irrtümlicherweise von einer Live-Sendung aus“, heißt es auf Nachfrage gegenüber der Augsburger Allgemeinen. Die Sendung werde vielmehr traditionell immer an zwei Tagen aufgezeichnet – donnerstags und freitags, mit jeweils gleichem Programm und gleicher Moderation, aber mit unterschiedlichem Publikum. „Somit ist auch die Veranstaltung am Donnerstag in der Memminger Stadthalle nicht als Generalprobe anzusehen, sondern als gleichwertiger Aufzeichnungstag.“

Da nicht jeder der prominenten Gäste am Freitag anwesend sein könne, sei die Redaktion bemüht, in der Moderation eine Begrüßung der Gäste für beide Tage zu schreiben, welche dann entsprechend auch im Bild berücksichtigt würden. Moderator Georg Ried habe im „Warm-Up“ außerdem darauf aufmerksam gemacht, dass es sich um zwei Aufzeichnungstage handele. „Offensichtlich ist dies nicht von allen in dieser Klarheit verstanden worden.“ Künftig will der BR „noch deutlicher darauf hinweisen“.

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Ein Artikel von
Till Hofmann

Augsburger Allgemeine
Ressort: Bayern und Welt