100 Lehrlinge aus Schwaben diskutierten im Bayerischen landtag mit Wirtschaftsminister Zeil. Von Benjamin Büchner

München Wenn Jugendliche Abgeordnete befragen, geben sie sich selten mit einfachen Antworten zufrieden. Das konnten gestern Bayerns Wirtschaftsminister Martin Zeil und Landtagsmitglied Georg Barfuß (beide FDP) erleben. Sie hatten 100 Auszubildende aus Schwaben zu einer Diskussion in den Landtag eingeladen. Dabei waren auch zehn Lehrlinge der Mediengruppe Pressedruck, in der unsere Zeitung erscheint.
Die erste Frage war schnell gestellt, die zweite ließ auf sich warten. Zögerlich gingen die Lehrlinge auf den Minister zu. Erst die direkte Aufforderung von Barfuß beendete das Schweigen: „Jetzt hatten wir einen Herren, also meine Damen!“ Verena Schmidt wollte also wissen, warum sie in der Berufsschule Religion habe, aber kein Englisch: „Wir können zwischen Religion und Ethik wählen, aber ich denke, man könnte die Stunde besser einsetzen.“ Verena lernt am Theater Augsburg Maßschneiderin und hätte lieber Englischunterricht. Zeil hörte zum ersten Mal, dass Maßschneider keinen Englischunterricht haben, und antwortete: „Das kann ich gut verstehen, Bayerisch hat sich international noch nicht so durchgesetzt.“ Verändern kann er die Situation nicht. Ausbildungsinhalte legen die Arbeitgeber und Arbeitnehmerverbände fest. Denen wird Zeil Verenas Anregung aber weitergeben.
Wieso kann man den Meister nicht billiger machen?
An einem Punkt nagelten die Jugendlichen die Abgeordneten fest. Der angehende Kfz-Mechaniker Felix Grömcke fragte: „Wieso kann man den Meister nicht billiger machen?“ Zeils Hinweis auf das Meister-Bafög, das wegen der teuren Meisterschule keine optimale, aber die bisher beste Förderung sei, war den Jugendlichen nicht genug. Louisa Marczewski sagte, ein Meister müsse während der Weiterbildung im Job kürzertreten, lebe so lange von Bafög und arbeite dann jahrelang, um das Darlehen abzubezahlen. „Erst danach kann er von seinem Geld leben.“ Sie würde die Rückzahlungsphase flexibler gestalten und an den Erfolg koppeln.
Noch ein Problem, das kein Wirtschaftsminister sofort lösen kann. Zeil fand Louisas Vorschlag aber gut. Er versprach, sich der Sache anzunehmen.
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