Der Ministerpräsident hat zur Facebook-Party in die Münchner Nobel-Disco P1 eingeladen. Doch statt seiner Fans kommen zur Eröffnung vor allem andere Gäste.

Im Januar in Wildbad Kreuth passierte Horst Seehofer etwas, was er überhaupt nicht mag: Er stand ziemlich ahnungslos da. Die Jungen in der Landtags-CSU hatten gerade ein Papier vorgelegt, das Bayern und die CSU ins virtuelle Zeitalter beamen sollte. Deshalb wurde der Parteichef von Journalisten gefragt, wie er es denn selbst so halte mit den modernen Zeiten – mit seiner eigenen Facebook-Seite zum Beispiel: Wie viele Fans er dort habe. Was er dort so veröffentliche.
Seehofer wurde immer schmallippiger – und schnell wurde klar, dass er keinen blassen Schimmer hatte. Wer den CSU-Chef kennt, weiß, dass ihn so etwas mächtig wurmt. Und dass er auf ein identifiziertes Defizit gerne reagiert, indem er sich – zumindest nach seinem Gefühl – an die Spitze der Bewegung setzt.
So ist es vielleicht nur logisch, dass ausgerechnet der sonst recht konsequent aus dem Schreibmaschinen-Zeitalter stammende Horst Seehofer zur – laut CSU – ersten Facebook-Party eines deutschen Spitzenpolitikers eingeladen hatte. Und zwar nicht irgendwo. Sondern wenn schon, denn schon: in der Münchner Nobel-Disco P1, deren inzwischen etwas angestaubten Ruf Stammgast-Promis von Oliver Kahn bis Boris Becker begründeten.
Statt Fans, Freunden oder des befürchteten Flashmobs drängelten sich zum Auftakt am Dienstagabend allerdings hauptsächlich Journalisten und CSU-Mitarbeiter vor dem Eingang zu der Diskothek.
Ob der Party-Aufruf an seine Facebook-Freunde überhaupt ein kluger Schachzug war, darüber gingen die Meinungen bis zuletzt weit auseinander: „Ob man in der Parteispitze überrissen hat, wie die ganze Szene tickt, weiß ich nicht“, unkte etwa einer aus dem CSU-Vorstand. Zumal vor Beginn völlig offen schien, ob die Party ein Erfolg wird – oder aus dem Ruder läuft. Nach exakt 2561 angemeldeten Seehofer-Facebook-Fans hatte die CSU-Parteizentrale am Freitag die Gästeliste vorzeitig geschlossen. Das sind deutlich mehr Anmeldungen, als Gäste in dem Lokal Platz finden.
Doch auch jede Menge ungeladene Besucher („Ich bring auch meine 84 besten Freunde mit“) hatten sich im Internet angekündigt, weshalb die CSU vorsorglich noch die Terrasse am angrenzenden Haus der Kunst sowie den Parkplatz zur Partyzone erklärt hatte.
Auch auf Seehofers Facebook-Seite wurde noch am Dienstag hitzig gestritten: „Ich find’s peinlich, wie sich die CSU hier an eine verlorene Klientel ranwanzt“, kritisierte einer dort. „Mir gefällt jeder, der Freibierrunden schmeißt“, lobte ein anderer. Die politische Konkurrenz registriert die Wellen, die die Seehofer-Fete schlägt, genau. Giftig reagierte die SPD. Markus Rinderspacher, Chef der Landtags-SPD, sagte, „Kir Royal für Arme“ sei das, was Seehofer im P1 versuche.
Die Spitze der Bayern-Piraten kam am Dienstagabend dagegen persönlich ins P1. Seehofer bekam im Laufe des Abends sogar einen Mitgliedsausweis der Piraten überreicht. Einen Erfolg konnte Seehofer bereits vor Beginn der Veranstaltung verbuchen: Die Zahl seiner Facebook-Fans hat sich binnen zwei Wochen mehr als verdoppelt – auf rund 10000. mit dpa
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